Niederlage gegen Bochum Unter Schock - Löwen stürzen auf Relegationsplatz

Die Löwen bringen sich wieder in akute Abstiegsgefahr. Foto: sampics

Die Löwen stürzen nach der 1:2-Pleite im letzten Heimspiel gegen Bochum auf den Relegationsplatz. „Natürlich sind wir alle niedergeschlagen“, sagt Levent Aycicek. Nun kommt es zum Showdown

München - Michael Liendl griff sich an den Kopf. Maximilian Wittek zog sein Trikot über den Kopf. Sogar Heißsporn Vitor Pereira stand wie versteinert da. Und im Rund der Allianz Arena herrschte Totenstille. Es hätte ein umjubelter Heimsieg werden sollen gegen den VfL Bochum. Die halbe Miete zum Klassenerhalt. Es wurde der blanke Horror.

Der TSV 1860 hat in seinem letzten Saison-Heimspiel am 33. Spieltag gegen die Bochumer nicht nur den vorzeitigen Klassenerhalt, sondern auch den so wichtigen Heimsieg verpasst – und mit 1:2 verloren. Abdoulaye Ba (34.) konnte den Führungstreffer durch Ex-Löwe Peniel Mlapa (31.) für sichtlich gehemmte Sechzger gegen befreit aufspielende Bochumer ausgleichen. Tom Weilandt legte nach (80.) und stürzte die Elf von Trainer Vitor Pereira ins Jammertal.

Damit sind die Sechzger mit 36 Punkten auf Relegationsrang 16 abgerutscht – und müssen mehr denn je um den Ligaverbleib bangen. „Natürlich sind wir alle niedergeschlagen, wenn du jetzt die Tabelle siehst. Aber es weint keiner in der Kabine, wir muntern uns auf, dann geht es weiter“, erklärte Levent Aycicek nach der bitteren Pleite trotzig. Stefan Aigner meinte vor dem letzten Spieltag jedoch beinahe resigniert: „Du stehst jetzt noch umso mehr unter Druck, weil du jetzt punkten musst. Es ist ganz, ganz eng, es zählt nur noch, dass wir drei Punkte holen.“

Pereira, auf dessen Wunsch hin übrigens keine Zwischenstände in der Arena eingeblendet wurden, veränderte seine Startelf nach dem 2:1 bei Dynamo Dresden auf zwei Positionen. Kai Bülow spielte für den verletzten Felix Uduokhai, Wittek für den gesperrten Marnon Busch. Die Stimmung der 40 300 Zuschauer, zu denen der wegen eines Geschäftstermins in Los Angeles verhinderte Investor Hasan Ismaik („Für mich ist das eine große Strafe“) nicht zählte: schon vor Anpfiff überragend.

Umso leiser war es in der zweiten Minute, als der erste Bochumer Angriff fast den Rückstand bedeutet hätte: Nach einem Mlapa-Konter gab es Ecke, die landete auf dem Kopf von Anthony Losilla, der am Querbalken scheiterte – durchatmen! Und die Hausherren? Agierten nervös und hatten kaum Chancen. Als Bülow kurz danach in höchster Not retten musste und ein Kopfball des völlig freistehenden Mlapa drüber ging (27.), führte Pereira ein Tobsucht-Tänzchen an der Seitenlinie auf. Wo waren seine dominanten Löwen hin?

Der Ball musste nach Mlapas nächstem Konter erst im Kasten liegen, als Sechzig durch Bas wuchtigen Kopfball nach einem Liendl-Freistoß zurückschlug, als die Fassungslosigkeit dem Jubel wich. Einmal mehr zeigte sich im dritten Abstiegskampf-Jahr in Folge: Die Löwen und Drama, das gehört untrennbar zusammen. „Wir waren heute zu eifrig und hatten nicht die nötige Geduld. Ich kann das auch verstehen in dieser Phase, in der wir stecken“, meinte Pereira auf Nachfrage der AZ über die Nervosität seines Teams.
Kurz nach der Pause tankte sich Aigner auf der rechten Seite durch, doch sein Querpass kam nicht beim freistehenden Aycicek an (51.). Es fehlte, nicht nur in dieser Aktion, nicht am Kampf. Nicht an der Leidenschaft. Aber an der letzten Konsequenz. Und dann folgte, was folgen musste: Der Genickschlag durch Weilandt. Ausgerechnet er, dessen Wechsel zu 1860 vor anderthalb Jahren nur an einer Verletzung gescheitert war, stürzte Sechzig vor dem Saisonfinale beim 1. FC Heidenheim in Richtung Abgrund.

Auf die Frage, wie er sich fühle, antwortete ein niedergeschlagener Wittek kurz wie ehrlich: „Scheiße.“ Stefan Ortega gestand, dass man nun „jedes Szenario“ durchgehe, forderte aber nach dem „großen Schock“, dass man „schleunigst die Köpfe nach oben kriegen“ müsse. Der Showdown steigt in Heidenheim.    

 

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