Neuzugang Kingsley Coman Ribérys Thronfolger: "Ich bin gekommen, um zu bleiben"

Frankreichs große Hoffnung: Bayern-Star Kingsley Coman Foto: dpa

Kingsley Coman will nach dem Traumstart beim FC Bayern auch die Franzosen überzeugen. Sein Selbstvertrauen ist bereits auf Ribéry-Level.

München/Paris - Was soll diesen jungen Mann eigentlich beeindrucken? Der FC Bayern und die französische Nationalmannschaft tun dies jedenfalls nicht. Als Kingsley Coman, der gerade zum ersten Mal in den Kader der Equipe Tricolore berufen wurde und im Testspiel gegen Deutschland (21 Uhr/ARD) zu seinem Debüt kommen könnte, über seinen Aufstieg in den vergangenen Wochen spricht, tut er das mit einer Ruhe und Selbstsicherheit, die verblüfft. Nicht vergessen: Kingsley Coman ist 19 Jahre alt. "Klar ist etwas Besonderes, für mein Land zu spielen", sagt der Youngster. Aber: "Ich fürchte mich nicht."

Coman wirkt so gelassen, als sitze er in diesem Moment Zuhause in München auf dem Sofa und schaue sich eine Staffel von "Game of Thrones" an, seiner aktuellen Lieblings-TV-Serie. Dabei ist der Anlass ein ganz anderer. Die Franzosen sind gekommen, um zu verstehen, was diesen Jungen so besonders macht. Schließlich hat er es in kürzester Zeit geschafft, Pep Guardiola von sich zu überzeugen. Coman, der vor der Saison von Juventus Turin auf Leihbasis zu den Bayern wechselte, verrät mit seinem Auftritt einen wichtigen Teil des Geheimnisses: "Ich komme hierhin, um zu bleiben. Ich möchte mich überall durchsetzen, das ist normal."

Normal eben für einen selbstbewussten Kerl wie ihn, der sich seiner Qualität in jeder Sekunde bewusst zu sein scheint. Nicht umsonst hat Guardiola den Spitznamen "King" für ihn ausgewählt. "Ich kenne jetzt die großen Klubs", sagt Coman. "Auch wenn die Nationalmannschaft noch mal etwas anderes ist, der Druck ist auch hier nicht höher."

Ein typischer Coman – so kann man es inzwischen schon fast formulieren. Denn auch bei seiner Vorstellung im Bayern-Dress war der Youngster nicht gerade als Zweifler aufgefallen. "Ich bin der Spieler, der den Unterschied macht – in jeder Minute des Spiels", hatte er Anfang September gesagt, als er neben seinem auffälligen Haarbändchen auch den stark ausgeprägten Glauben an sich selbst präsentierte. Und bislang, das ist neben all den atemberaubenden Dribblings und Haken wohl die größte Leistung Comans, hat er mit seinen Worten Schritt gehalten.

"Kingsley Coman hat alles von einem Großen“, schwärmte "France Football“ über den flexiblen Offensivmann, der in 13 Pflichtspielen für die Bayern auf zwei Tore und sechs Vorlagen kommt. Weltmeister Robert Pirès verglich Coman sogar mit der Ikone Thierry Henry. "Er hat ein sehr großes Potenzial", sagt Nationaltrainer Didier Deschamps über den Neuling: "Er war bei Juventus Turin, nun spielt er bei Bayern München. Trotz der großen Konkurrenz spielt er." Zuletzt, in der Champions-League-Partie gegen den FC Arsenal, erhielt der Außenstürmer sogar den Vorzug vor Arjen Robben.

"Er hat es bis jetzt immer gut gemacht. Coman ist sehr wichtig für den FC Bayern", sagt Guardiola. Joachim Löw sagte vor dem Duell mit den Franzosen: "Coman zu kontrollieren, ist unheimlich schwer. Er kann mit seinem Tempo auf beiden Seiten vorbeigehen, das ist eine besondere Qualität."

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Klar, dass ein solcher Spieler auch für Deschamps interessant ist – gerade jetzt, im Vorfeld der EM im eigenen Land. Nach dem Rücktritt von Franck Ribéry und der unschönen Erpressungsposse um die suspendierten Stars Karim Benzema und Mathieu Valbuena kann Frankreichs Nationalteam Hoffnungsträger gut gebrauchen. Als solcher geht Coman, der neben Paul Pogba (Juventus) und Anthony Martial (Manchester United) eine neue Ära prägen könnte, definitiv durch. Zuletzt gab es sogar Lob aus prominentesten Kreisen. "Er ist ein guter Junge", sagte Bayern-Kollege Ribéry. Der überragende französische Spieler der vergangenen Jahre habe ihm zu der Nominierung gratuliert, verriet Coman.

Eine nette Geste unter Landsmännern – doch ganz ohne Brisanz ist das Verhältnis der beiden natürlich nicht. Schließlich gilt Coman als möglicher Nachfolger Ribérys, sowohl im Nationalteam als auch bei den Bayern. "Keine Sorge, ich bin bald wieder der Alte", kündigte Ribéry im "Kicker" an. Der 32-Jährige will in "zwei bis drei Wochen" ins Mannschaftstraining zurückkehren und ließ zudem durchblicken, dass ihn die jüngsten Berichte über sein angeblich drohendes Karriereende und mögliche Thronfolger nerven: "Ich habe das registriert. Doch all die Sachen, die gesagt wurden, habe ich ignoriert. Das hat mir nur noch mehr Kraft gegeben, um stark wieder zurückzukommen."

Ribéry wird nach der "schwersten Zeit meiner Karriere" besonders motiviert wiederkehren. Um dann mit Coman um Einsatzzeit zu kämpfen. Dass der Jüngere dem Älteren freiwillig das Feld überlässt, ist eher nicht zu erwarten. "Es gibt nicht viele Spieler mit meinem Profil", sagt Coman. Das Selbstvertrauen für ein Duell mit Ribéry hat er schon jetzt im Überfluss.

 

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