Oper für alle Michele Mariotti dirigiert auf dem Marstallplatz

Die Konzerte von „Oper für alle“ auf dem Marstallplatz sind eine lockere Angelegenheit. Foto: Wilfried Hösl

Opernfestspiele: Michele Mariotti dirigiert bei freiem Eintritt auf dem Marstallplatz

Er stammt – wie Rossini – aus Pesaro, ist Sohn des langjährigen Intendanten der dortigen Rossini-Festspiele und dirigierte 2017 die Premiere von Rossinis „Semiramide“ im Nationaltheater. Nun spielt der Rossini-Spezialist auf dem Marstallplatz ausnahmsweise keinen Rossini: Beim Festspielkonzert unter freiem Himmel stehen Arien von Verdi mit Sonya Yoncheva und die Symphonie Nr. 8 von Antonín Dvorák auf dem Programm. Davor spielt das Jugendorchester Attacca die „Tragische Ouvertüre“ von Brahms.

AZ: Herr Mariotti, wissen Sie, wie das Wetter am Samstag wird?
MICHELE MARIOTTI: Meine Wetter-App sagt: Es könnte am Wochenende regnen. Hoffen wir, dass es am Abend trotzdem trocken bleibt.

Haben Sie schon einmal ein solches Konzert unter freiem Himmel dirigiert?
Nur einmal, in Turin, vor sechs Jahren – auf der Piazza San Carlo, bei einem gemeinsamen Konzert des Opernorchesters und des Orchesters der RAI. Eine schöne Erfahrung, weil bei einem solchen Ereignis viele Menschen zusammenkommen, um gemeinsam etwas zu erleben.

Sie gelten als Rossini-Spezialist. Warum dirigieren Sie eine Symphonie von Dvorák?
Das Rossini-Etikett klebt an mir, weil ich aus Pesaro stamme. Aber ich habe wahrscheinlich mittlerweile mehr Verdi dirigiert.

Arien aus seinen Opern gibt es im ersten Teil.
Das Konzert hat zwei Solisten: die Sopranistin Sonya Yoncheva und das Bayerische Staatsorchester. Es ist eines der besten Opernorchester, aber als Konzertorchester ist es genauso gut. Vor der Pause gibt es drei Arien – unter anderem die Szene der Elisabeth aus „Don Carlos“, ein sehr symphonisches Stück. Die Sopranistin wird die Arie auf Französisch singen. In dieser Sprache hat Verdi „Don Carlos“ komponiert, und französisch passt auch besser zu Melodie.

Was mögen Sie an Dvoraks Achter?
Sie ist intimer und melancholischer als „Aus der Neuen Welt“. Und zugleich voller Ernst und Hoffnung. Ich habe die Achte schon oft dirigiert – jedes Mal entdecke ich neue Details und wundere mich darüber, dass ich sie zuvor noch nicht bemerkt habe.

Einem Hörer geht es oft nicht anders.
Ich habe als Dirigent größten Respekt vor der Partitur, zugleich möchte ich aber verstehen, warum es so und nicht anders komponiert ist. Bei einer Oper steht die dramatische Bedeutung der Musik im Vordergrund. Die gilt es neu zum Klingen zu bringen – zusammen mit dem Gesang und der Inszenierung.

Wie sind Sie Dirigent geworden?
Ich bin im Theater aufgewachsen. Als ich acht Jahre alt war, nahm ich mir einen dieser Spieße, auf die meine Großmutter Shrimps zum Grillen gesteckt hat. Den habe ich auf einen Flaschenkorken als Handgriff gesteckt und in meinem Zimmer alle großen Orchester der Welt dirigiert.

Stand Ihr Berufsziel seitdem fest?
Im Juli und August, während des Rossini-Festivals, wollte ich Dirigent werden, den Rest des Jahres Basketballer. In meiner Heimatstadt gibt es eine große Tradition für diesen Sport. Aber ich war zu klein dafür, weshalb ich an den Konservatorien von Pesaro und Pescara Dirigieren und Komponieren studiert habe.

Wie klingt Ihre Musik?
Ich habe alle Skizzen vernichtet, weil ich nie Komponist werden wollte. Ich wollte die tieferen Strukturen von Musik verstehen lernen.

Wie begann Ihre Karriere?
Mein erstes Konzert habe ich im Theater von L’Aquila dirigiert – leider wurde es 2009 beim Erdbeben zerstört. Mit 27 Jahren sollte ich die letzten zwei Vorstellungen von Rossinis „L’italiana in Algeri“ in Bologna dirigieren. Dann zog sich der Dirigent der Premiere zurück und ich bekam vom Intendanten meine Chance. 2008 wurde ich dort Chefdirigent.

Was machen Sie nach dem Konzert am Marstallplatz?
Urlaub. Dann beschäftige ich mich wieder mit Giacomo Meyerbeers „Hugenotten“. Ich habe die Oper bereits in Berlin dirigiert, nun kommt sie nach 80 Jahren Unterbrechung wieder in Paris heraus.

Marstallplatz, Samstag, 20.30 Uhr, Eintritt frei, keine Karten erforderlich. Das Mitbringen von harten und sperrigen Gegenständen wie Glasflaschen, Stühlen, Hockern oder Kinderwägen sowie von Hunden ist nicht erlaubt. Regenschirme sind gestattet. Hinter dem Marstall gibt es eine Radlgarderobe

 

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