Neues Projekt für einen Konzertsaal Wird die Paketposthalle am Hirschgarten zum Musikzentrum?

Die Köpfe hinter „Resonanz“: Konstantin Wettig, Mathias Niemeier, Andrea Gebhard, Joachim Jürke und Josef Nachmann (v.l.). Foto: RBR

Eine Gruppe privater Investoren möchte die Paketposthalle am Hirschgarten zu einer Musikstadt umbauen

 

Die Suche nach dem Standort für einen neuen Konzertsaal lief in den vergangenen zehn Jahren ungefähr so: Jemand sieht eine leerstehende Halle oder eine Freifläche. Ein Architekt liefert spektakuläre Skizzen. Die Idee löst kurzfristige Begeisterung aus und erlischt anschließend wie jede von Zeitungspapier genährte Flamme.

Ob das auch beim gestern vorgestellten Projekt „Die Resonanz“ der Fall ist, lässt sich schwer vorhersagen. Die Idee hat durchaus Charme, der Teufel aber liegt im Detail.

Eine Gruppe kulturbegeisterter Münchner möchte die ehemalige Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke zu einem Musikzentrum mit einem oder auch mehreren Konzertsälen umbauen. Und zwar nach dem bei der Politik beliebten Prinzip einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Wegen der Privatisierung von Gewinnen und der Vergesellschaftung von Verlusten sind solche Projekte umstritten.

Ein sinnvoller Standort

Die Zusammenarbeit zwischen den Investoren und dem Staat könnte so aussehen: Die Post möchte das derzeit in der Halle untergebrachte Briefverteilzentrum verlagern und das Gelände verkaufen. Die Gespräche darüber sollen kurz vor dem erfolgreichen Abschluss stehen. Die Investoren erwerben das Grundstück und bauen das Musikzentrum. Der Staat schließt mit der Betreibergesellschaft einen Pachtvertrag mit 50-jähriger Laufzeit für die Konzertsäle ab.

Für den Standort spricht die Verkehrsanbindung an die S-Bahn-Stammstrecke nahe dem Bahnhof Hirschgarten. Sie ist ideal. In der Umgebung wäre Platz für ein umfassenderes Kultur- und Musikzentrum.

Wenn bis Herbst eine politische Entscheidung gefällt würde, könnte der Konzertsaal bis 2020 stehen, beteuern die Investoren. Dann hätten auch die städtischen Philharmoniker und die internationalen Gastorchester ein angemessenes Ersatzquartier für die Zeit des Umbaus der Philharmonie.

Die Stadt hat bisher nicht erklärt, wie das Musikleben Münchens in den zwei, drei oder mehr Jahren ohne Philharmonie funktionieren soll. Das ist eine Chance für private Investoren. Aber auch Verlockung zum Abgreifen öffentlicher Gelder.
Hinter „Die Resonanz“ stecken der Bauunternehmer Mathias Niemeier, die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, der Architekt Joachim Jürke, der Immobilienexperte Konstantin Wettig und der Rechtsanwalt Josef Nachmann. Sie haben mit Architekten wie David Chipperfield, Rem Kohlhaas oder Helmut Jahn gesprochen, die den Umbau der Paketposthalle planen könnten.

Offene Fragen

Aber ist das wirklich realistisch? Zu viele Fragen blieben bei einem Pressetermin am Dienstag offen. Offizielle Vertreter des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, das seit Jahren den Neubau eines Konzertsaals fordert, waren nicht anwesend. Auch der Verein „Konzertsaal München“ fehlte. Die Frage, ob für dieses Projekt ein internationaler Architektenwettbewerb nötig sei, sorgte für Ratlosigkeit. Das wirkte beim besten Willen ein wenig wolkig.

Es scheint auch, als habe die „Resonanz“-Gruppe mit keinem Orchester eingehendere Gespräche geführt. Dem konkurrierenden Projekt eines Konzertsaals im Werksviertel hinter dem Ostbahnhof wird wegen des bereits vorliegenden Baurechts von Insidern erheblich mehr Bodenhaftung zugesprochen.

Der Bayerische Rundfunk kommentiert das Projekt ebenfalls nicht. Der Ball liegt ohnehin beim Freistaat, der einen möglichen Neubau am Olympiagelände auf seine Machbarkeit prüft. Vertreter der „Resonanz“ deuteten an, dass es bei diesem Projekt unerwartete Schwierigkeiten gebe. Noch im Juli soll die Arbeitsgruppe zu einem Ergebnis gelangen. Dann müsste endlich ein Kabinettsbeschluss folgen. Und immer noch fehlt ein klares Wort des Ministerpräsidenten Seehofer, dass er den Konzertsaal wirklich will.

 

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