Online oder offline So shoppt München: lokale Angebote vs. digitale Flexibilität

Trotz des boomenden Online-Handels sind lokale Geschäfte noch längst nicht am Ende. Foto: Sue Harper/Dreamstime.com

Wer schon einmal im Internet eine Ware bestellt hat, der macht dies auch erneut. Diesen Rückschluss ergab eine Umfrage der Bitkom Research, die Internetnutzer über 14 Jahren befragte.

 

Circa 77 Prozent aller Online-Shopper würden dementsprechend mehrere Male im Monat über das Internet einkaufen. Der Online-Handel ist also weiterhin auf dem Vormarsch. Allerdings boomt auch der stationäre Handel. In München generieren lokale Geschäfte vor allem durch Touristen aus dem Ausland Umsatz. In Zukunft wird jedoch das kanalübergreifende Shopping, das sogenannte Cross-Channel-Commerce, das lokale und digitale Angebote miteinander verknüpft, zum neuesten Shopping-Modell des 21. Jahrhunderts werden.

Arabische Touristen sind die kauffreudigsten

Kunden Für ortsansässige Geschäfte in der bayrischen Landeshauptstadt könnte das Geschäft aktuell kaum besser laufen. Immer mehr entwickelt sich der Münchener Einzelhandel zum großen Shopping-Mekka für arabische Touristen. Dies zumindest ergab eine Studie der BBE Handelsberatung, die das Shopping-Verhalten von arabischen Touristen untersuchte.

Im Durchschnitt gibt jeder arabische Tourist 367 Euro in Münchener Geschäftszeilen aus. Im Vergleich zum Jahr 2012 ist dies ein Anstieg um 93 Euro. Auf dem Einkaufszettel stehen vor allem Bekleidungsstücke und Artikel aus der Parfümerie. Über den größten Sprung dürfen sich allerdings Schuhgeschäfte freuen. Mit 32,2 Prozent machen Schuhe den drittbeliebtesten Kaufartikel im mittleren Preissegment aus, was gegenüber dem Jahr 2012 ein Plus von 17,6 Prozent bedeutet.

Auf die wachsende Nachfrage arabischer Touristen reagieren mittlerweile auch die Geschäfte, unter denen vor allem die Ladenzeilen aus der Kaufinger- und die Neuhauserstraße an Beliebtheit gewinnen. Um diesen Trend weiter zu unterstützen, optimieren hiesige Geschäfte hinsichtlich des Kundenservices. Arabische Kunden werden häufig in ihrer Landessprache begrüßt und können sogar in ihrer Sprache beraten werden.

Die meisten Münchener kaufen noch vor Ort ein

Gute Nachrichten gibt es für Münchener Geschäfte auch hinsichtlich einheimischer Einkäufer. Denn lediglich 20 Prozent des Jahresumsatzes werden über das Internet generiert. Die meisten Münchener kaufen lieber vor Ort im Geschäft ein. Dies ergab eine Untersuchung, die der Handelsverband Bayern (HBE) in Auftrag gegeben hat.

Dabei stellte sich ebenfalls heraus, dass durchaus noch mehr Münchener ihre Einkäufe lieber im Geschäft anstatt über das Internet erledigen würden. Denn circa 29 Prozent aller Befragten gaben bei der Umfrage an, dass sie nur selten ein passendes Geschäft für ihr Anliegen in München fänden – und das obwohl die Landeshauptstadt zu den größten Shopping-Paradiesen in Deutschland zählt.

Ebenfalls alarmierend ist die Häufigkeit des „Beratungsdiebstahls“. Hierbei handelt es sich um Menschen, die sich im Geschäft beraten lassen, das Produkt schlussendlich aber im Internet bei einem anderen Händler bestellen. Häufig können bekannte Online-Händler wie area2buy.de vor allem Bekleidungsstücke wesentlich günstiger als lokale Geschäfte anbieten, da sie weniger Kosten für Logistik, Werbung und Personal tragen müssen. Über vier Prozent aller Einkäufer würden sich des Beratungsdiebstahls bedienen. Auch dies zeigt, dass sich stationäre Geschäfte immer mehr dem Kundenverhalten anpassen müssen.


                                                                                                                                       Grafik: area2buy.de

Kanalübergreifendes Shopping wird immer mehr zum Trend Die eingangs erwähnte Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt deutlich auf, wie stark sich der Online-Handel mittlerweile in sämtlichen Gesellschaftsschichten etabliert hat.
- 98 Prozent aller Internet-User sind simultan auch Online-Shopper und bestellen regelmäßig Waren über das World Wide Web.
- Knapp ein Drittel aller Online-Shopper kauft mittlerweile auch Lebensmittel über das Internet.
- Der Anteil der Online-Käufer über 65 Jahren ist in den letzten Jahren von 88 auf 97 Prozent angestiegen.


Besonders unter älteren Menschen wird das Online-Shopping-Erlebnis zunehmend beliebter. Foto: Nyul/Dreamstime.com

Zudem zeigte sich, dass kanalübergreifendes Shopping immer mehr gang und gebe wird. Deutschlandweit würden sich rund 50 Prozent aller Kunden vorab vor Ort im Geschäft informieren, um schlussendlich doch im Internet zu bestellen. Auf der anderen Seite stöbern aber auch mehr als 60 Prozent aller Käufer erst im Netz, bevor sie ihr Produkt dann doch im lokalen Geschäft kaufen.

Der Einzelhandel ist derzeit bemüht, das sogenannte Cross-Channel-Commerce weiter den Ansprüchen der Kunden anzupassen. Hierbei wird derzeit nach innovativen Lösungen gesucht, wie die Ansprüche des typischen Online-Käufers auch in lokalen Geschäften erfüllt werden können. Vor allem zwei verschiedene Modelle werden derzeit erprobt.

Click & Collect  Same Day Delivery
Mithilfe dieses Systems haben potentielle Kunden die Möglichkeit, ein gewünschtes Produkt über den Online-Auftritt einer Geschäftskette zu kaufen. Nach dem Einkauf kann der Artikel umgehend im lokalen Geschäft vor Ort abgeholt werden, sofern verfügbar. Bei diesem Einkaufsmodell kaufen Kunden ihre Ware ebenfalls im Internet ein. Allerdings müssen sie ihr Produkt nicht im Geschäft abholen. Der Anbieter garantiert, dass die Ware nach der Bestellung noch am selben Tag beim Kunden in der Nähe eintrifft. Diese Umsetzung erfordert von lokalen Geschäftszeilen allerdings die Bereitstellung eines eigenen Logistikunternehmens.

Online- vs. Offline-Shopping – hier liegen Vor- und Nachteile

Flexibilität contra sofortige Verfügbarkeit. Dies sind die beiden wesentlichen Punkte, die Käufer abwägen, wenn sie sich für einen Einkauf im Internet oder im Geschäft aus der Nähe entscheiden. Interessant ist allerdings, dass sämtliche Warengruppen sowohl online als auch offline nachgefragt werden, obgleich Güter des täglichen Bedarfs, sogenannte Convenience oder Preference Güter, häufiger im Geschäft vor Ort, hingegen kostspieligere Güter, die weniger häufig erworben werden, sogenannte Shopping oder Speciality Güter wie Möbel oder Automobile, eher über das Internet gesucht werden.

In erster Linie dürfte dies darauf zurückzuführen sein, dass sich Preisvergleiche effektiver über das Internet bewerkstelligen lassen. Gerade vor größeren finanziellen Aufwendungen suchen Kunden die möglichst objektive Beratung über das World Wide Web. Nichtsdestotrotz sind auch lokale Geschäfte in vielerlei Hinsicht im Vorteil.

Einkaufsart Produktvariabilität und Verfügbarkeit Flexible und spontane Shopping-Möglichkeiten Liefer-Service und Preisstrukturen Beratung und Kundenservice
Online

+

Online sind sämtliche am Markt verfügbaren Artikel permanent und rund um die Uhr verfügbar – unabhängig vom Wohnort.

+ / -

Online können Kunden in den meisten Online-Shops rund um die Uhr einkaufen, können ihr Produkt aber nicht sofort nutzen.

+ / -

In Online-Shops ist die Preisstruktur wesentlich günstiger als in örtlichen Geschäften. Viele Shops sprechen eine Best-Price-Garantie aus. Preisvergleiche können einfach umgesetzt werden. Dafür sind die Lieferzeiten aber länger und häufig mit höheren Kosten verbunden.

-

Auch wenn sich viele Online-Shops bemühen, einen 24-Stunden-Kundenservice anzubieten, die Qualität der Beratung ist auch aufgrund der fehlenden Kundennähe häufig weniger hochwertig als in lokalen Geschäften. Auch in Sachen Umtausch und Reklamation gestaltet sich der Online-Handel komplizierter.
Offline

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Offline ist die lokale Geschäftsinfrastruktur dafür verantwortlich, welche Produkte verfügbar sind. Die Produktvielfalt ist örtlich zumeist stark eingeschränkt.

+ / -

In lokalen Geschäften müssen sich Einkäufer an Öffnungszeiten halten, gelangen aber in den Vorteil, ihre Waren unmittelbar zur Verfügung zu haben.

+ / -

Preistransparenz durch die Möglichkeit von Preisvergleichen ist lokal kaum gegeben, sodass man beim Shopping in der Stadt oftmals mehr ausgibt als im Internet. Dafür gestaltet sich die Lieferung der Produkte oftmals günstiger und unkomplizierter.

+

Die persönliche Kundennähe ist das große Plus der stationären Geschäfte. Die Qualität der Produktberatung ist in vielen Läden aber stark unterschiedlich ausgeprägt, dafür fallen für Beratungsgespräche aber auch keine Zusatzkosten an. Auch ein etwaiger Umtausch oder eine Reklamation kann lokal einfacher umgesetzt werden.

Nicht zu vergessen ist derweil, dass vielen Menschen auch das Shopping-Erlebnis wichtig ist. Shopping ist für viele ein Event, eine Art kulturelle Veranstaltung, welche sie mit Freunden und Verwandten teilen möchten. Die Möglichkeit, ein Produkt anzufassen und direkt zu testen, spielt für manche ebenfalls eine wichtige Rolle, was online jedoch nicht möglich ist. Zudem ist das Vertrauen vieler Kunden trotz zahlreicher Gütesiegel für Online-Shops gegenüber dem lokalen Geschäft größer. Dies gilt vor allem beim Einkauf von Lebensmitteln, die trotz zunehmender Nachfrage im Internet größtenteils im örtlichen Supermarkt gekauft werden.

 

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