Oberlandesgericht Auktionator verklagt: Der Perser-Prozess

Der Fall wird neu aufgerollt: Es geht um den teuersten Teppich der Welt, dessen Wert ein Experte auf nur 900 Euro geschätzt hat.

 

München - Der Fall des teuersten Teppichs der Welt wird in München neu aufgerollt. Hat die Starnberger Ex-Besitzerin vielleicht doch Anspruch auf hohen Schadenersatz? Die Frau hatte ihren Teppich in Augsburg versteigern lassen. Weit unter Wert, wie sich herausstellte. Nachdem ihre Klage in Augsburg gescheitert war, beschäftigt sich jetzt das Münchner Oberlandesgericht mit dem Fall. Gründlich.

Der Augsburger Auktionator hatte das Erbstück aus dem 17. Jahrhundert auf 900 Euro geschätzt, die Versteigerung 2009 brachte der damaligen Besitzerin 19 700 Euro. Doch aus der freudigen Überraschung über den erzielten Preis wurde bald Wut und Ärger. Der Teppich wurde nämlich später im Londoner Auktionshaus Christie's weiter versteigert. Ein anonymer Bieter, wahrscheinlich ein Scheich, zahlte 7,2 Millionen Euro.

Diese gewaltige Summe für den nunmehr teuersten Teppich der Welt wollte die einstige Besitzerin nicht auf sich beruhen lassen. Sie verlangte Schadenersatz in sechsstelliger Höhe vom Auktionator.

Doch ihre Klage wurde im Januar abgewiesen (AZ berichtete). Richter Andreas Dumberger erklärte, dass sich der Auktionator zwar verschätzt habe, aber weder vorsätzlich noch fahrlässig seine Sorgfaltspflichten verletzt habe.

Der 14. Zivilsenat des OLG München will das Urteil nun überprüfen. Der Senat hat der Klägerin aufgegeben, sich noch zu einigen offenen Fragen zu äußern und will außerdem ein schriftlichen Sachverständigengutachten bestellen.

Der Experte soll wichtige Fragen klären. Wie muss ein sorgfältiger Auktionator vorgehen, um den Wert eines Teppichs einschätzen zu können? Welche Möglichkeiten hat ein Auktionator oder Teppichhändler, um die Herkunft und das Alter eines Teppichs zu ermitteln? Hätte der Augsburger auf Grund der überdurchschnittlich hohen Zahl von Voranfragen für den Teppich nach Aufnahme in den Katalog stutzig werden müssen?

Möglich scheint aber auch, dass der Teppich in London einfach überbewertet wurde. Auch das soll das Gutachten klären.

 

0 Kommentare