Not mit dem Bedürfnis OB Dieter Reiter: Sein WC-Plan ist beschlossen

Kostenpflichtig: WC-Anlage in Thalkirchen. Foto: Hering

Die Grünen wollen eine Auflistung der Klo-Arten – die Bayernpartei fordert ein WC an jeder zweiten U-Bahnstation.

 

München - Dieter Reiters WC-Offensive ist am Mittwoch in der Stadtrat-Vollversammlung offiziell beschlossen worden.

Heißt: Künftig wird das Thema gebündelt in der Verantwortung des Baureferates – zuvor war es auf diverse Referate und die Stadtwerke verteilt gewesen. Der OB erhofft sich durch diese Bündelung, dass die Lage rund um die öffentlichen WCs künftig besser eingeschätzt – und Probleme schneller behoben werden können.

"Hierbei handelt es sich nun wirklich um das Gegenteil von einem Wohlfühlthema", äußerte sich die grüne OB-Kandidatin Katrin Habenschaden, die Reiters WC-Plan ausdrücklich begrüßt.

Öffentliche WCs: Die Not mit dem Bedürfnis

Aus einem Bedürfnis könne schließlich ganz schnell eine brisante Not werden. Leidtragende seien Kinder, Schwangere oder Kranke. Deshalb forderte die Grünen-Fraktion in einem Änderungsantrag, dass bei der Erarbeitung eines Kriteriensystems nicht nur die Anzahl an WCs, sondern auch die Art der Anlagen bewertet werden müssen.

Dazu zählen Toiletten für Menschen mit Behinderung und Anlagen mit Wickelmöglichkeiten – für Männer sowie für Frauen! "Auch handelt es sich bei einigen Anlagen ausschließlich um Pissoirs – da bleiben die Frauen außen vor", kritisiert Habenschaden.

Mit eher spöttischem Unterton reagierte Hans Podiuk, Vize-Chef der Rathaus-CSU, auf das Engagement der Rathaus-Grünen. "Ein Meilenstein, dass die Fraktion die Not an dem Thema erkennt. Schließlich kamen erste Schließungen von WCs vor einigen Jahren noch von einer grünen Referentin", stichelte er.

Öffentliche WCs ein Wahlkampfthema?

Und Stadtrat Andre Wächter von der Bayernpartei nahm die WC-Offensive als Anlass, Reiter für den Zeitpunkt der Initiative kurz vor der Kommunalwahl 2020 zu kritisieren. "Als ich die Schlagzeile in der AZ gelesen habe, hatte ich plötzlich ein Déjà Vu", so Wächter.

Denn 2014 habe es von Reiter eine ähnliche Aktion gegeben: und zwar mit Blick auf die Schulklos. Wächter: "Der OB ist mittlerweile Experte im Lösen von Klo-Problemen."

Wächter kritisierte, dass laut Beschlussvorlage die "wirtschaftliche Vertretbarkeit" von Klos geprüft werden solle. Die sei bei Toiletten unerheblich – deshalb fordere die Bayernpartei eins an jeder zweiten U-Bahn-Station.

"Ich mache kein Geschäft mit dem Geschäft", beteuerte Reiter. Den Antrag der Bayernpartei halte er derzeit für "verfrüht", auf eine Zahl wolle man sich noch nicht festlegen. Reiters WC-Plan wurde derweil – inklusive Grünen-Antrag – beschlossen.

Lesen Sie hier: U-Bahn-Station Thalkirchen - Eine neue "Toilette für alle"

 

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