Olympiabewerbung Tröger: "Unser Scheitern nicht verstanden."

Die Spiele 1972 in München waren ein Erfolg, endeten aber mit einer Katastrophe. Foto: dpa

Unter dem Motto "Wie steht es in der heutigen Zeit um den Olympischen Geist?" diskutierten Walther Tröger und Ludger Schulze am Donnerstag beim Talk im Olympiaturm. 

 

Walther Tröger, der ehemalihe Präsident des Nationalen Olympischen Kommitees spricht beim Talk im Olympiaturm...

...über die Olympischen Spiele 1972 in München:

Tröger: " Es waren Spiele, die noch frei waren vom Doping. Die Athleten standen im Fokus und die Stimmung war fantastisch. Mir wurde gesagt, München war das Modell für die Spiele in London 2012."

...über das Attentat bei Olympia 1972:

Tröger: "Ich selbst hatte mich ja als Geisel angeboten. Ich habe nur funktioniert, aber nicht nachgedacht. Ich werde immer wieder auf die Vorfälle des 5.September angesprochen. Das vergesse ich natürlich nie. Die Attacke galt nicht den Olympischen Spielen, sondern wurde von den Attentätern eher als Schaufenster genutzt. Trotzdem, es wird immer heißen: Es waren wunderschöne Spiele, aber..."

...über den olympischen Geist und dessen Bedeutung:

Tröger: "Olympischer Geist heißt für mich Fairness, Frieden, Chancengleichheit und Akzeptanz. Eben Werte des Sports. Den idealen Olympioniken gibt es nicht. Es gab viele Sportler, die mir imponiert haben, zum Beispiel Rosi Mittermaier. Aber ich freue mich immer, wenn ein Sportler seine Leistungen abrufen kann. Dann ist er in meinen Augen bereits ein Sieger."

...über Korruption im IOC:

Tröger: "Der IOC hat sich gewandelt. Aus dem Club der armen Schlucker, wurde ein reicher Verband. Beispielsweise 1992 wurden zehn Mitglieder aus dem IOC ausgeschlossen, weil sie korrupt waren. Meine Tochter hat auch einen Job angeboten bekommen, als ´Gefallen unter Freunden`. Sie hat abgelehnt. Stimmenkauf muss unbedingt unterbunden werden. Ob der IOC inzwischen frei von Korruption ist, wage ich zu bezweifeln. Es gibt viele Lobbyisten in unseren Reihen. Die Abstimmung für eine Olympiastätte ist geheim, das heißt niemand kann überprüft werden."

...über Doping:

Tröger: "Wir in Deutschland kämpfen sehr stark an gegen Doping. Besonders beim Radsport gibt es gravierende Probleme, da wurde auch seitens des IOC nicht sauber gearbeitet. Ich bin für die Einführung einer Sperre von vier Jahren, falls Doping bewiesen wurde."

...über die Winterspiele 2014 in Sotschi:

Tröger: "Es hatte einen Grund warum Sotschi und nicht Salzburg für die Winterspiele 2014 gewählt wurde. Viele Wintersportverbände wollen sich gen Osten orientieren, in ein schneesicheres Gebiet. Die Wetterbedingungen in Europa sind nicht mehr optimal."

...über die erfolgreichen Spiele in London 2012:

Tröger: "Die Stimmung unter den Sportlern, als auch im Publikum war wunderbar. Keiner hatte angenommen, dass das Londoner Volk so gastfreundlich ist. Das Wetter war für englische Verhältnisse grandios und die Stadien waren ausverkauft. All das machte London zu so einem großen Erfolg."


...über das Debakel der München-Bewerbung:

Tröger: "Ich hab unser Scheitern nicht verstanden. Uns wurden doch gute Prognosen gemacht. Aber es ist nun mal keine Sympathieabstimmung. Es wird sich zeigen, ob München sich für die Winterspiele 2022 erneut bewirbt. Ich glaube wir hätten nun bessere Chancen. Viele andere Städte haben es erst beim zweiten oder dritten Mal geschafft."

 

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