Projekt auf der Kippe? Freie Wähler: "Zweite Stammstrecke ist nicht förderfähig"

, aktualisiert am 04.11.2016 - 16:17 Uhr
Der FW-Abgeordnete Michael Piazolo: "Eine zweite Stammstrecke, wie sie jetzt geplant wird, ist nicht förderfähig." Foto: dpa

Michael Piazolo, Landtagsmitglied der Freien Wähler, sieht die Kosten für die zweite Stammstrecke "explodieren" und fordert: Die CSU soll nochmal nachrechnen.

 

München - Gerade noch haben Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU) strahlend verkündet: Die Finanzierung für die zweite S-Bahn-Stammstrecke zwischen Laim und Leuchtenbergring steht, Spatenstich soll im April 2017 sein. Da regt sich, erwartbar, Protest von den Freien Wählern im Landtag.

Der FW-Abgeordnete Michael Piazolo, der für eine S-Bahn-Ringlösung kämpft, hat nämlich nachrechnen lassen – und kommt zu dem Schluss: "Die Kosten für dieses Projekt sind nachweisbar viel höher als der Nutzen. Damit ist die zweite Stammstrecke, so wie sie jetzt geplant ist, überhaupt nicht förderfähig!"

3,84 Milliarden Euro soll die zehn Kilometer lange Trasse (mit Tunnel zwischen Haupt- und Ostbahnhof) einschließlich Risikopuffer nach jetziger Berechnung kosten (1,5 Milliarden Euro will der Bund zahlen, der Freistaat 1,4 Milliarden, die Stadt München 155 Millionen und die Bahn 150 Millionen Euro). Das sind 70 Prozent mehr als noch 2012 geschätzt wurde.

"Die CSU muss ihre Pläne umgestalten"

Damals kam bei der Kosten-Nutzen-Rechnung ein Quotient von 1,04 heraus (heißt: der Nutzen wurde minimal höher bewertet, als die Bau- und Investitionskosten; bei ausgeglichener Rechnung müsste eine glatte "1" herauskommen).

"Heute sieht das ganz anders aus", mahnt Piazolo, dessen Rechenexperten auf einen Quotienten von nur noch 0,5 kommen (hieße: der erwirtschaftete Nutzen der zweiten Stammstrecke wäre deutlich niedriger, als die Investitionskosten). Womit Bund und Land kein Geld mehr dafür zahlen dürften. Unter "Nutzen" fallen dabei Faktoren wie: Wie viel Zeit sparen Pendler durch die neue Röhre? Wie viel mehr Autos bleiben in der Garage stehen?

"Wenn die zweite Röhre gebaut werden soll, muss der Nutzen also deutlich erhöht werden", fordert Piazolo: "Die CSU muss ihre Pläne umgestalten. Das geht aber nur, wenn man Optionen wie den Ausbau des Nord- oder Südrings oder der S-Bahn-Außenäste mit einbezieht." Aktuell fahren auf der Stammstrecke laut Piazolo 30 Züge pro Stunde (mit 840.000 Fahrgästen täglich). Mit der zweiten Röhre wären es 33 Züge pro Stunde.

 

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