OB Reiter vor Ort Keine Stolpersteine: So gedenkt München der NS-Opfer

Eine weiße Rose steckt an den ersten Erinnerungstafeln für die Opfer des Nationalsozialismus in München. Foto: Matthias Balk/dpa

Sie heißen Stolpersteine und sollen Passanten auf das Schicksal von NS-Opfern aufmerksam machen: goldene Quadrate auf dem Gehweg. In mehr als 1000 Orten sind sie zu finden. Nur nicht in München. Hier gibt es nun nach langem Streit eine andere Form des Gedenkens.

München - Stolpersteine auf Gehwegen gibt es in München nicht - der Opfer des Nationalsozialismus wird aber dennoch gedacht, wenn auch mit anderen Mitteln. Erinnerungszeichen mit Fotos und knappen Lebensdaten vor Wohnhäusern machen jetzt auf das Schicksal der Menschen aufmerksam, die früher dort gelebt haben – bevor sie von den Nazis aus ihrem Alltag gerissen wurden. Die ersten zwei Stelen und eine Wandtafel wurden am Donnerstag von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) übergeben.

"Mit den neuen Erinnerungszeichen beschreitet München einen eigenen Weg des würdigen und nachhaltigen Gedenkens", sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie hatte die Stolpersteine vehement abgelehnt, weil sie das Andenken der Opfer durch das Verlegen auf der Straße in den Schmutz gezogen sah. Und weil sie als Kind den NS-Terror in München miterlebt hatte: "Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Menschen, auf die man schon auf dem Boden liegend immer weiter eintrat und die mit schweren ledernen, stahlbekappten Stiefeln in die Transporter getreten wurden."

NS-Stelen: Stadt stellt 150.000 Euro bereit

Die ersten gold-silberfarbenen Gedenkzeichen erinnern an den Philologen Friedrich Crusius, die Kunstgaleristen Paula und Siegfried Jordan sowie an Franz Landauer und seine Frau Tilly. Landauer ist Bruder des berühmten FC-Bayern-Präsidenten Kurt Landauer. Der Fußballfunktionär emigrierte 1939 in die Schweiz, sein Bruder und dessen Frau sowie seine anderen drei Geschwister wurden ermordet. Crusius war psychisch krank und wurde 1941 umgebracht. Das jüdische Ehepaar Jordan wurde 1941 deportiert und erschossen.

Bis zum 5. August sollen noch zwei Stelen und eine Tafel folgen, für die Widerstandskämpfer Therese Kühner, Ludwig Holleis und Walter Klingenbeck. Weitere Gedenkzeichen können bei der Stadt angeregt werden, die für die kommenden Jahre 150.000 Euro bereitgestellt hat.

Um die Form des Gedenkens war jahrelang gerungen worden. Die einen wollten Stolpersteine für ihre Angehörigen verlegen, so wie dies europaweit in mehr als 1.000 Orten möglich ist. Kritiker wie Knobloch empfanden dies als unwürdig. Der Stadtrat lehnte die Stolpersteine deshalb im Juli 2015 ab - zu recht, wie der Bayerische Verwaltungsgerichtshof im Dezember 2017 entschied. Trotzdem gibt es auch in München einige der Steine. Der Verein "Stolpersteine für München" verlegte sie kurzerhand auf privatem Grund.

 

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