Niedrige Zinsen Deshalb boomt der Fertighausmarkt in Deutschland

Fertighäuser erfreuen sich heute einer immer größeren Beliebtheit - doch woran liegt das eigentlich? Die Gründe dürften vielschichtig sein. Foto: @ 2211438 (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Der Bausektor hat in Deutschland in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Ein Grund sind die niedrigen Zinsen für Hausbaukredite.

Private Antragsteller zahlen bereits seit Jahren einen Zins, von dem Eigenheimbesitzer vor zehn Jahren nicht einmal zu träumen gewagt hätten.

Beispiel: Im Juli 2017 vergaben die Banken – lauf Deutscher Bundesbank – ein Volumen von mehr als 4,5 Milliarden Euro an neu verhandelten Baukrediten. Der Zinssatz für die Darlehen lag im Schnitt bei 1,88 Prozent. Vor zehn Jahren hätte ein Haushalt für das Baugeld noch 5,69 Prozent an Bauzins schultern müssen.

Diese Entwicklung beschert nicht nur den Baugewerken (also Maurer, Schreiner, Dachdecker) Arbeit. Zu den Profiteuren gehören auch jene Unternehmen, die Fertigteilhäuser oder Selbstbauhäuser (werden hin und wieder auch als Bausatzhaus bezeichnet) anbieten. Die allgemein hohe Nachfrage ist am Ende aber nur ein Teil der Wahrheit, warum diese Gebäudetypen gefragt sind. Das Fertighaus hat einfach einige Pluspunkte zu bieten, bei denen ein Massivhaus einfach nicht mithalten kann.

Was ist ein Fertighaus?

Der Begriff Fertighaus ist eigentlich irreführend. Der Grund: Auch ein Massivhaus kann vom Bauträger bezugsfertig übergeben werden. Auf der anderen Seite kann das Fertighaus in seiner umgangssprachlichen Definition auch als Ausbauhaus erstellt werden. Sprich: Der Eigentümer muss den Innenausbau noch übernehmen. Daher ist die Bezeichnung Fertigteilhaus eigentlich eher zutreffend.

Kern dieses Haustyps sind die Besonderheiten in der Errichtung. Ein Massivhaus besteht heute oft immer noch aus Mauerwerk – auch wenn sich die hierfür verwendeten Materialien im Lauf der Jahre stark verändert haben. Der Ablauf ist als ganz „klassisch“. Zuerst kommt das Fundament – und anschließend wird Stück für Stück nach oben gemauert. Dieser massiven Bauweise steht das Fertighaus gegenüber. Hier werden Bauteile vorgefertigt und diese anschließend einfach auf der Baustelle zusammengesetzt.

Es handelt sich bei den Fertigteilhäusern also um Gebäude, welche in Segmentbauweise vorgefertigt und dann einfach – wie ein übergroßes Puzzle – wieder zusammengesetzt werden. Diese besondere Bauform hat natürlich einige Pluspunkte, welche die Beliebtheit der Fertighäuser erklären. Auf der anderen Seite ist es diese Bauweise, welche die Nachteile erklärt.

Warum steigen die Verkaufszahlen für Fertighäuser?

Mittlerweile machen – laut BDF – Fertighäuser in Deutschland fast ein Fünftel des Marktes aus. Damit hat das Fertigteilhaus seinen Anteil wieder ein Stück weit ausbauen können. Der Zuspruch hat mehrere Ursachen. Einerseits ist die Allgemein sehr hohe Nachfrage natürlich ein Aspekt, welche hier eine Rolle spielt. Werden allgemein mehr Immobilien errichtet, profitieren davon auch Anbieter der Fertighäuser.

Auf der anderen Seite gibt es einige spezielle Punkte, welche die Nachfrage mit erklären:

- Kurze Bauzeit: Da Fertighäuser in Segmenten hergestellt, geliefert und erreichtet werden, ist die Bauzeit – von der Baugrube bis zum Richtfest – wesentlich kürzer. Wenige Wochen bzw. Monate können zwischen Spatenstich und Einzug liegen.
- Flexibles Baukastensystem: Hersteller bieten in der Regel einige Haustypen an, zwischen denen sich Interessenten entscheiden. Alle Aspekte werden vorher geplant – auch individuelle Wünsche. Interessante Angebote wie für Fertighäuser von Bien Zenker zeigen die Möglichkeiten der Individualisierung, die heute zur Verfügung stehen.
- Preisgünstiges Bauen: Moderne Fertigung und das Baukastensystem machen Fertighäuser zu günstigen Baualternativen. Auf Wunsch kann die Immobilie bezugsfertig oder ohne Innenausbau übergeben werden. Hier können Heimwerker sparen.
- Unabhängigkeit vom Wetter: Die Witterung ist im Hausbau immer ein Unsicherheitsfaktor – gerade wenn über Wochen gebaut wird. Beim Fertighaus stehen Fassade und Dach meist innerhalb von einem bis zwei Tagen.

Was ist bei einem Fertighaus zu beachten?

Fertighäuser haben viele – aber nicht nur Vorteile. Es gibt durchaus einige Aspekte, denen sich jeder Bauherr klar sein muss. Beispielsweise ist es schwierig, nach Abschluss der Planungsphase – wenn die Segmente bereits für den Transport vorbereitet sind – Änderungen vorzunehmen. Daher ist in der Planung ein sehr hohes Maß an Genauigkeit gefragt.

Ein zweiter Punkt betrifft den Lärmschutz. Während im Hinblick auf die Energieeffizienz ein Fertighaus sehr gut abschneidet, werden Massivbauten beim Lärmschutz in der Regel die Nase vorn haben. Nicht außer Acht sollte zudem gelassen werden, dass der Wiederverkaufswert beim Fertighaus – im Vergleich zum Massivhaus – mitunter geringer ausfallen kann.

Tipp: Fertighäuser können in unterschiedlichen Bauweisen errichtet werden. Es werden inzwischen auch Gebäude angeboten, die in Massivbauweise ausgeführt sind und Vorteile beider Varianten miteinander kombinieren.

Richtige Finanzierung fürs Fertighaus im Auge behalten

Der Punkt Finanzierung darf auch beim Fertighaus nicht ausgeblendet werden. Trotz aller Vorteile – auch 150.000 Euro plus X sollte sich jeder Bauherr einstellen. Und nur über Erspartes wird sich diese Summe nur selten realisieren lassen. Banken bieten heute diverse Darlehen an – die vorausschauend ausgewählt werden sollten.

- Annuitätendarlehen: Eine Standardvariante, bei welcher in immer festen Raten ein Baukredit getilgt wird. Der Vorteil ist die hohe Plan- und Berechenbarkeit. Allerdings haben Annuitätendarlehen einen Nachteil – den zu Beginn sehr niedrigen Tilgungsteil.
- Tilgungskredit: Hier wird mit einem konstanten Tilgungssatz der Baukredit zurückgezahlt (zum Beispiel drei Prozent p. a.). Da sich der Zinsteil ändert, ist die Rate über die Laufzeit nicht gleich.
- Endfällige Darlehen: Hierbei handelt es sich um eine Variante, bei welcher über die Laufzeit nur der Zins, aber keine Tilgung an die Bank fließt. Letztere ist am Ende der Laufzeit zu leisten – und wird in der Regel aus einem Sparvertrag bedient.

Kreditnehmer sollten darauf achten, dass Sondertilgungen möglich sind und die Zinsbindung mit dem Zinssatz im Gleichgewicht steht.

Natürlich spielen auch die günstigeren preise eine wichtige Rolle bei der hohen Nachfrage von Fertighäusern.Natürlich spielen auch die günstigeren Preise eine wichtige Rolle bei der hohen Nachfrage von Fertighäusern. Foto: @ AlexanderStein (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Fazit: Fertighäuser werden zunehmend beliebter

Niedrige Bauzinsen sorgen für einen Boom bei Immobilien. Profiteure sind nicht nur Banken, sondern auch das Baugewerbe und die Hersteller von Fertighäusern. Letztere sind in den letzten Jahren beliebter geworden. Gründe gibt es hierfür viele – wie die schnelle Bauzeit und die Energieeffizienz. Allerdings haben Fertighäuser auch ihre Nachteile. Dazu gehört etwa der Lärmschutz. Wer darüber nachdenkt, zum Eigenheimbesitzer zu werden, sollte die Vorzüge und Minuspunkte in jedem Fall gründlich abwägen. Nur so wird sich die richtige Entscheidung treffen lassen.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. null