US-Präsident besucht Macron Trumps Auftritt in Paris: "Nichts wird uns jemals trennen"

, aktualisiert am 14.07.2017 - 17:28 Uhr
Was er ihm damit wohl sagen will? Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zwinkert US-Präsident Donald Trump zu. Foto: dpa

Mit großem Pomp feiert Frankreich seinen Nationalfeiertag – und umschmeichelt US-Präsident Trump. Doch dieser 14. Juli hat ein doppeltes Gesicht.

 

Paris - Die Kampfflugzeuge sind schon vorbeigedonnert und die Panzer über die Champs-Élysées gerollt, als eine musikalische Geste an den Schatten auf diesem Nationalfeiertag erinnert. Am Ende der Militärparade in Paris nimmt eine Kapelle Aufstellung und spielt das Lied "Nissa la bella", "Nizza die Schöne". Die Musiker formen dabei den Namen der Mittelmeerstadt, in der genau ein Jahr zuvor bei einem islamistischen Anschlag 86 Menschen ermordet wurden.

Am Nachmittag reiste Frankreichs Staatschef nach Nizza weiter

Frankreich zeigt seine Muskeln, Frankreich leckt seine Wunden: Der mit großem Pomp inszenierte 14. Juli hat in diesem Jahr ein doppeltes Gesicht. Morgens fährt Präsident Emmanuel Macron über die "schönste Avenue der Welt" und beschwört neben Ehrengast Donald Trump die Freundschaft zu den USA ("Nichts wird uns jemals trennen"). Und am Nachmittag reist er ins schwer getroffene Nizza.

Der Anschlag an diesem symbolischen Datum wurde damals als Angriff auf Frankreichs Werte verstanden. Das schwingt mit, als Macron jetzt vom Preis für die Verteidigung "unserer Rechte" spricht. Bis zu 10.000 Soldaten sind bei der Anti-Terror-Mission "Sentinelle" im Inland im Einsatz, patrouillieren in Bahnhöfen oder auf der Promenade von Nizza.

Auch US-Truppen laufen mit

Das alljährliche waffenstarrende Spektakel auf den Champs-Élysées ist eine Demonstration der Stärke, minutiös vorbereitet. Auch wenn die Schlagkraft des Landes im Vergleich zu den USA natürlich klein ist: Frankreich ist Atommacht, Veto-Land im UN-Sicherheitsrat und schickt seine Truppen vergleichsweise häufig in Auslandseinsätze. Den US-Präsidenten Trump umschmeichelt Macron so mit eindrucksvollen Bildern. Offensichtlich gelöst verfolgt der Amerikaner die Parade, salutiert vor den amerikanischen Truppen, die anlässlich des 100. Jahrestags des Eintritts der USA in den Ersten Weltkrieg mitlaufen. Und Macron bekommt die gewünschten Bilder: Frankreich als wichtiger Akteur auf der Weltbühne, der trotz Meinungsverschiedenheiten mit allen reden kann.

Menschen in Nizza trauern

Szenenwechsel: In Nizza legen derweil Menschen Plaketten in Blau, Weiß und Rot auf die Strandpromenade, wo der weiße 19-Tonner vor einem Jahr ein Blutbad anrichtete. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie sich langsam der Nationalspruch "Liberté, Égalité, Fraternité abzeichnet – "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Blumenhändler verteilten auf der Strandpromenade weiße Rosen zum Gedenken an die Opfer. "Ich weiß, dass viele Leute es brauchen, dass Nizza an diesem Tag nach vorn gestellt wird", sagt die Vorsitzende des Opferverbands "Promenade des Anges" ("Promenade der Engel"), Emilie Petitjean. "Doch psychologisch wird das für viele schwer sein."

Trump fiel durch Sexismus auf

Trump und seine Frau Melania (47) reisten bereits einen Tag vorher an. Bei dem Treffen mit Präsident Emmanuel Macron (39) im Élysée-Palast kommentierte er das Aussehen der französischen First Lady - ungebeten. Dafür erntete er spöttische bis entsetzte Reaktionen im Netz. Er sagte: "Sie haben sich so gut gehalten." Dabei lassen sich seine Blickrichtung und Bewegungen so deuten, dass er mit beiden Händen die Form ihrer Hüften beschreibt, eindeutig ist die Geste aber nicht. Wörtlich sagte Trump "You’re in such good shape", was sich auch mit "Sie haben so eine tolle Figur" oder "Sie sind so gut in Form" übersetzen ließe. Der Kontext und die Stimme Trumps ließen aber darauf schließen, dass er sich mit seinem Kommentar auf das Alter von Brigitte Macron (64) bezog.

Anschließend drehte sich Trump zu Emmanuel Macron um und bekräftigte noch einmal von Mann zu Mann: "Sie ist in toller körperlicher Verfassung." Und wieder an Brigitte Macron gewandt: "Wunderschön." Brigitte Macrons Mimik war nicht zu erkennen, da sie mit dem Rücken zur Kamera neben Trumps Frau Melania (47) stand. Im Netz blieben Trumps Worte nicht lange unkommentiert. Während einige Nutzer ihm empfahlen, das mit den Komplimenten lieber nochmal zu üben und die Szene als "Inbegriff der Fremdscham" bezeichneten, wollten andere kein Problem darin erkennen: Schließlich habe doch bloß ein Mann einer Frau ein harmloses Kompliment zu ihrem Aussehen gemacht.

Während des französischen Präsidentschaftswahlkampfs war der große Altersunterschied zwischen Emmanuel und Brigitte Macron immer wieder thematisiert worden.

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