Nockherberg-Autor im Interview Thomas Lienenlüke: "Wir haben keinerlei Vorgaben"

Schon ein halber Bajuware: Singspiel-Autor Thomas Lienenlüke Foto: ZweiR

Bayerns Politiker sehen der Starkbierprobe mit einem lachenden und einem ängstlichen Auge entgegen. Kein Wunder, denn die Samthandschuhe müssen die Nockherberg-Autoren nicht anziehen.

 

München - Die Starkbierprobe auf dem Nockherberg (25. Februar um 18:30 Uhr im BR) ist eine bayerische Institution. Von Singspiel-Autor Thomas Lienenlüke kann man das nur bedingt behaupten: Er ist gebürtiger Westfale und Wahl-Rheinländer. Doch er arbeitet schon seit Jahren mit bayerischen Kabarettisten und ist inzwischen "halb bajuwarisiert", wie Lienenlüke der Nachrichtenagentur spot on news erzählt.

Sie schreiben zum dritten Mal das Singspiel am Nockherberg. Spielt es in Franken?

Thomas Lienenlüke: Nein, im Weltall. Aber das ist ja nicht unähnlich.

Wieviel Spaß macht es als Nicht-Bayer, für diese Veranstaltung schreiben zu dürfen?

Lienenlüke: Ich würde mich inzwischen als halb bajuwarisiert bezeichnen, weil ich auch schon lange mit bayerischen Kabarettisten wie Monika Gruber, Bruno Jonas und Andreas Giebel zusammenarbeite. Ich bin circa 100 Tage im Jahr in München.

Trotzdem haben Sie vermutlich immer noch auch eine Außenperspektive?

Lienenlüke: Ich habe schon die Außenperspektive, mit der ich auf die bayerischen Besonderheiten schaue. Aber ich komme aus Ostwestfalen. Die Mentalität dort ist der bayerischen gar nicht so unähnlich: Man sagt auch mal eher wenig und das nicht oft. Nach zwei Jahren Zivildienst in Hamburg bin ich nach Köln gezogen. Dort habe ich dann auf einmal gemerkt, dass es auch Menschen gibt, die wesentlich mehr als drei Sätze in der Stunde reden. Das hat mir gefallen, ich habe mich assimiliert, eine Rheinländerin geheiratet, alles wunderbar. Als es mich dann aber zum ersten Mal beruflich nach Bayern verschlagen hat, habe ich gemerkt, dass ich mit dieser Sicht auf die Dinge auch sehr gut zurechtkomme. Außerdem hat vieles eine große Melancholie, was ich sehr mag.

Worüber haben Sie sich zuletzt in Bayern amüsiert?

Lienenlüke: Markus Söder, Bayerischer Staatsminister der Finanzen, in der TV-Serie "Dahoam is Dahoam" (BR) war hier ein großes Politikum. Außerhalb von Bayern, zum Beispiel im dem protestantischen Norden, aus dem ich stamme, wäre es völlig undenkbar, dass ein Politiker in einer Vorabendserie einfach mal sein politisches Programm vorstellt und alle daraufhin sagen: "Super, wir haben gar nicht gewusst, was für ein toller Kerl du bist!" Oder auf Bayerisch: "A Hund is er scho, der Söder." Das finde ich sehr skurril, wobei es sicherlich von Vorteil ist, in einem Landstrich zu leben, in dem man solche Sachen wegbeichten kann.

Was halten Sie von der bayerischen Kabarettszene?

Lienenlüke: Sie ist groß und wahnsinnig gut. Das liegt unter anderem daran, dass fast jeder Kabarettist, mit dem ich bisher zusammengearbeitet habe, vorher auch Theater gespielt hat. Das heißt, sie können richtig Szene spielen. Wenn man Monika Gruber oder Luise Kinseher etwas Szenisches vorlegt, schlüpfen sie sofort in die Rolle. Damit werden die Texte im Gegensatz zum reinen Aufsagen einer Meinung sofort menschlich.

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Wieviel Rücksicht muss man beim Singspiel auf die Politiker nehmen, welche Vorgabe gibt es?

Lienenlüke: Keiner sagt uns: "Ministerpräsident Horst Seehofer sitzt im Publikum, packt ihn bitte zahmer an!" Wir haben tatsächlich keinerlei Vorgaben, sonst würden wir das auch gar nicht machen.

Inwiefern konkurrieren die Predigt der Bavaria und das Singspiel?

Lienenlüke: Das nimmt sich nichts weg. In ihrer Predigt konzentriert sich Luise Kinseher (Mutter Bavaria) ganz klar und konkret auf die Politiker. Beim Singspiel wird es poetischer. Regisseur Marcus H. Rosenmüller, die Band sowie Luise Kinseher, die dieses Mal auch beim Singspiel mitgeschrieben hat, und ich suchen dafür immer ein Stimmungsbild, das eine Stunde trägt. Im vergangenen Jahr war es der Faust...

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Apropos Marcus R. Rosenmüller, kannten Sie sich vorher?

Lienenlüke: Ich liebe und kannte seine Filme. Irgendwann hieß es dann von Seiten der Brauerei, wir sollten uns mal kennenlernen. Gleich beim ersten Treffen hat es keine zehn Minuten gedauert und wir waren schon am Basteln. Das war großartig.

Wer nach dem Nockherberg nicht genug vom bayerischen Humor bekommt, kann gleich am nächsten Tag (26. Februar) im Ersten beim "Vereinsheim Schwabing" (23:30 Uhr) mit Gastgeber Hannes Ringlstetter zuschalten. Lienenlüke zeichnet sich auch als Autor von "3. Stock links. Die Kabarett-WG" (ebenfalls mit Ringlstetter) verantwortlich. Die nächste Folge der "Kabarett-WG" kommt am 5. März um 23:00 Uhr im Ersten.

 

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