Neues Testverfahren So werden aus gebrauchten Batterien Akkus hergestellt

Ein neues Verfahren soll es ermöglichen, aus alten Autobatterien neue Haushaltsakkus herzustellen. Foto: gangnavigator – 246178906 / Shutterstock.com

Der amerikanische Batteriehersteller Energizer testet in einem neuen Verfahren die Herstellung von Akkus aus wiederverwerteten Batterien. Die Theorie verspricht einen umweltschonenden Recyclingprozess. Die Ergebnisse fallen in der Praxis aber eher ernüchternd aus. Dennoch ist der Vorstoß innovativ und richtig.

 

München - Weg von der Spritschleuder, hin zu Elektro- und Hybridmotoren: Der Trend auf dem Weltmarkt der Automobile ist klar erkennbar. Die Umwelt schonen bei nahezu gleicherbleibender Leistungsstärke, so heißt das – noch – utopische Motto der Stunde. Die technische Entwicklung garantiert aber schon jetzt immer höhere Reichweiten batteriebetriebener Autos. Ebenso nähert sich die Motorenstärke elektrischer Automobile immer weiter den Verbrennungsmotoren an. Zusätzlich sorgen staatliche Investitionen für einen ausgiebigen Netzausbau von Auto-Lade-Stationen. Mittlerweile wird der Wechsel zum Elektroauto bei einem Neukauf sogar staatlich subventioniert.

Die weltweit daher nicht überraschende steigende Zahl von Elektro- und Hybridautos auf den Straßen ist speziell für den Klima- und Umweltschutz ein Segen. Es darf bei allen positiven Nachrichten aber nicht vergessen werden, dass durch den Anstieg der alternativ betriebenen Fahrzeuge auch die Anzahl großer Batterien und Akkus steigt, die nach vollendetem Dienst umweltgerecht entsorgt werden müssen. Die umweltschonende Entsorgung gestaltet sich aber aufgrund von in den Batterien enthaltenden Stoffen wie Blei oder Quecksilber alles andere als einfach.

Der amerikanische Batteriehersteller Energizer verspricht der Problematik Abhilfe. Ein innovatives Verfahren nutzt alte, verbrauchte Akkubatterien, recycelt sie und produziert aus den Restbeständen neue leistungsstarke Haushaltsakkus. Diese sollen in den Varianten „AA“ und „AAA“, welche in nahezu allen gängigen elektronischen Haushaltsgeräten vorkommen, voraussichtlich ab Juli auf dem Markt erhältlich sein.

Geheime Produktionsmethode mit mäßigen Ergebnissen

Die bisherigen Resultate des Recycling-Verfahrens liefern derzeit allerdings nur mäßige Ergebnisse, was die ökologische Komponente anbelangt. Denn die neuen Haushaltsakkus mit dem Titel „Energizer Accu Recharge" bestehen bisher nur aus vier Prozent recyceltem Material. Ebenfalls ist die Auswahl der Batterien und Akkus, die recycelt werden können, noch sehr gering. Lediglich gebrauchte Batterien von Hybridautos lassen sich mit dem Verfahren ausschlachten.

Wie in einem Test von akkuline.de festgestellt, sind die haushaltsüblichen kleineren Batterien aus Kameras oder Werkzeugen, ebenso wie andere größere Akku-Modelle, bisher nicht als Ausgangsmaterial geeignet. Dasselbe Schicksal teilen auch die neuentstandenen Haushaltsakkus nach ihrem Verbrauch. Sie sind ebenfalls nicht wiederverwertbar. Grund zur Freude ist aufgrund des innovativen Entwicklungsschrittes also erlaubt, Euphorie eher noch nicht.

Das Recycling-Verfahren wurde von firmeninternen Wissenschaftlern des Energiekonzerns in Zusammenarbeit mit externen Partnern entwickelt. Den exakten Ablauf des Prozesses will das Unternehmen nicht preisgeben, da die Entwicklungschancen des Projektes riesig und noch längst nicht vollständig ausgeschöpft sind. Die einzige Information über das Verfahren, die veröffentlicht wurde, ist die Filterung der Autobatterien bis zu einem Punkt, an dem nur noch ein leistungsfähiger und für den Akku verwertbarer Teil übrig bleibt.

Bekannt ist ebenfalls, dass am Ende des Prozesses zwei Akku-Varianten aus den recycelten Akkus hergestellt werden können. Diese unterscheiden sich hauptsächlich in der Leistungsstärke. Laut Hersteller könnten die neuen Haushaltsakkus mehrere hundert Male wiederaufgeladen werden. Bereits im vergangenen Jahr wurde eine Batterie von Energizer präsentiert, die ebenfalls aus vier Prozent recyceltem Material besteht. In Zukunft soll laut dem Wirtschaftsgiganten jedes produzierte Produkt zu einem gewissen Teil aus recycelten Material bestehen. Der Prozentsatz des wiederverwerteten Anteiles soll sich dabei zukunftsorientiert und mit neuen Innovationen auf über vier Prozent erhöhen.

Infografik: Gebrauchte Autobatterien zum Wohle der Umwelt wiederverwerten – ein innovatives aber bisher mäßig erfolgreiches Projekt. Infografikquelle: abendzeitung-muenchen.de

Die wichtigsten Fakten zu Haushaltsbatterien

Der vollständigen Ablösung der bekannten Haushaltsbatterien steht dennoch ein weiter Weg bevor. Das liegt unter anderem an der teilweise erheblichen Leistungsdichte der Batterien sowie an deren vielfältigen Einsatzbereichen.

Anwendungsbeispiele der unterschiedlichen Batterietypen:

Bezeichnung Leistung und Beschreibung Anwendungsgebiete
Zink-Kohle Batterien (ZnC) Besitzen eine geringe Leistung und kommen kaum mehr zum Einsatz. Verschwinden vom Markt. Geräte, die einen geringen Leistungsanspruch besitzen, wie zum Beispiel Taschenlampen oder Wanduhren.
Alkaline-Batterien (Zn-MnO²) Haben die Zink-Kohle-Batterien abgelöst und dominieren den Markt. Besitzen eine hohe Leistung und sind langlebig. Unterschiedliche Modelle, je nach Einsatzgebiet. Häufigste Einsatzbereiche sind Radios, Kameras, Fernbedienungen, MP3-Player, Spielzeug usw.
Silberoxid-Batterien (Ag²O) Ermöglichen eine lange, konstante Spannung und sind äußerst langlebig. Werden nur als Knopfzellen hergestellt. Am häufigsten in Armbanduhren vorzufinden.
Zink-Luft-Batterien (ZnLuft) Besitzen eine außergewöhnlich hohe Energiedichte, allerdings ebenfalls eine deutlich begrenzte Gebrauchsdauer. Reagieren durch das Abziehen einer Schutzfolie mit der Luft und werden so aktiviert.  Einsatzbereich liegt überwiegend in Hörgeräten.
Lithium-Batterien (LiMnO²)  Verfügen über eine enorm ausgedehnte Lagerfähigkeit. Die Spannung der Zelle bleibt dabei über einen langen Zeitraum konstant. Werden meistens an Stellen eingesetzt, an denen eine sehr unregelmäßige, aber wichtige Funktion gebraucht wird, wie zum Beispiel in Autoschlüsseln, Steuerungen oder Mainboards

Entsorgung

Altbatterien müssen fachgerecht und dürfen nicht im Hausmüll entsorgt werden, da sie zum einen wertvolle Rohstoffe und zum anderen toxische Stoffe wie zum Beispiel Blei oder Quecksilber enthalten, die nachhaltig schädigend auf die Umwelt wirken. Verbraucher sind gesetzlich verpflichtet, Batterien zu einer geeigneten Sammelstelle zu bringen. Diese befinden sich in der Regel überall dort, wo Akkus und Batterien verkauft werden.

Benutzertipp bei Alkaline-Batterien

Werden Alkaline-Batterien enorm belastet, zum Beispiel durch ein leistungsstarkes Spielzeug, kann es vorkommen, dass der Innenwiderstand der Batterie ansteigt und es zu keiner weiteren Speisung von Leistung kommt. In den seltensten Fällen ist die Batterie aber vollständig entleert. Lassen Sie die Batterie ein paar Stunden ruhen. Meistens lässt sich nun die Batterie in Geräten mit geringer Belastung, wie zum Beispiel Wanduhren, über mehrere Monate weiterverwenden.

 

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