Olympia Unbändige Frauen-Power!

Die letzte Folge von „Stars schreiben in der AZ“: Hier schreibt die Gold-Rosi über die Gold-Maria, die Gold-Vicky und die Gold-Evi. Und über ein Paar Handschuhe, das Feuer, die Medal’s Plaza. Lesen Sie das Fazit der AZ-Kolumnistin Mittermaier.

 

Von Rosi Mittermaier

Handschuhe brauche ich noch. Unbedingt. Diese roten Fäustlinge, die hier zum Kult-Objekt geworden sind. Die waren einfach der Renner. Die letzten zwei Wochen waren es auch.

Die Olympischen Spiele in Kanada, das hat gepasst. Allein die Volunteers, die freiwilligen Helfer, die ehrenamtlich jeden Tag viele Stunden geduldig gearbeitet haben. Das fröhliche Gesicht dieser Spiele.

Die Menschen haben sich begeistern lassen für den Wintersport, für ihre traditionellen Sportarten wie Eishockey natürlich mehr als etwa für das hier weniger populäre Biathlon. Aber selbst da gab es immer gute Stimmung, wurden alle Sportler gefeiert, mit unglaublicher Herzlichkeit. Den Menschen hat Olympia Spaß gemacht. Mir auch.

Das lag auch an unseren strahlenden Medaillengewinnern, wobei es ja vor allem Gewinnerinnen waren. Die unbändige Frauen-Power in der deutschen Mannschaft fiel wirklich auf. Sportlerinnen, die charakterlich alle ganz unterschiedlich, aber doch alle große Sympathieträgerinnen waren und ein großer Gewinn sind. Magdalena Neuner, die ich bei ihrem Gold im Massenstart angefeuert habe, der ich großen Respekt zolle, wie sie den Rummel um ihre Person meistert. Durch ihre ersten Erfolge, die WM-Titel in frühen Jahren, hat sie nun sicher Erfahrung, mit den Folgen des Ruhms umzugehen. Und außerdem hat sie so ein gesundes Selbstbewusstsein und so ein gutes familiäres Umfeld, dass ich sicher bin, dass sie nichts umschmeißt.

Dann natürlich unsere Gold-Mädls bei den Alpin-Frauen, die Maria Riesch und die Vicky Rebensburg. Auch Viktorias Erfolg habe ich an der Rennstrecke in Creekside verfolgt, mit Kathy Kreiner, die 1976 in Innsbruck den Riesenslalom gewann.

Wir haben die Viktoria richtig heruntergeschrien, weil ich sie eine ganze Pfundige finde. Letztes Jahr, als sie bei der Junioren-WM bei uns in Garmisch-Partenkirchen so erfolgreich war, habe ich ihre Eltern kennengelernt. Herzliche, liebenswerte Menschen.

Und nicht zu vergessen Evi Sachenbacher, der ich den Sieg im Team-Sprint mit Claudia Nystad und das Staffel-Silber gegönnt hatte, acht Jahre nach dem ersten Olympia-Triumph, vier Jahre nach dem Schlamassel von Turin, wo es diesen Ärger um ihre Blutwerte gab. Ich kenne ihre Familie recht gut, die Evi kommt wie ich aus Reit im Winkl.

Wir haben wirklich ein tolles Bild abgegeben als Mannschaft, das hat mich so gefreut wie der Umstand, dass bei Olympischen Spielen einfach alle mitfahren können. Die Exoten, auch wenn sie mit einer halben Minute Rückstand ins Ziel kommen. Für die ist es das höchste, wenn sie ins Ziel kommen und sagen können, sie haben an Olympischen Spielen teilgenommen. Zu den beiden Geschwistern, die hier für Peru gestartet sind, habe ich ja übrigens eine ganz besondere Beziehung. Ornella und Manfred Oettl Reyes, die sind ja in der Nähe von Traunstein aufgewachsen, wo meine Schwester Evi Skilehrerin war. So hat sie denen als Kinder das Skifahren beigebracht.

Aber natürlich gab es nicht immer Grund zur Freude.

Der Tod des georgischen Rodlers wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier warf einen großen Schatten auf die Spiele. Eine unfassbare Tragödie, ein fürchterlicher Schicksalsschlag. Wie sie hier damit umgingen, etwa bei der Eröffnungsfeier, das aber fand ich bemerkenswert.

Natürlich gab es auch Punkte, von denen ich nicht so begeistert war. Ein Beispiel die Medal's Plaza in Whistler. Ich empfand es als unsinnig, dass man sich da schon im Vorfeld Eintrittskarten besorgen musste. Dass das so reglementiert wurde und man dann teilweise kein Ticket mehr bekam, wenn man sich spontan entschloss, um jemandem aus unserer Mannschaft zujubeln. Eine Siegerehrung soll eine große Party sein.

Auch nach dem Olympischen Feuer habe ich lange suchen müssen, ich musste mich erst durchfragen, bis ich es fand, so versteckt war das hier, hinter einem Zaun. Das ist etwas, was wir vielleicht dann anders machen könnten, in acht Jahren, wenn hoffentlich wir in Oberbayern Gastgeber der Winterspiele sind.

Alles in allem aber werde ich immer gerne an diese Spiele zurückdenken, und ich werde viele schöne Erinnerungen mitnehmen. Und schöne Souvenirs auch. Hoffentlich. Sie wissen ja, die Handschuhe.

 

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