Neuzugang Serge Gnabry überzeugt bislang in der Vorbereitung des FC Bayern in den USA. Trainer Niko Kovac schwärmt von ihm: "Er ist ein toller Spieler."

München/Miami - Warum Serge Gnabry die USA so mag? Klare Sache: "Das Wetter ist meistens gut hier", erklärt der Neuzugang des FC Bayern und lächelt. "Da kann man nix sagen."

Gnabry schaut aus dem Panorama-Fenster im Mannschaftshotel in Miami auf die Bucht, gleich wird die Sonne untergehen. "Es ist dieser Vibe, dieses Chillige, das gefällt mir. Ein ganz entspannter Alltag, vielleicht im Gegensatz zu dem, was man in Deutschland hat."

Es passt, dass der 23-Jährige zum Medientermin ein modisches Accessoire ausgewählt hat, das die Leichtigkeit dieser Stadt symbolisiert. Gnabry trägt einen silbernen Ohrring, es ist eine Feder. Eine besondere Bedeutung habe die nicht, sagt er, "einfach so". Aber dass dieser Typ ein Freiheitsliebender ist, kann er gar nicht verbergen.

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"Er ist einer, der erstmal reinfinden muss", hatte Bayern-Trainer Niko Kovac jüngst über Gnabry gesagt. Das war vor allem auf dessen körperlichen Zustand bezogen. Gnabry hatte im April einen Muskelbündelriss im Adduktorenbereich erlitten, die WM war dahin. "Wir müssen das dosieren, dürfen nicht overpacen, damit er nicht wieder in eine Verletzung reinfällt", sagte Kovac. "Wir haben schon das Ziel, dass er zum Ende der Vorbereitung topfit ist, damit er konkurrenzfähig ist wie die anderen auch." (Lesen Sie hier: Das schaut sich Gnabry bei Kollege Robben ab)

Das mit dem Reinfinden geht bei Gnabry offenbar schneller. Die Kollegen haben ihn gut aufgenommen, "ich fühle mich wohl in München", sagt er. Im Test gegen Juventus Turin (0:2) spielte der Außenstürmer eine gute erste Halbzeit, deutete seine Dribbelstärke immer wieder an. "Er ist ein Spieler, der auf beiden Flügelpositionen spielen kann, der die Schnelligkeit hat und die Technik", erklärte Kovac. "Das braucht der heutige Fußball."

Kovac über Gnabry: "Er ist ein toller Spieler"

Gnabry selbst sieht sich "als Linksaußen oder auf der Zehn" am stärksten, wie er auf AZ-Nachfrage mitteilte. Gegen Juve spielte er Rechtsaußen. Flexibel muss man sein. Schon in dieser Saison soll Gnabry Franck Ribéry (35) und Arjen Robben (34) herausfordern. Kovac ist bereits nach wenigen Wochen von seinem Angreifer angetan, er war es vorher schon, als Gnabry mit Ex-Klub Hoffenheim in den Spielen gegen Eintracht Frankfurt überzeugte.

"Einmal hat er uns einen eingeschenkt, einmal hat er einen aufgelegt. Von daher weiß ich, was er kann", erinnerte sich Kovac: "Er ist ein toller Spieler. Kompliment, dass der FC Bayern ihn hat."

Gnabry, der sensible Instinktfußballer, braucht diese Anerkennung. Denn es gibt auch den anderen Gnabry, den, der zweifelt, der hadert. Der nicht so entspannt im Basketball-Shirt durch Los Angeles läuft wie in diesem Sommer. Schon mit 16 Jahren wechselte Gnabry aus der Jugend des VfB Stuttgart zum FC Arsenal, mit 17 gab der Hochbegabte sein Debüt in der Premier League – ehe der Absturz folgte, auch aufgrund einiger Verletzungen.

Bekommt Gnabry sein Phlegma in den Griff?

Gnabry war vom Wunder- zum Sorgenkind geworden. Erst mit dem Wechsel zu Werder Bremen 2016 gelang es Gnabry, den Trend umzukehren. Zuvor hatte er sich bei den Olympischen Spielen in Rio den Titel des besten Torschützen gesichert.

Welchen Gnabry die Bayern zu sehen bekommen? Es ist eine der spannendsten Fragen dieser Vorbereitung und der gesamten Saison. "Natürlich bin ich bereit, sonst wäre ich nicht hier", sagte Gnabry bei seiner Vorstellung in München. Es sei sein Ziel, "so viele Titel zu holen, wie es geht".

Ambitioniert. Und auch die Aussagen von Kovac und Sportdirektor Hasan Salihamidzic, die Gnabry als Zukunftsversprechen für die deutsche Nationalmannschaft sehen, schüren die Erwartungen. Bei Ex-Klub Hoffenheim erzählt man sich, dass Gnabry im Training bisweilen phlegmatisch auftrat, offenbar aus Angst vor weiteren Verletzungen.

Das kann er sich bei Bayern nicht erlauben. "Manchmal braucht er einen Tritt in den Hintern", sagt TSG-Coach Julian Nagelsmann. Nicht immer kann es so entspannt sein wie in Miami.

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