Notunterkünfte schon voll Ein Kälteschutzraum für Obdachlose

Im Winter droht Menschen, die auf der Straße leben, der Erfrierungstod. Foto: dpa

Die Stadt reagiert: 600 Münchner leben auf der Straße, aber die Notunterkünfte sind voll. Rund 3000 Menschen haben keine eigene Wohnung

 

München - Gerade jetzt, wo es draußen kalt ist, fallen sie auf: Menschen, die mit ihren Habseligkeiten auf Münchens Straßen leben. Deren Zuhause ein Bushäusl ist – oder irgendeine Brücke.

Das städtische Sozialreferat schätzt, dass in München zwischen 550 und 600 Obdachlose leben. Ihre Zahl ist deutlich gestiegen. Wegen der hohen Mieten. Aber auch wegen der starken Zuwanderung.
Die Zahl der angestammten Münchner Obdachlosen stagniert bei rund 300. Dazu kommen den aktuellen Schätzungen zufolge aber fast nochmal so viele Menschen aus Osteuropa – insbesondere aus Rumänien und Bulgarien. Sie haben keinen Anspruch, von der Stadt untergebracht zu werden. Bleiben aber trotzdem. Bei der Teestube wird berichtet, dass sich dort auch immer mehr Griechen und Spanier melden.

Was die Stadt vor Probleme stellt: Die Notunterkünfte sind schon jetzt voll. Rund 3000 Menschen haben keine eigene Wohnung. Von Zeit zu Zeit geschehe es, dass „Vorsprechenden kein Bettplatz zugewiesen werden kann“, heißt es in einem Bericht, der dem Sozialausschuss heute vorgelegt wird.

Ob nun einer den Anspruch auf eine Unterbringung hat oder nicht – niemand soll in München erfrieren. Deshalb will das Sozialreferat jetzt einen zentralen Kälteschutzraum einrichten. Der soll auf dem Areal der Bayernkaserne in Freimann liegen und Übernachtungsplätze für 170 Menschen bieten. Familien können dort in Zimmer mit sechs bis acht Betten einquartiert werden. Alleinlebende in Vier-Bett- und Paare in Zwei-Bett-Zimmern.

Das Evangelische Hilfswerk wird das Angebot während der Kälteperiode betreiben. Ab nächsten Monat soll das Haus in Frostnächten öffnen, je von 17 Uhr bis um 9 Uhr am nächsten Morgen.
Außerdem soll ein ganzjähriger Beratungsdienst für Menschen geschaffen werden, die keine Perspektiven am Wohnungs- und Arbeitsmarkt haben. Und bei denen die Stadt auch nicht verpflichtet ist, sie unterzubringen. Insgesamt will die Stadt eine halbe Million Euro in das Projekt investieren.

 

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