"Oh (weia) Kanada" Katerina Jacob: Ein Powerpaket erobert Kanada

Glücklich ausgewandert: Die deutsche Schauspielerin Katerina Jacob ist nach Kanada ausgewandert und hat darüber jetzt ein Buch geschrieben Foto: Katerina Jacob

Viele reden vom Auswandern, aber nur wenige machen es: Die deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin Katerina Jacob hat den Schritt gewagt und ist ausgesprochen zufrieden in ihrer neuen Heimat Kanada.

Sie hat geschafft wovon viele nur träumen: Katerina Jacob (57) ist ausgewandert. Nach Kanada. Und das erfolgreich. Wie die Schauspielerin das geschafft hat und welche Hürden und Schicksalsschläge sie auf dem Weg in die neue Heimat British Columbia meistern musste, beschreibt sie in ihrem Buch "Oh (weia) Kanada - Mein Abenteuer vom Auswandern". Ein amüsantes Lesestück aus dem Land der Bisons, Bären und Indianer. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt Katerina Jacob, warum sie ihre neue Wahlheimat, in der sie die Hälfte des Jahres verbringt, so liebt:

Frau Jacob, es gibt bereits über 1.000 Kanada-Reiseführer auf dem Markt. Was findet man in Ihrem Buch, was die anderen noch nicht abdecken?

Katerina Jacob: Zunächst mal ist es wahrscheinlich unterhaltsamer und amüsanter als die meisten gängigen Werke. Ich habe mich ein wenig von Hape Kerkelings Jakobsweg-Buch inspirieren lassen. Es ist kein klassischer Reiseführer mit Restaurant- und Hotelempfehlungen, sondern eine Anreihung von persönlichen kleinen Anekdoten, die einem das hiesige Lebensgefühl näherbringen sollen. Ich nehme die Leser mit in Regionen von Britisch Columbia, in die sich kein normaler Tourist verirrt und gebe ein paar Verhaltensregeln mit auf den Weg, die den meisten nicht geläufig sein dürften.

Zum Beispiel?

Jacob: Dass es unhöflich ist die Schuhe anzulassen, wenn man ein fremdes Haus betritt. Dass die Kanadier es ernst meinen, wenn sie einen um 17.30 Uhr zum Abendessen einladen und einen um 22 Uhr wieder rausschmeißen. Dass man sich im Restaurant niemals an einen Tisch setzt ohne platziert zu werden. Oder dass man sich beim Shoppen nicht von den niedrigen Preisschildern blenden lassen darf, weil an der Kasse nämlich immer noch 20 Prozent Mehrwertsteuer draufkommen. Allesamt Fallen, in die ich in meiner Anfangszeit vor 18 Jahren getappt bin. Das war eine ganz schöne Umstellung, bis ich mit dem hiesigen Lebensgefühl klarkam.

Wie sieht das aus?

Jacob: Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss. Alles geht extrem langsam. Man steht gerne in der Schlange und drängelt nicht. Jeder spricht mit jedem. Die Grundstimmung ist fröhlicher als in Deutschland. Ich bin jedes Mal geschockt, wenn ich zurückkomme und erlebe, wie vergleichsweise unfreundlich die Menschen hierzulande miteinander umgehen. Außerdem vermisse ich in Deutschland jedes Mal diese unglaubliche Weite.

Und was vermissen Sie, wenn Sie in Kanada sind?

Jacob: Dass ich als leidenschaftliche Rennfahrerin nur so langsam Autofahren darf und dass es keine Biergärten gibt. Und ich vermisse, dass es keine historische Kultur gibt wie in Europa, es hat keine alten Kirchen oder Theater. Außerdem fehlen mir natürlich meine Freunde und gute Gespräche. Die Kanadier sind zwar alle sehr zugänglich, aber trotzdem etwas oberflächlicher.

Warum wiegen die Vorteile die Nachteile auf?

Jacob: Weil ich mich noch nirgends auf der Welt so stressfrei und entschleunigt gefühlt habe. Man kann hier sowohl die Seele baumeln lassen, als auch sehr aktiv sein. Ich liege vormittags am Strand, paddele mit dem Kajak um die Insel und gehe nachmittags zum Skifahren. Außerdem liebe ich die kulinarische Vielfalt. Dadurch, dass Vancouver so ein multikultureller Schmelztopf ist, gibt es hier alles zu essen, was das Herz begehrt: von Mongolisch über Kreolisch und Ukrainisch bis Bayerisch.

Ihr schönstes und Ihr schlimmstes Erlebnis in Kanada?

Jacob: Die Geburt meiner beiden Enkelsöhne, die einzigen waschechten Kanadier in unserer Großfamilie. Und der Tod meiner Stieftochter Christiane, die vor drei Jahren an Krebs gestorben ist. Leider weil die Früherkennung im hiesigen Gesundheitssystem versagt hat. Das war schon bitter, auch weil man das hätte vermeiden können, aber deswegen hege ich trotzdem kein Groll gegen dieses Land. Ich habe auch meinen Bruder in jungen Jahren an Krebs verloren und da sind in Deutschland auch einige Sachen medizinisch schief gelaufen. Leben und Tod liegen eben ganz nah beisammen. Das wird einem in Kanada umso bewusster, als dass man hier immer wieder auf Menschen trifft, die in der Wildnis jeden Winter ums Überleben kämpfen.

Sie haben sich einst mal als "1,64 Meter geballte Kraft" auf Ihrer Homepage beworben. Kommt Ihnen das in Kanada zugute?

Jacob: Ich denke, viele der ursprünglichen Auswandererfrauen waren genau solche Powerpakete wie ich, sonst hätten die in dieser Wildnis nicht überlebt. Ich hingegen versuche mich gerade ein wenig von der alten Katerina zu lösen. Meine kanadischen Freunde nennen mich zwar gerne "Catrina the Hurricane", aber verglichen mit früher bin ich schon viel lockerer und geduldiger geworden. Kanada hat mich gelehrt, dass es Sachen gibt, die größer sind als wir, diese gewaltige Natur hat mich demütiger werden lassen.

Genießen Sie die Anonymität oder fehlt in die öffentliche Anerkennung in Kanada?

Jacob: Ich finde es herrlich, dass mich dort niemand kennt. Dadurch lebe ich viel ungezwungener und freier. Der Ruhm ist nämlich nicht so süß, wie viele glauben. Du bist ständig unter Beobachtung, darfst nie ungeschminkt aus dem Haus gehen, musst ständig auf deine Figur achten, wirst ständig kritisiert, darfst in der Öffentlichkeit nicht trinken und nicht rauchen oder in den Sexshop gehen. Was soll daran schön sein? Ich vermisse nichts.

Auch nicht die Privilegien?

Jacob: Die wiegen den Verlust der Privatsphäre kaum auf. Es gab genau eine Situation, in der mir meine Popularität wirklich geholfen hat: Als meine langjährige Haushaltshilfe über Nacht zum Pflegefall wurde, konnte ich eine Unterbringung im Pflegeheim besorgen, auf die man normal wahrscheinlich länger gewartet hätte. Das war natürlich sehr wertvoll, aber alles andere ist oberflächliches Chichi, auf das ich gerne verzichten kann. Ich brauche keine Filmkarriere zum Glücklichsein.

Können Sie es sich finanziell leisten auf Filmangebote zu verzichten?

Jacob: Mal abgesehen davon, dass ich aufgrund meiner gut situierten Familie niemals Existenzangst haben musste, habe ich 40 Jahre lang durchgearbeitet, da ist schon was hängengeblieben. Und wenn ich Geld verdienen möchte, dann gibt es wahrlich lukrativere Einnahmequellen als Filmrollen. In Deutschland bekommt ja ein Film-Hund mittlerweile oft mehr Gage als der Schauspieler. Außerdem habe ich gut geheiratet, mein Mann Jochen ist seit 50 Jahren erfolgreicher Anlageberater in Kanada, wir müssen uns keine Sorgen machen.

Was sagt Ihr Mann zu Ihrem Buch?

Jacob: Der hat mich unterstützt und mir viele spannende Kapitel geliefert. Aber ich bezweifle, dass er es bereits gelesen hat, denn Jochen hat keine Zeit zum Lesen. Der ist mit seinen 71 Jahren so hyperaktiv, dass ich mir daneben oft wie eine alte Omi vorkomme. Er ist wie ein Hamster im Laufrad, das einzige was Jochen ruhig stellt, ist, wenn er auf einem seiner Segelboote vor Pender Island rumschippert. Verrückt, aber das ist halt Kanada, hier bekommt jeder, was er braucht. Da kann man alt werden ohne sich dabei alt zu fühlen.

 

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