Ein Quartett kämpft um die beiden Außenpositionen: Die Altstars Franck Ribéry und Arjen Robben sowie Kingsley Coman und Serge Gnabry. "Ich bin froh, dass wir vier solcher Spieler haben", sagt Trainer Niko Kovac.

Philadelphia - Angesichts dieser Konkurrenz im Kader kann Selbstvertrauen nicht schaden, Optimismus schon gar nicht. Wie viele Titel dürfen es denn sein in dieser Saison, Monsieur Coman? "Drei!", stellte der Flügelstürmer des FC Bayern während der US-Reise in Philadelphia klar und hob explizit die Champions League hervor. Darf das aktuelle Team der Saison 2018/19 sogar wieder vom Triple träumen? Wenn man sich die Luxussituation auf den offensiven Außenbahnen ansieht, spricht jedenfalls einiges dafür. Kingsley Coman (22), Neuzugang Serge Gnabry (23), dazu die Altstars Franck Ribéry (35) und Arjen Robben (34) – viel besser geht's nicht in Europa.

"Ich bin froh, dass wir auf den Außenpositionen vier solcher Spieler haben", sagte Bayern-Trainer Niko Kovac jüngst auf Nachfrage der AZ. Im heutigen Fußball brauche man "Schnelligkeit und Technik". Alle vier Kandidaten glänzen in diesen Punkten. Wer sich am Ende durchsetzen wird im bayerischen Vierkampf? Aktuell noch völlig offen.

In der vergangenen Saison hatte es Franzosen-Turbo Coman schon einmal geschafft, Landsmann Ribéry auf die Bank zu verdrängen. Doch dann riss im Februar Comans Syndesmoseband, die Saison war dahin. Und auch die WM. "Am Anfang war ich natürlich darüber traurig", sagt Coman heute, er fühle sich "nicht als Weltmeister", obwohl er in den vergangenen Jahren stets zum französischen Team gehörte. Seine Hoffnung: "Ich bin jung und kann noch zwei Weltmeisterschaften spielen." Coman glaubt also noch an seinen ganz persönlichen WM-Coup. (Lesen Sie dazu: Coman - "Brauchen uns vor niemandem zu verstecken")

FC Bayern: Gnabry muss sich zunächst eingewöhnen

Bei Serge Gnabry sieht die Situation ziemlich ähnlich aus. Der Nationalstürmer (zwei Länderspiele, drei Tore) verpasste die WM wegen einer schweren Adduktorenverletzung. Auf Sicht sehen sowohl Trainer Kovac als auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic Gnabry als Säule der deutschen Elf. Doch zunächst soll sich der Neuzugang bei Bayern etablieren.

"Er ist einer, der erstmal reinfinden muss", sagt Kovac über Gnabry: "Wir müssen das dosieren, dürfen nicht overpacen, damit er nicht wieder in eine Verletzung reinfällt. Wir haben schon das Ziel, dass er zum Ende der Vorbereitung topfit ist, damit er konkurrenzfähig ist wie die anderen auch."

In der Vergangenheit hatte Gnabry immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, bei Ex-Klub Hoffenheim hielt er sich deshalb sogar beim Training zurück, um sich keine weitere Blessur zuzuziehen. "Manchmal braucht er einen Tritt in den Hintern", kommentierte Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann.

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FC Bayern: Die Altstars sind topmotiviert

Bei Bayern kann sich Gnabry eine solche Schonhaltung ohnehin nicht erlauben – sonst gibt es kein Vorbeikommen an Robben oder Ribéry. Coach Kovac ist jedenfalls schon angetan von Gnabry: "Er ist ein toller Spieler. Kompliment, dass der FC Bayern ihn hat." Während Coman auf der linken Seite Ribéry herausfordert, muss Gnabry an Robben vorbei. Was für eine Herausforderung!

Der Niederländer ist körperlich mal wieder im Frühling seiner Karriere, es sei "Wahnsinn", wie Robben trainiere, sagte Kovac. Bayerns Wembley-Helden treibt die Sehnsucht an, noch einmal die Champions League zu gewinnen. Dafür rennt Robben in jedem Training vorneweg, pusht die Kollegen. Vor kurzem, im Anschluss an eine Einheit, knallte Robben von der Strafraumgrenze noch Schüsse aufs Tor. Von fünf Versuchen landeten fünf im linken Eck – perfekt platziert. Gnabry saß übrigens wenige Meter entfernt und schaute interessiert zu. Der Neue sah erschöpft aus, wie die meisten Bayern-Profis – mit Ausnahme von Robben. (Alle aktuellen Gerüchte und Wechsel finden Sie hier im Transfer-Blog)

Der Routinier ist mittlerweile so etwas wie ein Co-Trainer bei Bayern – auf und neben dem Platz. Als jüngerer Spieler müsse man heutzutage "sehr hart arbeiten und nicht zu schnell zufrieden sein", forderte Robben. Viele Youngster hätten es "ein bisschen zu einfach". Für Coman und Gnabry gilt das nicht, beide brennen darauf, den Etablierten ihren Platz zu rauben. "Natürlich bin ich bereit, sonst wäre ich nicht hier", kündigte Gnabry bereits an. Es sei sein Ziel, "so viele Titel zu holen, wie es geht". Klang ja fast wie bei Coman, klang nach: Drei!