Oberföhring "Keine Rentnerecke": Der Streit um den Spielplatz

Die Idylle trügt: Um dieses Stück Grün in Oberföhring tobt ein Kampf zwischen den Anwohnern. Foto: Daniel von Loeper

Auf einer Wiese am Grüntal in Oberföhring wünschen sich Mütter einen Ort für ihre kleinen Kinder – doch die Anwohner kämpfen für den Erhalt der Natur.

 

Oberföhrung - Dass ein neuer Kinderspielplatz einmal die Oberföhringer in zwei Lager spalten könnte, hätte wohl keiner der Anwohner gedacht. Denn gegen spielende Kinder hat hier grundsätzlich niemand etwas. Trotzdem gibt es Streit.

Der Grund dafür ist ein Spielplatz, den sich eine Gruppe von Müttern und auch die SPD-Fraktion im Bezirksausschuss 13 wünscht.

"Wir haben genug Spielplätze in der Siedlung"

Der ursprünglich geplante Standort: eine naturbelassene Wiese zwischen Grüntal und Fontanestraße, im nördlichen Herzogpark. Doch dieser geplante Spielplatz stößt bei den Anwohnern auf großen Widerstand: "Wir haben genug Spielplätze in der Siedlung", sagt Anwohner Wolfram Döring. Er lehnt den Bau des Spielplatzes ab, denn es wäre "außerordentlich schade", wenn die Kinder nicht mehr auf der naturbelassenen Wiese spielen könnten. Diese würde durch den geplanten Spielplatz, der laut Baureferat zirka 120.000 Euro kosten soll, zerschnitten. Auch viele Kinder würden lieber auf der Wiese spielen als an einem fertigen Spielplatz. "Das ist eine Zwangsbeglückung", sagt Döring.

Der Konflikt um den Spielplatzbau schwelt nun schon drei Jahre, 2013 hatte die SPD den ersten Antrag gestellt, der abgelehnt wurde. Im Laufe der Jahre kam das Thema immer wieder auf, Spielplatzgegner übergaben 370 Unterschriften an den BA. Im Mai letzten Jahres dann die erneute Ablehnung des Standorts.

"Das ist keine Rentnerecke"

Doch die Befürworter gaben sich damit nicht zufrieden: Auf einer Bürgerversammlung im Herbst wurde ein neuer Bürgerantrag gestellt. Ulrike von Niessen gehört zu den Befürwortern des Spielplatzes und sieht einen Bedarf: "Der nächste ist zwei Kilometer weit entfernt, außerdem ist ein Spielplatz ein sozialer Treffpunkt." Auch sei er vor allem für Kleinkinder gedacht, die nicht mal eben alleine zur nächsten Spielmöglichkeit radeln könnten. "Ich kann nicht fassen, dass ich für einen Spielplatz argumentieren muss."

In der BA-Sitzung am Mittwoch wurde der Bürgerantrag für den ursprünglichen Standort abgelehnt – doch damit ist das Thema nicht vom Tisch. Die SPD-Fraktion will einen neuen Antrag für einen Alternativstandort ausarbeiten, erklärt die SPD-Fraktionsvorsitzende Karin Vetterle der AZ. Dieser läge nur wenige Meter entfernt auf einer Wiese zwischen Mauerkirchnerstraße und Grüntal. Laut Vetterle ist der Spielplatz nach wie vor notwendig: "Spielplätze kann man nie genug haben, außerdem werden es hier immer mehr Kinder – das ist keine Rentnerecke."

Zuvor wurden bereits auf einem Spielfest auf der Wiese, an dem Befürworter und Gegner teilnahmen, Alternativstandorte diskutiert. Ist der neue Standort also die langersehnte Einigung? Wolfram Döring bleibt skeptisch: Er sieht einen Spielplatzbau auch weiterhin als überflüssig an und sagt: "Am Ende wird er eine Ruine sein". Ulrike von Niessen hält die ursprünglich geplante Wiese weiterhin für den besten Platz und will bei der Standortdiskussion "nicht so schnell einknicken".

Der SPD-Antrag soll vom Bezirksausschuss Bogenhausen im Mai diskutiert werden.

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