Niederlage bei Chelsea Leverkusen: Neuer Ärger um Ballack

Michael Ballack musste gegen Chelsea nach 64 Minuten vom Platz. Danach setzte es zwei Gegentore. Foto: dpa

Bayer-Coach Dutt holt den starken Routinier nach 64 Minuten vom Feld – danach kassiert Leverkusen beim FC Chelsea zwei Gegentore. Jetzt steht der Trainer in der Kritik: „Er weiß ja nicht, wie es geht."

 

LONDON Das Zwiegespräch zwischen Chelsea-Coach André Villas-Boas und Michael Ballack fiel sehr herzlich aus. Lange unterhielt sich Ballack bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte mit dem jungen Trainer der Londoner Millionentruppe. Beide lachten herzlich, umarmten sich und scherzten ausgiebig. Eine halbe Stunde zuvor sah das etwas anders aus: Leverkusens Coach Robin Dutt hatte Ballack ausgewechselt. Kurzes Abklatschen an der Seitenlinie, das war’s.


Die Crux für Dutt: 37 Sekunden nachdem er seinen Mittelfeld-Star unter Standing Ovations des gesamten Publikums ausgetauscht hatte, erzielte Chelseas Verteidiger David Luiz das vorentscheidende 1:0 (64.). Das 2:0-Endergebnis besorgte der Spanier Juan Mata kurz vor dem Schlusspfiff.


Ballack raus, Spiel verloren. Mit dieser Konstellation musste sich Robin Dutt nach der Partie dann herumschlagen. Und der Coach der Leverkusener wand sich kräftig bei der Suche nach einer Erklärung: „Man darf nicht erst wechseln, wenn es zu spät ist, wenn die Müdigkeit schon eintritt”, begründete er seine Aktion recht halbseiden. Michael Ballack war jedoch nach eigener Aussage hellwach: „Nö, ich habe mich gut gefühlt”, antwortete er auf die Frage, ob er müde gewesen sei. Auf echten Konfrontationskurs mit dem Champions-League-Neuling Dutt ging der ehemalige deutsche Nationalspieler aber nicht: „Der Trainer hat so entschieden. Das ist okay.”


Heftige Kritik musste der Leverkusener Coach aber trotzdem einstecken: „Er weiß ja nicht, wie es geht in der Champions League”, ätzte Ex-Nationalkeeper Jens Lehmann bei Sky. „Er kann eigentlich froh sein, dass er mit Michael Ballack wenigstens einen hat, der weiß, wie das Tempo ist, die Härte und die Geschwindigkeit kennt. Da kann er sich eigentlich glücklich schätzen.”


Dutt selbst sah das etwas anders und muss nun damit leben, das in Leverkusen inzwischen nur noch glimmende Thema Ballack selbst wieder entfacht zu haben. Zu allem Überfluss hatte Ballack bei seiner Rückkehr an die Londoner Stamford Bridge richtig gut gespielt. Der Star hatte die Fäden im auf höchster internationaler Ebene reichlich unerfahrenen Team gezogen und eine Riesenchance erarbeitet, aber vergeben (57.). „Michael ist ein zentraler Spieler, hat Erfahrung, hat gut gespielt. Warum wird er dann ausgewechselt?”, fragte sich Lehmann.


Einen Zusammenhang zwischen der Herausnahme seines Ausnahmekönners und dem gleich folgenden Gegentor wollte Dutt partout nicht herstellen: „Wenn der Gegner zwei frische Kräfte bringt, gibt es keinen Grund, nicht selber frische Kräfte zu bringen”, rechtfertigte sich Dutt.


Jens Lehmann hatte derweil nur Spott für Dutt übrig: „Dass Ballack jetzt leider nur 60 Minuten spielen konnte, von der Fitness her, war schade.” Ein ausgiebiges Schmunzeln konnte sich der Ex-Nationaltorhüter dann nicht verkneifen.

 

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