Oldtimer-Treffer am Comer See Concorso d'Eleganza: In Schönheit altern

Jedes Jahr im Mai trifft sich eine höchst exklusive Oldtimer-Szene am Comer See, um den Concorso d'Eleganza Villa d'Este zu zelebrieren. Dem Besucher bleibt vor lauter automobilen Schönheiten der Mund offen stehen.

 

Eine passendere Kulisse für die Präsentation historischer Autos als das Nobelhotel Villa d'Este am Comer See dürfte weltweit nur schwer zu finden sein. Smaragdgrünes Wasser, perfekt gepflegter Rasen, bunte Blumenbeete, alter Baumbestand, geharkte Kieswege und großartige Villen aus Belle-Époque-Zeiten. "Jedes Mal, wenn ich hier bin, kann ich kaum glauben, dass dies alles real ist", sagt einer der 52 Teilnehmer, die in diesem Jahr ihre Kostbarkeiten zeigen, beziehungsweise zeigen dürfen.

Purismus gepaart mit Lässigkeit: Ferrari 225 S Spider von 1955 Foto:Michael Specht

Der sogenannte Concorso d'Eleganza im Garten des Luxushotels im kleinen Ort Cernobbio am Comer See in Italien ist eine hochexklusive Veranstaltung, ein Oldtimer-Event der Superlative. Alljährlich im Mai trifft sich eine illustre Schar von Gleichgesinnten und plaudert bei Schampus und Schrimps über Restaurierung und Originalität.

Einer von 29 gebauten Siata Spider mit Fiat V8-Motor. Wert: rund 1,8 Millionen Euro Foto:Michael Specht

Auch so manche Vorbesitzer der Autos sind illuster. Filmstars wie Steve McQueen und Marcello Mastroianni als Erstkäufer im Fahrzeugbrief zu haben, dürfte dem Wert der Oldtimer sicher nicht abträglich sein. Beide fuhren in den 60er Jahren Ferrari. Queen einen 275 GTB/4 von 1967, Mastroianni einen 330 GT aus dem Jahre 1966, eines der schönsten Fahrzeuge aus Maranello überhaupt und absolut zeitlos.

BMW 503 von 1956, gezeichnet von Albrecht Graf Goertz Foto:Michael Specht

Das Sammeln historischer Autos hat sich im Laufe der vergangenen Jahre als äußerst gutes Investment erwiesen. Das spiegeln die weltweit wichtigsten Auktionen für Oldtimer wider. Aus zwei werden drei, aus fünf werden acht und aus zehn schnell auch 15 Millionen Euro, abhängig vom Zustand, dem Design, der Marke und den damals produzierten Stückzahlen.

Ion Tiriac, Ex-Tennis-Manager von Boris Becker, an seinem Rolls-Royce Phantom von 1952 Foto:Michael Specht

Manche der gezeigten Kostbarkeiten sind in wenigen Einheiten in Handarbeit entstanden. Und wenig heißt wenig. Manchmal sind es tatsächlich nur eine Handvoll Autos. Selbst Großserienhersteller wie BMW kommen bisweilen auf Stückzahlen, die heute an einem Tag vom Band rollen. So wurden von dem BMW 503 aus den 50er Jahren nur 273 Stück gebaut. Das zweitürige Coupé, gezeichnet von Albrecht Graf Goertz, war zu seiner Zeit das teuerste deutsche Serienauto, und ist heute ein Vielfaches seines Originalpreises wert.

Models von Lorenzo Riva vor einem Delage Salamanca von 1920 Foto:Michael Specht

Weltweite Suche nach automobilen Schätzen

Sehen und gesehen werden: Lancia Astura Cabriolet von 1937 Foto:Michael Specht

Doch monetäre Tatsachen interessieren die Besitzer nicht wirklich. Geld hat man ohnehin genug, klassische Fahrzeuge dafür meist zu wenig. Und das obwohl bereits eine gut bestückte Sammlung, verteilt auf mehrere Garagen und Hallen, zu Hause steht und die Oldtimer von Fachleuten in Festanstellung gepflegt oder repariert werden.

Concours-Gewinner 2016: Lancia Astura Serie II von 1933 Foto:Michael Specht

"Wer einmal sein Objekt der Begierde gefunden und es in jahrelanger Arbeit liebevoll restauriert hat, hängt am Haken und wird süchtig", sagt Jan De Reu aus Belgien, Eigner eines kleinen und wunderschönen Siata Spider von 1954. "Dann beginnt die weltweite Suche nach weiteren Schätzen."

Auf gängigen Internet-Plattformen werden "Infizierte" nicht fündig. Der Markt, ein Multi-Millionen-Dollar-Business, liegt in den Händen von Händlern, Maklern und Sammlern. Die Szene kennt sich untereinander. Fast jeder weiß, welche Autos wo in welchem Besitz sind. Auf einschlägigen Auktionen oder Treffen wie im Garten der Villa d'Este sieht man sich und tauscht Tipps und Erfahrungen aus.

Den Concorso d'Eleganza gibt es seit 1929

Bereits seit 1929 richtet das renommierte Luxushotel diese exklusive automobile Veranstaltung aus. Damals allerdings standen Neuwagen zur Ansicht bereit. Seit 2005 ist BMW als offizieller Ausrichter mit von der Partie und zeigt in jedem Jahr eine spezielle Studie oder ein besonderes Concept Car, abhängig von der Modellgeschichte des Unternehmens. In diesem Jahr gilt die Verehrung der 02er-Baureihe aus dem Jahr 1966. Mit ihr entstand der Slogan "Aus Freude am Fahren". Der 02er war kompakt und agil und wurde für BMW ein gigantischer Erfolg.

Wie solch ein Auto heute aussehen könnte, präsentieren die Bayern in Form der BMW 2002 Hommage. Die Studie basiert auf dem M2 und wurde im unteren Karosseriebereich komplett neu eingekleidet. Markant sind nicht nur die gelben Scheinwerfer (beliebt in der Renn-Szene der 60er), sondern auch die Spiegelschrift des Wortes "turbo". Genauso trat auch 1973 der 2002 turbo auf, das erste europäische Serienfahrzeug mit Turbomotor. Die BMW-Leute ernteten damals allerdings nicht nur Beifall für diese optische Provokation: 1973 war das Jahr der ersten Ölkrise.

 

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