Oktoberfest 2012 Witzigmanns Idee: Eintritt für Wiesn-Zelte

Massen mit Maßen: Jahrhundert-Koch und Gastro-Experte Eckart Witzigmann schlägt vor, Eintritt für die Wiesnzelte zu verlangen. Foto: Fotomontage/dpa

Der Jahrhundert-Koch Witzigmann schlägt vor, dass Wiesn-Wirte Eintritt verlangen – und löst eine Debatte aus

München - Vor dem Ozapft geht es schon mal, nun ja, gut los. Am 22. September werden sich wieder Hunderte Teenies und Wiesn-Durstige um vier Uhr morgens auf zur Theresienwiese machen, um dort andere Massen anzutreffen, die das gleiche Ziel wie sie haben: in ein Zelt kommen, zefix!

Und dafür warten sie fünf Stunden in der Dunkelheit. Besonders das Schützenfestzelt und der Schottenhamel sind bei den jungen Wilden beliebt. Wenn die Wirte dann endlich um neun Uhr aufsperren, rennen die Wartenden los, und es dauert maximal sieben Minuten – und das Zelt ist schon wieder voll.

Verrückt?

Normal. Zumindest in der Oktoberfest-Welt.

Auch sonst wird zwei Wochen lang wieder der Wiesn-Wahnsinn toben. Jede(r) will in ein Zelt kommen, am besten einen Tisch ergattern und ärgert sich, warum er nicht früher eine Reservierung abgeschickt hat.

Einer, der sich mit der Wiesn bestens auskennt, auch wenn er nie ein eigenes Zelt hatte, ist Eckart Witzigmann.

Der Jahrhundert-Koch hat in den vergangenen Tagen einige Wirte in München getroffen, die ihm erzählten, dass der Hype um die Wiesn heuer nochmal gestiegen ist und dass es – abends und auch mittags – noch mehr Reservierungen denn je gibt.

„Es wird jedes Jahr extremer“, sagt Witzigmann. „Die Leute sind so Wiesn-verrückt – es ist unvorstellbar. Früher war das alles viel entspannter. Da ist man einfach auf die Wiesn gegangen und hat sich an einen Tisch gesetzt. Heute ist das ja ein richtiger Kampf.“ Seine Lösung?

Der Jahrhundert-Koch macht einen Jahrhundert-Vorschlag und sagt: „Wie wäre es damit: Man sollte für jedes Wiesnzelt einen Eintritt verlangen. Das könnte den Irrsinn vielleicht etwas eindämmen.“

Auf der Oiden Wiesn habe das im vergangenen Jahr schließlich auch prima geklappt. Dort zahlte man drei Euro Eintritt, die Schlangen vorm Eingang waren zwar lang, aber geordnet. Über den Eintritt beschwerte sich niemand. Im Gegenteil: Die Oide Wiesn mit den nostalgischen Zelten war sehr beliebt, und viele bedauern es, dass sie heuer dem Zentralen Landwirtschaftsfest weichen musste.

Dort wird übrigens auch Eintritt verlangt: sechs Euro. Wieso also kein Eintritt für Wiesnzelte?

Weinzelt-Wirt Stephan Kuffler hört sich Witzigmanns Vorschlag an und überlegt kurz. Dann sagt er: „Die Frage wäre dann – wie hoch soll der Eintrittspreis sein? Wäre er niedrig, würde es keinen abschrecken und somit keinen Unterschied machen. Wäre er hoch, tut man vielen Leuten, ja, ganzen Gesellschaftsgruppen, weh. Das ist unanständig.“

Und weiter: „Schließlich soll die Wiesn für alle sein – nicht nur für Reiche. Man könnte natürlich den Bierpreis senken, aber auch das halte ich für schwierig. Obendrein kann man mittags keinen Eintritt verlangen. Und dann würden eben alle mittags oder noch früher andüsen und bis abends bleiben.“

Kufflers Fazit: „Ich bin gegen einen Eintritt für Wiesnzelte. Was die Wiesn ausmacht, ist doch dieses Tolle und Einzigartige. Es ist wie früher im P1 – da kam auch nicht immer jeder rein. Dieser Run auf die Wiesn macht ja auch das Spezielle aus.“

Wiesn-Wirt-Kollege Sepp Krätz (HIppodrom) sieht es ähnlich. „Ich würde mich nicht daran beteiligen, Eintritt zu verlangen. Die Wiesn ist für jedermann. Außerdem gibt es immer irgendwo Plätze.“

Und wo? Krätz dazu: „Bei gutem Wetter gibt es doch für alle Platz. Dann entzerrt sich alles. Klar, bei Regen ist zu wenig Platz. Deshalb hoffe ich einfach auf viel Sonne.“

Wer nicht so optimistisch ist, dem rät Krätz einfach, am Montag, Dienstag oder Mittwoch auf die Wiesn zu gehen: „Da ist es nicht ganz so wild.“

Lachen muss Edi Reinbold, Wirt vom Schützenfestzelt, als er Eckart Witzigmanns Vorschlag hört: „Gute Idee – dann verdienen wir Wirte endlich mal was. Nein, das war natürlich nur ein Scherz. Im Ernst: Die Wiesn ist ein Volksfest. Fürs ganze Volk, für alle und jeden. Genau so soll es auch bleiben.“

Mit den Wirte-Reaktionen hat Witzigmann natürlich gerechnet. Während der Wiesn reist er heuer durch Marokko. Aber fürs letzte Wochenende ist er zurück. Und freut sich schon: „Denn da ist es auf der Wiesn eh viel entspannter. Auch ohne Eintritt.“

Wiesn-Chef Dieter Reiter ist dagegen

Dieter Reiter will keine geschlossene Veranstaltung auf dem Oktoberfest

 Eintritt für die Wiesnzelte? Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Dieter Reiter kann sich mit diesem Vorschlag von Kochkünstler Eckart Witzigmann nicht anfreunden. „Die Wiesn ist ein Volksfest für jedermann. Es muss deshalb frei zugänglich bleiben“, sagt der SPD-Mann, der 2014 gerne Münchens neuer Oberbürgermeister werden würde.

„Mit einem Eintrittsgeld zu den Zelten würde sich der Charakter der Wiesn hin zu einer geschlossenen Veranstaltung ändern. Das will ich definitiv nicht.“ Der Umfang des Geldbeutels solle nicht noch mehr darüber entscheiden, wer mitfeiern könne – und wer nicht.

„Zudem würde ein Eintrittsgeld die Verweildauer der Gäste deutlich erhöhen“, meint Reiter. Damit gäbe es dann noch weniger Gelegenheit für Spontanbesuche.

Auch den Vergleich zur Oidn Wiesn will der Wiesn-Chef nicht gelten lassen. Da werde schließlich kein Eintritt in die Zelte verlangt, sondern für das gesamte Gelände. Und das eingenommene Eintrittsgeld diene auch dazu, die reduzierten Fahrpreise bei den historischen Fahrgeschäften zu garantieren. Calypso, Kettenflieger und Co. hatten im vorigen Jahr bloß einen Euro gekostet.

 

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