Nockherberg 2014 Singspiel: Scheidender OB Ude zu Tränen gerührt

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Nockherberg 2014: Das Singspiel von Regisseur Marcus Rosenmüller ist auch heuer umjubelt – und einmal richtig besinnlich: Bei Udes Abschiedshymne müssen alle schlucken. Am meisten der scheidende OB.

 

München - Die Begeisterung, die Singspiel-Autor Thomas Lienenlüke und Regisseur Marcus H. Rosenmüller vergangenes Jahr ausgelöst haben – sie hat sich wiederholt. Das Singspiel – heuer eine „Fast-Faust“-Version im Singspiel-Format war witzig, zum teil saukomisch – aber eben auch sehr traurig: Bei der Abschiedshymne an Christian Ude haben vor Rührung alle schlucken müssen – der OB selbst hat sogar ein paar Tränen vergossen.

Das rührige Lied – wie alle anderen eigens für „Faust“ geschrieben und komponiert, stammen von Gerd Baumann und Sebastian Horn. Und Udes brüll-komische Abschiedshymne ist das absolute Highlight des Abends. Dabei tanzt ein Münchner Kindl und ein ganzes Ballett von Ude-Doppelgängern über die Bühne: „Es ist an der Zeit/ Und es tut mir wirklich leid/ Der letzte Vorhang ist noch nicht gefallen/ der Applaus mag einfach nicht verhallen/ Esprit trifft auf Genie/ und jetzt weiß ich, ohne mich schafft ihr das nie / Wollt ihr das ganze nicht noch überdenken!/ Eine Amtszeit würde ich euch noch schenken! – München, einzigartiger als du bin nur noch ich!“

Schluck. „Bei dem grandiosen Abschiedssong auf der Bühne musste ich alle Nüchternheit zusammennehmen, damit ich nicht in Tränen ausbreche“, bekannte ein sichtlich gerührter Christian Ude anschließend der AZ. „Das ist nicht lückenlos gelungen.“ Und vielen unter den 600 Gästen ist es ähnlich ergangen.

Als Abschiedsgeschenk für den scheidenden OB Christian Ude (Uli Bauer) – so heuer die Grundidee des Singspiels – will Seehofer den „Faust“ auf die Bühne bringen. Seine Traumbesetzung: Er selbst in allen Rollen.

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Damit sind alle anderen Politiker, die er zum Proben geladen hat, nur bedingt einverstanden: Die um Seehofers Gunst ringenden und gleichzeitig von der Alleinherrschaft in Bayern fantasierenden Markus Söder (Stephan Zinner) und Ilse Aigner (Angela Ascher) und auch Christian Ude, der seinen „Lehrling“ Florian Pronold (Stefan Murr) mitbringt. Angela Merkel (Antonia von Romatowski) und Sigmar Gabriel (Thomas Wenke) schleichen sich ein, um herauszufinden, was die Bayern am „hinterfotzigen Hinterwäldler“ Seehofer finden.

Haderthauer hat einen kleinen Auftritt – und gibt sich als Aigner aus. Premiere hat Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter: Von Söder versehentlich dahergezaubert, entsteigt er als Himmelswesen mit Harfe einer Hundehütte und singt: „Sie klauen uns Grünen die Themen / das schwarze Saulumpenpack /ich würde mich sowas von schääääääämen / und empfehle mich, guten Tag.“ Selbstherrliche, machtgeile Politiker, die nur darauf warten, sich gegenseitig auszustechen um als Alleinherrscher zu glänzen – und ohne zu zögern für ein bisschen Charisma und Charme ihre Seele an den Teufel verkaufen: Das ist bitterböse, aber: charmant in Szene gesetzt.

Noch grotesker, noch absurder als das Erstlingswerk ist „Fast Faust“ geraten, ein zaubernder Markus Söder, ein Horst Seehofer mit Brüsten und Gretchen-Zöpfen, Angela Merkel und Sigmar Gabriel in Mülltonnen wie in Becketts „Endspiel“.

Einstecken können müssen Seehofer, Söder, Aigner, Ude und Pronold an diesem Abend – aber nie geht’s unter die Gürtellinie wird’s persönlich. Jeder Bayer muss Humor aufbringen, heißt es in dem Duett von Angela Merkel und Sigmar Gabriel: „Wird das Volk einmal geprellt/ schnell ein Bierzelt hingestellt / sie ersäufen ihren Kummer / in Massen Bier bis sie schlummern / und wenn sie dann wieder erwachen / kann das Volk so herzhaft lachen / über Willkür, Korruption / Nächstenliebe und Kommunion.“

Der Saal jubelt. „Das habt ihr großartig gemacht!“, sagt Seehofer, nachdem das Stück gespielt und die Seelen verkauft sind, „So schön ist das, wenn man mich alles allein machen lässt!“ Teufelchen mit spitzer Maske und blauen Leucht-Augen sitzen auf dem Rücken der Darsteller, sie tanzen den „Deifi-Tanz“ – vom Teufel besessene Politiker, die die mahnenden Abschlussworte singen: „Ein Vorsicht, ein Vorsicht, vor Gemütlichkeit!“ Womit der Worte hier genug gewechselt wären.

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