Olympia Der Bob-Schumi

André Lange ist der erfolgreichste Bob-Pilot in der Geschichte Olympias. Foto: dpa

André Lange rast mit Bremser Kevin Kuske zum vierten Gold. Das fünfte soll noch folgen, dann beendet er seine Karriere. Schon vorher fließt viel Bier: „Jetzt ist Fasching in meinem Kopf“.

 

WHISTLER Erst gab’s ein Küsschen für den Bob, mit dem André Lange und sein Bremser Kevin Kuske gerade den Coup geschafft hatten. Dann brauchte der Meister Bier. „Jetzt ist Fasching in meinem Kopf“, sagte Lange nach seinem Triumph im Eiskanal, „jetzt werden wir das Ganze erst einmal genießen und eine Hopfenkaltschale zu uns nehmen.“

Schließlich hatten Lange und Kuske Historisches geschafft. Der Sieg im Zweierbob am Sonntag bedeutete für das Pärchen das vierte Olympia-Gold insgesamt. So erfolgreich wie Lange war vor ihm noch kein Bob-Fahrer gewesen.

Und dabei muss es nicht bleiben: Auch für die am Wochenende anstehenden Viererbob-Rennen gilt der 36-Jährige Thüringer als Favorit – neben seinem deutschen Rivalen Thomas Florschütz, der im Zweierbob mit Silber den deutschen Triumph perfekt machte. Für Lange wird es dann der letzte olympische Wettbewerb sein, seinen Rücktritt nach den Spielen hat er schon lange angekündigt.

„Das war definitiv mein letzter Wettkampf im Zweier“, sagte er, „das feiern wir jetzt und kosten es die nächsten 24 Stunden voll aus. Aber im Delirium wird das nicht enden.“

Schließlich will er auch nächstes Wochenende nochmals allen zeigen, dass er es kann. Auch wenn er es nicht bräuchte. „Egal ob Gold oder eine Medaille zum Abschied im Viererbob, er macht sich unsterblich“, sagte Andreas Trautvetter, der Präsident des Bob- und Schlittenverbandes. Sein Vize Rainer Jacobus meinte sogar: „André ist der Schumacher des Bobsports.“

Und da ist durchaus etwas dran. Nicht nur, was die Leidenschaft fürs Haarefärben anbelangt. Lange, der bei der Eröffnungszeremonie Fahnenträger der deutschen Mannschaft war, tritt in Vancouver blondiert auf, der Formel-1-Rekordweltmeister hat blonde Strähnchen im Haar. Die beiden eint die Technikbesessenheit, der Ehrgeiz, das Gefährt immer besser machen zu wollen – sowie der Umgang und das Leben mit dem Risiko.

„Natürlich ist immer eine gewisse Gefahr da bei dem, was wir machen“, sagte Lange, „aber das ist Rennsport.“ Für zu gefährlich hält er die Bahn in Whistler, in der in Training und Wettkampf immerhin 14 seiner Konkurrenten stürzten, jedenfalls nicht. „Es ist eine besondere Bahn. Es ist eine anspruchsvolle Bahn. Aber wenn das Eis ordentlich ausgebaut ist, ist die Bahn auch gut zu fahren“, sagte er.

Lange selbst würde sich aber wohl nie mit einem wie Schumacher vergleichen. Starkult ist dem Thüringer fremd. Und gar übermenschlich sei er gleich gar nicht. „Also, ich sage mal ganz ehrlich: Ich muss immer noch die Hose runterziehen, wenn ich auf Toilette gehe, ich bin auch nur nackig auf die Welt gekommen“, sagte er. Nackig, aber mit starken Nerven.

fil

 

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