Ölbilder gekauft Betrug an der Haustür

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Für dieses Bild hat das Paar 450 Euro gezahlt. Im Internet kostet es 50 Dollar. Foto: ho

Ein Münchner Paar kauft überteuert Ölgemälde, die von jungen Kunststudenten sein sollen. Doch die Bilder entpuppen sich als chinesische Billigware.

 

München - Das große Bild, abstrakt mit Gold und Blau, hängt im Wohnzimmer: „Aber es ist uns so peinlich, dass wir es abhängen wollen.“ Weil sie sich so schämt, dass sie auf eine Betrügerin hereingefallen ist, will die Besitzerin ihren Namen nicht sagen. Nennen wir sie einfach Frau Müller. Frau Müller ist Mitte 30, Informatikerin und lebt seit zehn Jahren in München.

Frau Müller ist eigentlich nicht naiv. Doch die junge Frau, die sie und ihren Mann aus dem Haus im Münchner Südosten geklingelt hat, war ihr sehr sympathisch: „Sie erzählte uns, dass sie Innenarchitektur studiert hat und für ein Projekt arbeitet, bei dem sich mehrere hundert Künstler aus der ganzen Welt zusammen geschlossen haben.“ Aus dem Auto holt die junge Frau, die sich Noya nennt und englisch spricht, einige Ölgemälde.

„Wir wussten schon, dass kein Picasso darunter ist. Aber sie erzählte uns, dass diese Künstler bald in München ausstellen würden und die Bilder dann viel teurer wären. Es waren auch wirklich schöne Bilder darunter.“ Das Informatiker-Paar entschließt sich, zwei der Bilder zu kaufen: „Die Frau war sehr überzeugend und hatte ein Auge dafür, was uns gefallen könnte.“ Für das große Bild, das noch im Wohnzimmer hängt, zahlen sie 450 Euro. Für ein kleines Ölgemälde 125 Euro, ein drittes bekommen sie geschenkt – weil sie die jungen Künstler so zahlungskräftig unterstützen, heißt es.

Sie bezahlen bar. Eine Rechnung folgt kurze Zeit später per E-Mail. Da hat Frau Müller schon Zweifel, ob sie wirklich mit dem Kauf junge Kunststudenten unterstützt. Beim Surfen im Internet findet sie rasch Menschen, die auch Ölgemälde vom angeblichen Künstler-Netzwerk gekauft haben und sich betrogen fühlen: Denn die Bilder stammen aus chinesischer Massenproduktion.

Im Internet kann man sie für rund 50 Dollar bestellen: „Ich hatte schon Bedenken, Bilder an der Haustür zu kaufen. Deshalb ärgert es mich umso mehr, dass wir so übers Ohr gehauen wurden.“

Bei der Polizei München ist die Masche nicht bekannt. Menschen stellen selten Strafanzeige, wenn sie auf solche Art betrogen werden – weil sie sich schämen. „Das ist dreist, aber es handelt sich nicht unbedingt um Betrug“, sagt eine Sprecherin. „Ein Bild ist immer so viel wert, wie der Käufer bereit ist zu zahlen.“ Die Staatsanwaltschaft stellt solche Betrugsfälle regelmäßig wieder ein.

 

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