NSU-Prozess in München Angeklagter belastet Wohlleben als Terror-Drahtzieher

Ralf Wohlleben, der Mitangeklagte im NSU-Prozess. Foto: dpa

Die neun Mordopfer des NSU wurden immer mit der Pistole vom Typ "Ceska" erschossen - Markenzeichen der Rechtsterroristen. Das Gericht will letzte Lücken bei der Beschaffung der Waffe schließen. Um die "Ceska" geht es auch beim Disput zwischen zwei Angeklagten.

 

München - Im NSU-Prozess hat der Mitangeklagte Carsten S. den mutmaßlichen Terrorhelfer Ralf Wohlleben erneut belastet. Wohlleben habe ihm den Auftrag zur Beschaffung der Mordwaffe für den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) gegeben, bekräftigte S. am Mittwoch vor dem Münchner Oberlandesgericht. Außerdem habe Wohlleben den Kontakt zwischen dem untergetauchten NSU-Trio und Unterstützern vermittelt.

Beide Männer sind wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, weil sie gemeinsam die Waffe vom Typ "Ceska" besorgt haben sollen. S. hatte das auch schon zu Beginn des Prozesses im Mai 2013 gestanden. Mit der Pistole sollen die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun türkisch- und griechischstämmige Gewerbetreibende aus fremdenfeindlichen Motiven ermordet haben. Als einzige Überlebende des NSU-Trios muss sich Beate Zschäpe wegen Mittäterschaft vor Gericht verantworten.

S. reagierte mit seiner Aussage auf die Angaben mehrerer Zeugen und auf die Einlassung Wohllebens im vergangenen Dezember. Darin hatte Wohlleben jede Beteiligung am Kauf der "Ceska" abgestritten. Das habe S. ganz allein gemacht. Den Auftrag habe er direkt von Mundlos oder Böhnhardt erhalten. Das Geld für die Waffe habe ihm möglicherweise Tino Brandt gegeben, der Ende der 1990er Jahre die rechtsextreme Szene in Thüringen führte.

Neue NSU-Termine reichen bis Januar 2017

S. erklärte dagegen nun: "Das Geld habe ich von Herrn Wohlleben bekommen, da war kein Trio und kein Tino Brandt involviert." Wohlleben sei es auch gewesen, der ihn zu einem Einbruch in die verlassene Wohnung von Beate Zschäpe im August 1998 angestiftet und ihm einen Komplizen dafür vermittelt habe. Zschäpe war kurz vorher mit Böhnhardt und Mundlos in den Untergrund gegangen.

Am Rande der Verhandlung wurde bekannt, dass das Gericht zusätzliche Termine für den NSU-Prozess festlegte. Sie reichen jetzt bis zum 12. Januar 2017. Dieser Schritt war erwartet worden, nachdem das Gericht intern schon vor einigen Wochen neue Termine mit den Prozessbeteiligten abstimmte.

NSU-Prozess läuft seit knapp drei Jahren

Der NSU-Prozess läuft jetzt seit bald drei Jahren. Mittwoch war der 269. Verhandlungstag. Die Beweisaufnahme gilt zwar inzwischen überwiegend als abgeschlossen, ein Ende ist dennoch nicht absehbar. Das Gericht hat zuletzt immer wieder versucht, den Weg der Pistole von der Schweiz bis zum NSU-Trio möglichst lückenlos nachzuzeichnen. Dazu sollen auch noch weitere Zeugen vernommen werden.

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Außerdem kommt die Vernehmung von Zschäpe nach wie vor nur sehr zäh voran. Zuletzt hatte sie am 16. Januar Antworten auf Fragen des Gerichts verlesen lassen. Das Gericht hatte daraufhin Nachfragen gestellt, die möglicherweise kommende Woche beantwortet werden.

 

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