OB-Stichwahl in München Josef Schmid: Schützenhilfe von der Kanzlerin

Josef Schmid und Angela Merkel stoßen auf den Endspurt im Münchner OB-Wahlkampf an. Foto: dpa

Die CSU gibt vor der OB-Stichwahl am Sonntag noch mal Vollgas – und schmückt sich mit Angela Merkel im Augustinerkeller.

 

München - Vor 30 Jahren war es Willy Brandt, der im Wahlkampf um die OB-Stichwahl in München eingegriffen hat – und Georg Kronawitter (SPD) mit zum Sieg verhalf. Gestern Abend kam zur zweiten OB-Stichwahl in der Geschichte Münchens die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus Berlin eingeflogen. Zwischen ihren internationalen Terminen leistete sie an der Seite von Ministerpräsident Horst Seehofer dem CSU-Kandidaten Josef „Seppi“ Schmid tapfer Schützenhilfe.

„Das ist eine historische Chance, wir können und wir werden am Sonntag den Wechsel vollziehen“, putschte Josef Schmid den Saal im Augustinerkeller auf, und seine enthusiastischen Fans skandierten lauthals „Josef, Josef ...“ Da war es am Ende für die Kanzlerin mit dem bayernfernen Dialekt ein leichtes Spiel, als sie ihm die Politik-Freundschaft anbot: „Josef Schmid, mit Ihnen möchte ich gerne zusammenarbeiten.“ – Seehofer hörte es und schmunzelte.

Kurz vorher hatte Angela Merkel gerade noch die Kurve bekommen, als sie München lobte: Die Stadt, wo so viele leben möchten und wo der Vorgänger auch nicht alles falsch gemacht habe. Mit dem roten Ude konnte sie ja auch. „Was gut ist kann noch besser werden, und dazu braucht es Josef Schmid“, fand sie dann den Dreh. Der Saal war zum Bersten voll. Aus Sicherheitsgründen handverlesenes Publikum.

Als clowneskes Unikum zog auch der künftige „Hut“-Stadtrat Wolfgang Zeilnhofer-Rath an der Seite von Josef Schmid in den Saal ein – und nahm gutgelaunt am Tisch neben der Kanzlerin Platz. Am Nachmittag hatte er sich noch beim munteren Plaudern mit dem SPD-OB-Kandidaten Dieter Reiter fotografieren lassen und bedauert, dass die SPD ihm noch keine Gespräche angeboten habe. Da konnte er hören, dass Josef Schmid „keine instabile Koalition“ will.

Die CSU ist hoch motiviert. Sie wittert die einmalige Chance, nach 1984 wieder einen Oberbürgermeister in München zu stellen. Mit Erich Kiesl (1978-1984) gab es erst einen gewählten CSU-OB. Josef Schmid ist optimistisch, den Rückstand vom ersten Wahlgang am 16. März einzuholen. Dieter Reiter lag mit 40,4 Prozent vor Schmid mit 36,7 Prozent. Da kommt Angela Merkel zum Wahlkampfabschluss gerade Recht. „Die Bundeskanzlerin verlässt Berlin nur bei Ereignissen von weltpolitischem Rang“, dozierte Horst Seehofer: „Das ist heute der Fall.“

Solche Schmeicheleinheiten wollten die Menschen hören. Und Seehofer hob Schmid dann auf Augenhöhe empor. „Für den bayerischen Ministerpräsidenten wird es nicht leichter, denn Josef Schmid hat seinen eigenen Kopf.“ Da lachen alle im Saal: Aus genau so einem Holz muss ein bayerischer Politiker gemacht sein. Die Kanzlerin lobte die Politiker an der Basis. „Weil ich die Menschen bewundere und unterstütze, die Verantwortung vor Ort übernehmen.“

Und die müssten das, was sie sagen, auch tun. Beim Abschied bekam Angela Merkel ein weiß-blaues Spielzeugauto geschenkt: Seppis VW-Wahlkampf-Bulli in Kleinformat. Dann verabschiedete sie sich ganz humorvoll: „Wo ich mal war, da komme ich so schnell nicht wieder.“

 

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