Oberschleißheim Familiendrama: Todesfahrt mit drei Kindern

Die Unfallstelle auf der A 92 nahe Unterschleißheim. Foto: Thomas Gaulke

Eine Freisingerin rast mit ihren drei Kindern auf der A92 in die Leitplanke. Die Polizei kann sie nicht aufhalten. Die Mutter überlebt, die Kinder sterben. Hat sie ihnen vorher etwas angetan?

 

Nie wieder wird das fröhliche Lachen von Anna-Lena (6) erklingen. Und auch ihre beiden kleinen vier Monate alten Geschwister, die Zwillinge Fabian und Lisa, sind tot. Ihre Mutter liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Sie ist mit den Kindern am Dienstagnachmittag absichtlich auf der Autobahn bei Unterschleißheim in die Leitplanke gerast. Die Hintergründe des Familiendramas sind noch völlig unklar.

Der silbergraue Opel Zafira liegt zertrümmert auf der linken Seite auf der A92 wenige Kilometer hinter der Auffahrt Freising Süd direkt vor einer Autobahnbrücke. Zwei Streifenbeamte aus Freising sind als erste an der Unglücksstelle. Sie haben den Wagen der Freisingerin (38) verfolgt. Die Einsatzzentrale hatte sie kurz vor 15 Uhr verständigt. Ihr Lebensgefährte hatte sich bei der Polizei gemeldet, nachdem er von seiner Freundin eine SMS erhalten hatte. Die Kinder befänden sich in Lebensgefahr, hatte sie an ihn geschrieben.

Sofort läuft eine Fahndung an. Die Polizei fährt zur Wohnung der dreifachen Mutter. Doch niemand ist zu Hause, das Auto verschwunden. In Freising sehen die beiden Polizisten den gesuchten Opel. Sie stoppen ihn. „Als sie ausstiegen, gab die Fahrerin Gas“, berichtet Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. Die Streifenbesatzung folgt der Frau. Die 38-Jährige fährt in Richtung Autobahn. Bei Freising Süd steuert sie auf die A92. Der Streifenwagen fährt mit Abstand hinterher.

Auf der Höhe von Unterschleißheim passiert das Unfassbare. Der Zafira zieht ohne ersichtlichen Grund nach rechts. Der Wagen rammt eine Leitplanke, schießt mit aufheulendem Motor über einen Grünstreifen neben der Fahrbahn. Der Wagen hebt ab, fliegt über die Leitplanke zurück auf die A92 und überschlägt sich in der Luft, landet krachend mit der Fahrerseite auf dem Pannenstreifen. Trümmer fliegen herum.

Die Polizisten stoppen, laufen zum Unfallwagen. Im Inneren finden sie Anna-Lena und die beiden Zwillinge. Die Kinder liegen leblos in dem Wrack. Die Mutter hängt bewusstlos hinter dem Lenkrad. Sie ist nicht angeschnallt. Die Rettungskräfte werden verständigt. Einem Notarzt gelingt es, die Kinder zu reanimieren. Inzwischen sind Rettungshubschrauber gelandet. Die Kinder werden in Kliniken nach München geflogen. Auch die Mutter wird von der Feuerwehr aus dem Wrack geborgen. Sie ist schwer verletzt und nicht ansprechbar. Auch sie kommt in ein Krankenhaus.

Die Autobahn in Richtung Stuttgart ist komplett gesperrt. In der Gegenrichtung staut sich der Verkehr auf mehreren Kilometern Länge. In München kämpfen Ärzte stundenlang um das Leben der Kinder. Ihr Zustand ist äußerst kritisch. Am frühen Abend dann die traurige Nachricht: Anna-Lena, Fabian und Lisa sind tot.

Die Staatsanwaltschaft in Landshut ordnet noch am Abend eine Obduktion an. Noch ist unklar, ob die Kinder in Folge des Unfalls starben, oder ob ihnen die Mutter schon vorher etwas angetan hat. „Die Kripo ermittelt wegen Verdachts eines eventuellen Tötungsdeliktes“, sagt Hans-Peter Kammerer.

Die Hintergründe der Familientragödie sind am Dienstagabend noch unklar. Angehörige sollen heute von der Kripo befragt werden. Die 38-jährige Mutter ist nicht vernehmungsfähig. Nur sie könnte das Geheimnis lüften, warum ihre drei Kinder sterben mussten.

 

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