Niederlage in Fürth "Das nervt uns total"

1860 in Fürth: Die besten Bilder vom Spiel Foto: dapd

 

Nach einer frühen Roten Karte gegen Kai Bülow verliert 1860 in Fürth - und sucht die Schuld dafür beim Schiedsrichter

Fürth - Kai Bülow schlich sich geschickt an allen Reportern vorbei und verschwand heimlich aus den Katakomben der Trolli-Arena. Dass der Löwen-Verteidiger lieber nichts mehr sagen wollte an diesem Nachmittag, konnte man gut verstehen - schliesslich war der 25-Jährige in Fürth zur tragischen Figur in einem Spiel geworden, von dem die Löwen nun schon zum vierten Mal nach fünf Auswärtsspielen mit leeren Händen nach Hause reisten.

Und doch war nach der 0:2-Pleite der Sechzger, bei der man ebenso chancenlos gewesen war wie in Fürth oder in der zweiten Halbzeit bei St. Pauli, niemand so richtig geknickt. Präsident Dieter Schneider erklärte: "Heute muss man für uns mildernde Umstände gelten lassen. Hätte Kai Bülow nicht so früh die Rote Karte bekommen, wäre es ein anderes Spiel geworden. Nach dem Platzverweis sind wir nur hinterhergehechelt. Mehr nicht."

1860 sieht Rot - das ist das Stichwort. Denn die Blauen regten sich mächtig auf über Bülows Platzverweis. Der Verteidiger hatte den agilen Fürther Stürmer Christopher Nöthe nach 13 Minuten vor der Strafraum von den Beinen geholt, was Schiedsrichter Christian Bandurski erst mit Gelb bestrafen wollte: Sein erster Griff ging Richtung Brusttasche. "Dann hat ihm wohl jemand von aussen was Dummes gesagt", meinte Reiner Maurer über jenen Moment, indem der Referee die Rote Karte aus der Gesässtasche zückte.

"Das kann man nicht machen", schimpfte Löwen-Kapitän Benny Lauth. "Man hat ihm die Unsicherheit genau angesehen. Wenn man nicht weiss, was man machen soll, kann man nicht einfach so Rot geben. Vor allem nicht jemand, der keine Erfahrung hat und nicht weiss, was das zu heissen hat." Präsident Schneider legte nach: "Es wäre sinnvoll, zu einem Spitzenspiel mit zwei kampfstarken Teams einen Schiedsrichter zu schicken, der schon zehn Jahre Erfahrung hat." Auch Sportchef Florian Hinterberger reagierte stocksauer: "Ich kannte den Mann nicht mal. Auf mich hat er aber keinen guten Eindruck gemacht."

Bandurski ist tatsächlich erst 28, doch der Mann vom niederrheinischen Verein Teutonia Überruhr pfeift schon seit vier Jahren Zweitligaspiele. Dennoch kannte der Löwen-Zorn keine Grenzen, Jungstürmer Kevin Volland sagte gar: "Was nach der Roten Karte passiert ist, hat jeder gesehen. Wir sind verpfiffen worden. Es lief alles gegen uns." Maurer ergänzte: "Der Schiedsrichter hat dem Spiel mit der Roten Karte den Stempel aufgedrückt." Tatsächlich hatten die Löwen, die bis zu Bülows Platzverweis überzeugend auftraten, später keine einzige Torchance mehr und durften froh sein, dass sie nur zwei Treffer hinnehmen mussten. Vor dem ersten Tor durch Christopher Nöthe wollte Maurer ein Foul des flinken Vorbereiters Sercan Sararer an Daniel Halfar gesehen haben, beim zweiten drosch Bernd Nehrig einen 25-Meter-Knaller ins linke Toreck. "Wir haben zu wenig gegengehalten", bemängelte Maurer, "das hätten wir auch zu zehnt besser machen können. So muss man sagen, es war ein hochverdienter Sieg für Fürth."

Auch deren Trainer Mike Büskens bestätigte: "Wir haben den Löwen keine Gefahr gestattet. Trotzdem haben sie die Qualität, um unter die ersten Drei der Liga zu kommen." Das wird die Sechzger nicht trösten, sie plagen nun Abwehrsorgen: Nach der neuerlichen Verletzung von Necat Aygün fehlt ihnen nun auch noch der gesperrte Bülow. Hinterberger: "Wir müssen da hinten immer wieder aufs Neue umbauen. Das nervt uns mittlerweile total."

 

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