Oper Bellini ist jetzt in Mode

Verkeilung in Shakespearscher Liebe zu italienischen Klängen: Tara Erraught als Romeo (li.) und Eri Nakamura (Julia) in Kostümen von Christian Lacroix. Foto: Winfried Hösl

Zumindest mit den Eitelkeiten hätte Christian Lacroix umgehen können. Jahrelang hat der Couture-Designer Frauen wie Lady Diana, Helen Mirren und Gloria von Thurn und Taxis eingekleidet – jetzt hübscht er Münchens Oper-Diven auf. „Und die sind überhaupt nicht versnobt oder schwierig”, sagt der 59-jährige Franzose.
Am Sonntag hat darüber hinausdarüber hinausVincenzo Bellinis Oper „I Capuleti e i Montecchi” in München Premiere. Laut einer Sprecherin des Nationaltheaters haben nicht nur Opernfans Tickets gekauft, sondern auch ein modisch interessiertes Publikum – dank Lacroix. „Ich bin zum ersten Mal im Leben dort, wo ich immer sein wollte”, sagt dieser. „Mode war für mich nur eine Flucht, sie war mir zu fantasielos.”

 

Die Oper als Lebensziel

Die Bellini-Oper unter der Regie von Vincent Boussard ist für Lacroix das erreichte Lebensziel, nachdem er vor zwei Jahren mit seinem eigenen Modehaus bankrott ging. Der Vorwurf damals: „Ich sei zu weit entfernt vom Geschmack der Leute.” Jetzt kommt ihm seine Extravaganz zugute: Über 30 Kostüme hat er gestaltet, für den Kampf der aus „Romeo und Julia” bekannten Familien Capulet und Montague. „Ich habe mir beim Casting jede Statistin angesehen, damit ich weiß, wie sie sich bewegt, welchen Hautton sie hat. Das Kleid ergänzt nur.” Wie ein Puzzle habe er für die Hochzeitsszene die Stoffe um Körper jeden Altes drapiert. „Boussard wollte etwas Zeitloses und für mich bedeutet das, ein Look muss von einem jungen Mädchen genau wie von einer reifen Frau getragen werden”, sagt Lacroix.
Seit elf Jahren arbeiten Regisseur und Designer europaweit bei Opernproduktionen zusammen. „Ich verbiete mir, in den ersten Phasen die Musik zu hören”, sagt Lacroix. „Sonst habe ich mein eigenes Kopfkino und meine Aufgabe ist es ja nicht, meine Träume zu verwirklichen, sondern die des Regisseurs.”
Der unverkennbare Lacroix-Stil ist dennoch sichtbar: voluminöse Kleider, kräftige Farben, tiefe Ausschnitte, Polster an Schultern und Hüfte, ein opulenter Barockstil. „Mich fasziniert das Comeback des Alten in der Mode”, sinniert Lacroix. Barock sei dem heutigen Publikum näher, als es scheint: „Engen Jeans, dazu die taillierten Jacken und die schmalen Schuhe – so sahen die Männer auch früher aus.”

"Mit Wagner tue ich mich schwer"

Die Roben stellen den Designer vor größere Probleme: Waren Korsetts im Barock unerlässlich, so sind sie heute in der Oper undenkbar. „Das Kleid darf eine Sängerin nicht stören, sie darf es nicht als Gefahr sehen.” Oft genug komme das im Theater vor, glaubt Lacroix, auch weil die Robe der Darstellerin nicht im Detail gefällt. „Ich frage immer, was die Künstlerin an einem Kleid nicht ausstehen kann. Das fällt dann schon beim Entwurf raus. Am Ende muss ein Kleid Selbstbewusstsein geben.” Genau das ist Lacroixs Spezialität: Über Jahrzehnte hatte er den Ruf als perfekter Designer für Hochzeitskleider. „Da trifft die Oper das wahre Leben. Die Frau ist an ihrem Hochzeitstag wie eine Diva, die vor das Publikum tritt.”
Könnte er je zur Couture zurückkehren? Lacroix wiegt den Kopf. „Die Menschen sind angepasst. Es gibt nichts Hässliches mehr, das macht es langweilig.” Opern seien seine Passion. Aufträge gibt es viele, bald wird er in Hamburg die Diven kostümieren. „Obwohl ich viel in Deutschland arbeite, tue ich mir mit Wagner schwerer als mit Puccini oder Bellini. Da muss ich wohl noch dazulernen.

Premiere: Sonntag, 27. März 2011, im Nationaltheater (ausverkauft)

 

0 Kommentare