Olympia Kober: „Lena spornt mich an“

Der Star des deutschen Snowboard-Teams: Amelie Kober. Foto: Thomas Gaulke

Snowboard-Favoritin Amelie Kober lässt sich von den Erfolgen der Kolleginnen inspirieren. Hier spricht sie außerdem über Schlaflosigkeit und berichtet von Plünderungen im Olympischen Dorf.

 

AZ: Frau Kober, haben Sie Rituale?

AMELIE KOBER: Nein, damit macht man sich nur verrückt. Wenn ein Ritual mal nicht funktioniert, dann sorgt das nur für Panik. Glücksbringer aber, da habe ich schon welche dabei. Eine ganze Batterie.

Erzählen Sie doch mal.

Drei Ein-Mark-Stücke, vier Schweinchen, Glückskekse.

Glückskekse?

Ja, von meiner Tante Evi. Die haben mir meine Eltern mitgebracht, als sie am Montag angekommen sind.

Haben Sie schon welche geknackt?

Nein, das kommt noch. Vor dem Rennen am Freitag.

In Glückskeksen steht ja immer ein Spruch. Stünde auf einem Zettel „Freitag wird Ihr großer Tag“, da hätten Sie sicher nichts dagegen.

Nein, das will ich doch hoffen. Wobei ich schon sagen muss, dass es nicht leicht ist, jeden Tag die Siegerehrungen zu sehen, wie jeden Tag einem anderen gratuliert wird, und du selbst hast deinen Wettkampf noch vor dir. Die Spannung wird langsam unerträglich.

Konnten Sie die Atmosphäre hier in der Stadt dann überhaupt genießen bisher?

Ja, den ganzen Wahnsinn hier kriegt man schon mit. Dienstag war ich beim Eishockey, bei unserer Niederlage gegen Kanada, was da abging, das war irre. Hier bist du mittendrin in der Stadt, vor vier Jahren waren wir weit weg von Turin in den Bergen von Bardonecchia. Das war ganz anders.

Da war vieles anders. Damals gewannen sie als kaum bekanntes Talent Silber, nun sind Sie Favoritin auf Gold.

Das ist doch eigentlich das Schönste, was es gibt! Aber natürlich ist das jetzt ein anderer Druck. Ich habe in letzter Zeit bewusst vermieden, zu lesen, was über mich geschrieben wird.

Die Olympia-Generalprobe am heimischen Sudelfeld haben Sie ja auch gewonnen.

Ja, aber jedesmal wenn ich vor einem Großereignis im letzten Rennen Erste war, ist dann nichts daraus geworden. Mein Traum wäre eine Medaille, das wäre das Höchste.

Viele andere deutsche Wintersportler haben schon abgeräumt. Dann sprechen Funktionäre immer von einem Schub fürs Team. Ist das so?

Das hat schon Auswirkungen. Wenn ich die Lena Neuner sehe, die Maria Riesch, das spornt mich schon an, das weckt den Ehrgeiz. In den Tagen davor denkst du nur an eine Medaille.

Und wenn es nichts wird?

Dann musst du dir doch immer wieder sagen, das das Leben auch ohne Medaille weitergeht. Es wird einfach Zeit für den Wettkampf. Ich denke oft an 2006. Wenn es diesmal auch so wird, dann werde ich kaum ein Auge zu tun, damals war ich schlaflos vor lauter Hyper-Nervosität.

Und was haben Sie damals gemacht dagegen?

Ich bin wie wild im Olympischen Dorf herumgetigert und habe erstaunt die Plünderungen beobachtet.

Plünderungen?

Ja, da waren schon die ersten Bilder von der Wand geklaut, Banner, alles mögliche, was sich die Sportler als Souvenir mitgenommen haben.

Und welches Souvenir nehmen Sie mit nach Hause?

Am liebsten eines, das ich am Freitag gewinnen werde.

Interview: Florian Kinast

 

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