Neugründung "Rat der Religionen": Gemeinsam durch gefährliche Zeiten

Münchner Religionsgruppen haben schon öfter zusammengearbeitet, zum Beispiel bei der Lichterketteim vorigen Jahr. Nun wollen sie im "Rat der Religionen" zusammenarbeiten. Foto: dpa

Christen, Juden, Muslime, Aleviten und Buddhisten: Am Mittwoch gründet sich der Münchner „Rat der Religionen“.

München Nach dem Vorbild anderer Städte wird es ab Mittwochabend auch in München einen Rat der Religionen geben. Christen, Juden, Muslime, Aleviten und Buddhisten wollen ein entsprechendes Gremium gründen, um ein Zeichen zu setzen für Frieden und gutes Zusammenleben.

Der Rat versteht sich als interreligiöse Plattform für Gespräche und Diskussionen – es sind zum Beispiel Foren geplant, etwa zum Thema „Religion und Zivilgesellschaft“, außerdem multireligiöse Gebete, wie sie in München bereits mehrmals stattfanden, erklärt Christoph Kappes, Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats München. „Allen gemeinsam ist das Grundanliegen, das wechselseitige Verständnis zwischen den Religionen zu fördern und im Dialog zu bleiben für ein friedliches Miteinander.“

Die Mitglieder wollen außerdem gemeinsame Erklärungen veröffentlichen zu aktuellen Ereignissen. „Wir sind in den vergangenen Jahren ja immer wieder zusammengekommen, wenn die Gesellschaft bedroht war von der extremistischen Seite aus“, sagt Imam und Rats-Gründungsmitglied Benjamin Idriz der AZ. Die Arbeit, die Münchner Religionsvertreter da geleistet hätten, wolle man so professionalisieren und institutionalisieren.

„Die Gesellschaft braucht eine Stimme der Vernunft“

„Wir leben in einer sehr gefährlichen Zeit, wo extremistische Tendenzen von allen Seiten kommen, die Menschen aufhetzen gegen andere“, sagt Idriz. „Da braucht die Gesellschaft eine Stimme der Vernunft, die für Toleranz und Respekt eintritt. Ein Gremium, das laut und offen sagt, dass wir gemeinsam friedlich zusammenleben wollen.“

Außerdem könne der Rat auch prophylaktisch arbeiten und Aufklärungsarbeit leisten: „Wir können zum Beispiel Publikationen herausgeben, in denen man andere Religionen kennenlernt. Bei Muslimen gibt es vielleicht Vorurteile gegenüber Christen, bei Christen vielleicht gegenüber Juden – da kann man schon viel tun.“

Ähnlich sieht es Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern: „Von all diesen Aktivitäten und Projekten erhoffen wir uns mehr echten und glaubhaften Dialog und Vermittlungserfolge“, erklärt sie dazu. „Gerade mit den muslimischen Verbänden und Organisationen ist das bisher ein unerfülltes Desiderat. Ferner sehne ich mich nach einer Ökumene im weiteren Sinne, in der die Juden als ältere Geschwister der Christen einen festen, unumstrittenen Platz haben.“

Ein Rat wie dieser ist ein Novum für Bayern

Die Gründungsveranstaltung wird eröffnet durch Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg als Vertreter der evangelisch-lutherischen und der katholischen Kirche. Sie werden Geschäftsführer des Rates. Im Sprecherrat arbeiten außerdem weitere sechs Repräsentanten verschiedener Religionen mit: Ergin Karakoc vertritt die Alevitische Gemeinde, Thomas Barth die Deutsche Buddhistische Union, Rabbiner Steven Langnas die Israelitische Kultusgemeinde, Abuna Deuscoros El Antony die koptisch-orthodoxe Kirche. Erzpriester Apostolos Malamoussis ist dabei für die Orthodoxe Pfarrkonferenz, Imam Benjamin Idriz für das Münchner Forum für Islam und Aykan Inan für den Muslimrat.

Einen solchen Rat der Religionen gibt es in Deutschland bereits in Ulm, Stuttgart und Frankfurt am Main, in einer bayerischen Großstadt allerdings noch nicht.

 

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