Olympiasieger im AZ-Interview Greis über Lesser-Triumph: "Phänomenal"

Der Deutsche Erik Lesser holte bei der Biathlon-WM Gold. Es war der erste Sieg überhaupt in seiner Karriere. Foto: dpa

Ex-Biathlet Michael Greis spricht in der AZ über den WM-Triumph von Lesser, das Debakel von Schempp und die starken Leistungen der Frauen.

 

AZ: Herr Greis, Biathlon-Star Erik Lesser hat erst einen einzigen Sieg in seiner Karriere errungen, den aber gleich bei der WM. Besser kann man seinen Erfolg nicht timen, oder?
MICHAEL GREIS: (lacht) Das nennt man punktgenaue Vorbereitung. Aber man muss einfach sagen: der Erik ist der Mann für die großen Rennen, die Big Points. Er hat ja bei Olympia in Sotschi auch zwei Mal Silber geholt. Er hat eine ungemeine mentale Stärke. Er ist ein Typ, der seine eigene Meinung hat, der seinen Weg geht – und dieser Weg hat ihn jetzt zu Gold geführt. Wie er das bei diesen extrem schwierigen Bedingungen mit dem böigen, sich dauernd ändernden Wind gemacht hat, war phänomenal. Erik hatte einen perfekten Tag - und wenn er so einen Tag erwischt, dann lässt er sich das auch nicht mehr aus der Hand nehmen.

AZ: Wie muss man sich Triple-Olympiasieger Michael Greis vor dem Fernseher vorstellen?
GREIS: Jubelnd (lacht). Ich habe für mich festgestellt, dass ich – je länger ich aus dem Aktiven-Zirkus selber draußen bin, immer emotionaler werde. Und ich war schon sehr emotional.

Das waren Sie wahrscheinlich auch beim Debakel Ihres früheren Zimmergenossen Simon Schempp, der im Sprint als einer der Gold-Favoriten sieben Mal daneben schoss und ein echtes Fiasko erlebte...
Ich habe mit ihm lange gesprochen. Er ist ja eigentlich unser sicherster Schütze, aber solche Windverhältnisse liegen ihm nicht. Er ist einer, der eine unglaublich ruhige Hand hat. Aber wenn dir die Böen so von allen Seiten reinpfeifen, dann ist es unmöglich, über die Ruhe zu kommen, dann musst du über die Reaktion kommen, da kann er noch besser werden.

AZ: Steckt man so ein Debakel einfach so weg oder hängt einem das nach?
GREIS: Schwierige Frage. Simon wirkte sehr ruhig, aber die Situation ist mental nicht einfach, gerade, falls es wieder sehr windig sein sollte. Aber in unserem Sport muss man gut vergessen können, da muss man jedes Rennen als neue Chance verstehen. Das wird er auch.

AZ: Gold für Lesser, dazu Silber für Laura Dahlmeier – von der vielbeschworenen Krise der deutschen Biathleten ist bei dieser WM nichts zu sehen...
GREIS: Die Laura war sensationell. Dass die Männer sehr, sehr stark sind, war klar. Super ist, dass wir jetzt auch die Ergebnisse haben, die das belegen. Denn gerade bei Weltmeisterschaften muss man das knallhart sehen, es zählen nur die Medaillen. Selbst als Zweiter bist du der erste Verlierer. Und bei den Frauen muss man sagen: Die Dahlmeier, die Franziska Preuß, die Franziska Hildebrand, das sind ganz, ganz junge Athleten mit einem enormen Potenzial. Da war immer klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Erfolg haben. Die haben die Chance, die neuen Gesichter des Biathlons zu werden. Ich bin superglücklich, dass es jetzt so gekommen ist, das ist für Biathlon in Deutschland extrem wichtig. Man muss sicher viele Dinge, gerade bei den Strukturen, verändern. Ich hoffe nur, dass der Erfolg jetzt das nicht übertüncht und deswegen alle sagen: Wir müssen nichts tun, es läuft ja.

 

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