Olympia 2014 in Sotschi Kombinierer verschenken Gold

Das Nordische Drama: Rießle, Rydzek und Kircheisen behindern sich bei der Jagd auf Platz 1 gegenseitig, am Ende kommt nur die Bronzemedaille heraus. Frenzel, nach dem Springen vorne, wird Zehnter.

 

Sotschi - Drei Deutsche gingen in die Kurve – nur zwei kamen wieder raus... Welch ein Drama auf der Loipe im Großschanzenwettbewerb der Nordischen Kombinierer! Hinter Jörgen Graabak und vor Magnus Moan (beide Norwegen) biegen Fabian Rießle, Björn Kircheisen und Johannes Rydzek ins Stadion ein, doch Rießle und Rydzek kommen sich ins Gehege, Rydzek stürzt, bringt auch Rießle aus dem Takt – weg ist Gold, das holt sich Graabak vor Moan.

„Es war eng wie die Sau und wir sind leider zusammengestoßen. Es war keine Absicht“, entschuldigte sich Rießle, der immerhin noch an Kircheisen, der Vierter wurde, vorbei zu Bronze lief. Der Bundestrainer war bedient. „Es tut mir in der Seele weh“, sagte Hermann Weinbuch. „Da muss mehr rauskommen! Wir haben eine Medaille hergeschenkt.“

Ähnlich sauer war Kircheisens Freundin Bella Laböck, die Snowboarderin. Sie schäumte via Facebook: „Ich bin heiser, zitter überall, Puls von 300. Manche Sachen lasse ich lieber unkommentiert... Geht gar nicht!“ Kircheisen sagte: „Jeder will eine Medaille machen, da wird geschoben und gemacht – verständlich, das ist Olympia!“

Weinbuch gab Kircheisen allerdings selbst die Schuld am Blech. Weil er am letzten Berg losgesprintet war statt bis zum Zieleinlauf zu warten: „Er hat es nicht geschafft, sich im Zaum zu halten. Er war taktisch zu ungeduldig, wäre eigentlich der Stärkste gewesen.“ So musste sich Kircheisen (30) vom 23-jährigen Rießle düpieren lassen.

Der große Pechvogel war aber Rydzek (8.), der im Zielraum auf den Kollegen losschimpfte. „Da sind die Emotionen kurz durchgegangen, aber das kann passieren“, sagte er. „Es war ein Gerangel, sehr eng. So ist Sport. Glückwunsch an Fabian.“ Rießle dagegen war glücklich: „Ein saugeiler Tag, trotz des Scheißwetters. Absoluter Wahnsinn!“

Eric Frenzel, Dominator des Weltcups und Kleinschanzen-Sieger, konnte derweil trotz Virusinfektion und Nebenhöhlenentzündung starten, siegte zwar im Sprungdurchgang. In der Loipe aber ging ihm erwartbar die Puste aus, er wurde Zehnter. Dennoch war der 25-Jährige, den seine Verlobte Laura und Sohn Philipp vor Ort anfeuerten, zufrieden: „Es ging darum, die Rohre freizuschießen für den Teamwettbewerb (Do., 9 Uhr, ARD, d. Red.). Ich gehe mit einem positiven Gefühl raus.“ Am Donnerstag können sie sich wenigstens nicht wieder über den Haufen laufen...

 

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