Olympia Vorbild Franzi: Maria Riesch im AZ-Interview

Goldige Madeln: Olympiasiegerin Maria Riesch (l.) mit ihrer Freundin, der ehemaligen Schwimm-Queen Franziska van Almsick. Foto: Bongarts/Getty Images

„Immer im Gespräch, ein bissl Skandalfrau“:Der frühere Schwimmstar beeindruckt dieSki-Olympiasiegerin. Jetzt haben sich die beiden angefreundet – „obwohl wir so unterschiedlich sind.“

 

AZ: Maria Riesch, war Ihnen ein achter Platz in einem Super-G jemals so egal wie am Samstag bei Olympia?

MARIA RIESCH: Naja, nach so einer Goldmedaille denkt man sich schon: Mensch, jetzt ist alles möglich, das beflügelt einen, jetzt kannst du alles ganz locker angehen. Trotzdem muss dann auch alles zusammenpassen, von alleine geht das nicht. Es war ein schwieriges Rennen, schwere Bedingungen, gerade wegen der Lichtverhältnisse. Bissl traurig war ich schon, aber alles in allem ist es keine Enttäuschung. Ich habe die Goldene aus der Kombination sicher, darum war das halb so wild. Wenn die Kombi daneben gegangen wäre, wäre der Super-G freilich bitter gewesen.

Am Tag des Triumphs haben Sie gesagt, Sie müssten das alles erst einmal sacken lassen. Ist das inzwischen passiert?

So langsam habe ich es realisiert, ja. So richtig merke ich das aber erst in den folgenden Wochen und Monaten, wie sich das auswirkt auf mein Leben, wie es mein Leben verändert. Ich freue mich jetzt auf den Rest der Spiele. Und darauf, hier auch viele schöne Kontakte knüpfen zu können.

Etwa mit der Ministergattin Stephanie zu Guttenberg, mit der Sie sich lange unterhalten haben. Wann haben Sie sich denn kennen gelernt?

Erst am Donnerstag, als ich die Medaille gewonnen hatte, da war sie auch hier. Wir haben da Fotos gemacht, groß zum Reden sind wir nicht gekommen, das haben wir jetzt nachgeholt.

Franziska van Almsick, mit der Sie Ihr Gold ausgiebig gefeiert haben, kennen Sie aber schon länger, oder?

Ja, das erste Mal getroffen haben wir uns auf der Hochzeit vom Boris Becker im letzten Sommer. Erst einmal war der Kontakt nicht so intensiv, aber dann haben wir uns wiedergesehen bei der Ehrung des Juniorensportlers von der Sporthilfe, wo sie Vizepräsidentin ist. Ich hielt damals die Laudatio auf die Vicky Rebensburg (alpine Junioren-Weltmeisterin, d. Red.). Wir haben mit Marcus Höfl den gleichen Manager, und dann haben wir bald festgestellt, dass wir beide auf einer Wellenlänge schwimmen – und das, obwohl wir beide so unterschiedlich sind.

Inwiefern?

Sie kommt aus Berlin, ich aus dem tiefsten Bayern, aber wir haben absolut die selben Ansichten und uns von Anfang an super verstanden. Wir haben dann Nummern ausgetauscht und darüber gesprochen, dass sie zu Olympia kommt. Jetzt war sie da, ich kann sagen, Franzi war mein Glücksbringer. Leider fliegt sie jetzt wieder nach Hause.

Haben Sie denn in Ihren jungen Jahren van Almsicks Karriere im Fernsehen verfolgt?

Ja, natürlich. Sie war ja das Aushängeschild des deutschen Sommersports. Und sie war ja auch immer im Gespräch, ein bissl Skandalfrau, die Geschichten um sie herum. Aber eben auch für mich schon ein großes Vorbild. Eine hübsche Frau, eine total beeindruckende Persönlichkeit.

Eine, die auch außerhalb des Schwimmbeckens gut ankam.

Das meine ich ja. Und auch nach der Karriere, da gibt es viele, die in der Versenkung verschwinden, wenn sie die Laufbahn beenden, von denen man nie wieder etwas hört. Bei der Franzi ist das ganz anders, die ist auch seit ihrem Rücktritt immer und überall. Ich finde das cool.

Auch Sie machten klar, dass es ein Leben abseits der Piste gibt. In Val d'Isère etwa, bei der WM vor einem Jahr, als Sie es nach dem Frust der ersten Rennen einmal richtig krachen ließen.

Ich denke, das ist Typsache. Es gibt Leute, die würden das nicht so machen, weil sie es rausbringen würde. Bei mir ist es so, ich muss auch mal los lassen. Egal ob nach einem Sieg oder nach einer Niederlage. Damals in Val d'Isère gab es eine Feier nach dem Frust, und es hat auch funktioniert, weil ich am Ende noch den Titel im Slalom geholt habe. Und hier habe ich halt nach dem Olympiasieg gefeiert. Wobei ich schon sagen muss: So eine Feier wie hier macht dann doch mehr Spaß.

Interview: Florian Kinast

 

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