OLG München Anklage gegen mutmaßliche Terroristin Zschäpe

Beate Zschäpe wird vor dem OLG München angeklagt. Foto: dapd

Ein Jahr nach dem Auffliegen der Zwickauer Terrorzelle hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen die Hauptbeschuldigte Beate Zschäpe erhoben. Zunächst blieb offen, welche Unterstützer aus dem Umfeld der NSU mit vor Gericht stehen soll.

 

München/Karlsruhe – Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe sowie mutmaßliche Unterstützer und Helfer der „Zwickauer Zelle“ erhoben. Der Fall soll vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München verhandelt werden. Generalbundesanwalt Harald Range werde am Nachmittag in Karlsruhe eine Erklärung abgeben, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Die 37-jährige Zschäpe ist die einzige Überlebende der Terrorzelle. Ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt töteten sich selbst.

Die rechtsradikale Gruppe hatte sich den Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gegeben. Ihr werden insgesamt neun Morde an türkischen und griechischen Kleinunternehmern in den Jahren 2000 bis 2006 zugerechnet, außerdem der Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn 2007, bei dem die Beamtin Michèle Kiesewetter getötet und ihr Kollege schwer verletzt wurde. Hinzu kommen zwei Bombenanschläge in Köln, bei denen 2001 und 2004 insgesamt mehr als 20 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden.

Wegen welcher Taten Zschäpe im einzelnen angeklagt wird, wurde zunächst nicht bekannt. Im Haftbefehl waren ihr lediglich die Gründung einer terroristischen Vereinigung und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen worden. Auch wurde zunächst nicht mitgeteilt, welche mutmaßlichen Unterstützer der Gruppe zusammen mit Zschäpe angeklagt sind. Insgesamt ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen 12 Beschuldigte aus dem Umfeld der Gruppe. In Untersuchungshaft sitzt von ihnen derzeit nur noch der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben.

Wie das Oberlandesgericht München mitteilte, werde die Anklageschrift den Verteidigern in den nächsten Tagen zugestellt. Zugleich werde ihnen Gelegenheit gegeben, sich zu erklären. Zschäpe war 1998 gemeinsam mit Mundlos und Böhnhardt untergetaucht, nachdem die Polizei eine Bombenwerkstatt der Neonazis entdeckt hatte.

Fast 14 Jahre lang konnte sich die Gruppe im Untergrund halten. Ihren Lebensunterhalt finanzierten die drei unter anderem mit zahlreichen Banküberfällen. Zuletzt lebten sie in einer gemeinsamen Wohnung in Zwickau. Als Mundlos und Böhnhardt sich töteten, um nach einem Banküberfall der Festnahme zu entgehen, zündete Zschäpe die Wohnung an. Am 8. November 2011 stellte sie sich der Polizei.

 

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