Notunterkunft auf der Theresienwiese Wiesnzelte als Flüchtlingsunterkunft? „Darüber werden wir entscheiden“

Für eine „Oktoberfestung“ in der Kritik: Herrmann (l.) und Seehofer. Foto: dpa

Die Staatsregierung fürchtet ein Chaos zum Oktoberfest. Und die Regierung von Oberbayern denkt schon über diese Zeit hinaus.

 

Es ist ruhig am Münchner Hauptbahnhof, ungewohnt ruhig. Am Dienstag kommen nur noch vereinzelte Flüchtlinge an. Seit sieben Uhr verkehren wieder Züge zwischen Bayern und Österreich. Nur die Strecke von Salzburg nach München bleibt bis 9.37 Uhr gesperrt, weil sich an der Grenze Menschen auf den Gleisen befinden. Am Vormittag ist der Fahrplan wieder weitgehend im Takt.

Doch wie geht es weiter? Was geschieht mit den Menschen, die auf der Balkanroute noch immer in großer Zahl auf der Flucht gen Deutschland sind? Was passiert, wenn sie ihr Ziel erreichen – und in München ankommen, während hier das größte Volksfest der Welt stattfindet? Ist Bayerns Hauptstadt vorbereitet?

Die CSU drängt darauf, dass Asylsuchende in Zukunft ausschließlich in Sonderzügen nach Deutschland einreisen dürfen, und diese während der Wiesn an München vorbeigeleitet werden, um ein Chaos am Hauptbahnhof zu vermeiden.

„Insbesondere Asylsuchende aus muslimischen Ländern sind Begegnungen mit massiv alkoholisierten Menschen in der Öffentlichkeit nicht gewohnt“, sagte Innenminister Joachim Herrmann – und löste damit einen Shitstorm im Internet aus. Das Netz empörte sich über die „Oktoberfestung“.

Konkrete Pläne scheint es allerdings noch nicht zu geben. Ein Sprecher der Bahn, die an den 16 Wiesn-Tagen voraussichtlich zwei Millionen Fest-Besucher befördert, sagte der AZ: „Die Abstimmung mit den Behörden läuft. Ergebnisse liegen aber noch keine vor.“

Wiesn-Festzelt als Notunterkunft?

Ähnliches ist von der Bundespolizei zu hören, um deren Aufstockung Herrmann seinen Bundeskollegen Thomas de Maizière gebeten hatte. „Wir haben in den letzten Tagen immer wieder Verstärkung von anderen Dienststellen bekommen“, so Sprecher Wolfgang Hauner. „Wie das während der Wiesn gehandhabt wird, ist davon abhängig, wie es jetzt an der Grenze läuft.“ Dort sind mehrere Bundespolizei-Hundertschaften im Einsatz. Für München heiße das: „Es ist noch zu früh, um Genaues zu sagen.“

Derweil ist eine Diskussion neu aufgeflammt, die schon 2014 geführt wurde, als die Bayernkaserne derart überfüllt war, dass Flüchtlinge im Freien schlafen mussten: Warum nutzt man – nach der Wiesn – nicht einige Festzelte als Notunterkunft für Asylsuchende?

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt diesen Vorschlag abgelehnt. Begründung: Die Bierburgen seien nicht beheizbar. Außerdem seien die hygienischen Zustände in den Zelten nach dem Oktoberfest niemandem zumutbar.

Bahn-Stop, Grenzkontrollen, Staus: Das Chaos an den Grenzen

„Man müsste die Böden wohl herausnehmen und neu verlegen“, sagt auch heuer der Fachbereichsleiter Veranstaltungen im Wirtschaftsreferat, Hans Spindler. Das wäre ein gewaltiger Aufwand.

Außerdem seien die Zelte statisch nicht für eine Schneelast ausgelegt. „Sie sind dafür gebaut, dass sie im Spätsommer oder Herbst stehen und nicht im Winter.“

Doch während es aus dem Sozialreferat ebenfalls heißt, an eine Unterbringung von Flüchtlingen in Festzelten werde nicht gedacht, hält man sich bei der Regierung von Oberbayern die Wiesn-Option offen. „Darüber werden wir in zwei Wochen je nach Lage entscheiden“, sagt Sprecherin Simone Hilgers.

„Grundsätzlich setzen wir eher auf Festbauten. Aber an der Donnersbergerbrücke mussten wir auch Notzelte errichten.“ Fix ist laut Hilgers zudem, dass ein Zelt des Rosenheimer Herbstfestes für Asylsuchende genutzt wird – genau wie in Landshut, wo Anfang des Monats ein Bierzelt zum Notquartier umfunktioniert wurde.

 

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