Oper Vor der Diva im Gasteig-Staub

Die 1965 in Adjud (Rumänien) geborene Angela Gheorghiu. Foto: EMI

Der Arienabend von Angela Gheorghiu und Charles Castronovo im Gasteig

 

Sie trug drei Roben zu zwei Frisuren und sah aus, als wäre sie Mitte 20. Nach dem offiziellen Ende um zehn Uhr gewährte sie 40 Minuten lang Zugaben. Ein Fan schenkte ihr eine Rose samt Bärchen: Beides ließ sie ungerührt aufs Podium fallen.

Anna Netrebko würde es herzig küssen. Aber die ist auch halt keine Diva wie Angela Gheorghiu, die rumänische Primadonna mit den scharfen Zähnen.

Die Adina in Donizettis „Liebestrank“ braucht sie nicht zu spielen. Sie ist es leibhaftig: eine kapriziöse Frau, die Männer erst um den Finger wickelt und zum Frühstück verspeist.

Ihr dunkles Timbre ist exquisit, die Technik exzellent. Aber sie vergheorghiut alle Rollen eines Arienabends zu einer: Ich, ich, ich! Händel, Verdi, Mascagni und Gounod waren nur Notenlieferanten, mit deren Hilfe die Diva demonstrierte, wie gut sie singen kann.

Jede Nummer wurde zerdehnt, zur konfliktlosen Melodie weichgespült und mit Manierismen geziert – technisch großartig, aber dramatisch daneben. Offenbar braucht die Gheorghiu Herren wie Georg Solti, Riccardo Chailly oder Antonio Pappano als Reibungsfläche, um als musikalische Darstellerin zu zünden. Denn ihren Platten gebührt auch nach diesem Konzert weiter ein Ehrenplatz.

Vor der Diva warfen sich Tiberiu Soare und die Philharmonie Bohuslav Martinu aus Zlín in den Staub. Das wackere Orchester mag andere Stärken haben, Oper ist es nicht. Der auf den Plakaten namenlose Tenor entpuppte sich als Charles Castronovo mit metallisch dunkler, lyrischer Stimme, Geschmack und strahlender Höhe.

Nach Zugaben von Verdi, Puccini, Brahms und einem herzergreifenden rumänischen Volkslied schleuderten die beiden noch „Granada“ im Duett in die mäßig besuchte Philharmonie. Entertainment! Und der Abend ward gerettet.

 

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