Neues Jahr, neue Gesichter Diese Münchner werden 2017 wichtig

Daniel Hahn, Sophia Flörsch und Helena Schoeller: Nur drei Münchner, die 2017 wichtig werden. Foto: dpa/instagram/min

Schnelle Frauen, souveräne Vorleser, ein adoptiertes Schiff: Auf wen Sie 2017 achten sollten. Die AZ verrät Ihnen, welche Namen man sich unbedingt merken sollte.

München - Natürlich können wir nicht in die Zukunft sehen. Und natürlich wird es nie eine vollständige Liste geben von all den Menschen, die München formen, inspirieren, ein Gesicht geben.

Aber ein paar Personen sind uns aufgefallen, weil sie 2016 Anlauf genommen haben für große Dinge, die da noch kommen mögen – Menschen aus Kultur, Sport, Gastronomie und öffentlichem Leben. Einige von ihnen sind jung (manche sogar sehr), andere schon eine ganze Weile dabei. Es eint sie, dass 2017 ihr Jahr werden könnte.

Haben Sie auch Vorschläge, wer heuer groß wird? Dann schreiben Sie: Abendzeitung, "Münchner 2017", Garmischer Str. 35, 81373 München oder lokales@az-muenchen.de.

Helena Schoeller


Helena Schoeller    Foto: Instagram

Noch kein Jahr ist Helena Schoeller wieder zurück in Deutschland aus Argentinien, wo sie am Auftritt in den Sozialen Medien und Marketing des La Tarde Polo Club gearbeitet (und Polo gespielt) hat, da startet sie mit ihrer eigenen Agentur „So Me“ durch.

Die Agentur, die Schoeller (26) gemeinsam mit Gloria von Bronewski führt, residiert immerhin in der Maximilianstraße, hilft großen Firmen, Modeblogs und Promis bei deren Social-Media-Auftritt. Das liegt wohl auch an der Sozialisierung: Die Mama ist Andrea Schoeller – wer in München ein Fest mit prominenten Gästen feiern will, kommt an ihr schwer vorbei. Die ältere Tochter Milana ist schon ihren eigenen Weg gegangen – und Helena macht’s jetzt genauso.   

Sophia Flörsch


Foto: Toby Seifinger

In manchen Bereichen ist es noch relativ leicht, Rekorde zu brechen und Superlative zu kreieren – zum Beispiel als Frau im Motorsport. Das macht die Erfolge von Sophia Flörsch aber natürlich nicht weniger relevant und interessant: Die 16-Jährige Grünwalderin drehte 2005 die ersten Runden im Kart und gewann schon 2008 die SAKC Meisterschaft – als jüngster Pilot und erstes Mädchen.

Dasselbe Spiel 2010 bei der Easykart-EM: Jüngste, Erste. In diesem Jahr wechselte sie in die Formel 4 – und wurde im ersten Rennen in Oschersleben Neunte. Damit ist Sophia Flörsch die erste Frau, die Punkte in der deutschen Formel-4-Meisterschaft geholt hat.

Ab heuer startet sie in der Formel 3 – der „Schule der Grand-Prix-Stars“. Auch da gibt es noch Superlative zu holen.

Chiara Grabmayr


Regisseurin Chiara Grabmayr  Foto:dpa

Eine gebürtige Münchnerin ist sie nicht, sondern stammt aus Wien – aber macht ja überhaupt nichts, wir verleiben sie einfach ganz großzügig ein: Chiara Grabmayr studiert seit 2011 an der HFF München „Regie für Kino und Fernsehfilm“.
2016 ist währenddessen unter anderem die vielbeachtete und ausgezeichnete Webserie „Fett und Fett“ entstanden – eine Serie über Münchner der sogenannten Generation Y, der Kinder der 80er und 90er, die technikaffin aufgewachsen und vor allem auf der Sinnsuche sind.

Außerdem stammt von ihr der Kurzfilm „Moonjourney“, dessen Helden ein Vater und seine kleine Tochter sind, auf der Flucht vor dem Krieg, und er lässt das Kind im Glauben, sie reisten zum Mond. Grabmayr wurde dafür mit dem „First Steps Award“ ausgezeichnet – und wir sind gespannt auf weitere Projekte von ihr!

Julius Althoetmar


Junger Poet: Julius Althoetmar Foto: Lolo Logie

Über eine Zugfahrt mit den Knien auf Ohrenhöhe liest Julius Althoetmar oder (gereimt) über einen Elch mit Hybris – und das so souverän, dass man beim Zuhören gern einige Dinge vergisst.

Zum Beispiel, dass er gerade erst 16 Jahre alt geworden ist. Oder dass er erst 2015 angefangen hat, sich auf die Poerty-Slam-Bühnen dieser Welt zu stellen und eigene Texte vorzutragen. 2016 wurde der Gymnasiast damit dann richtig erfolreich: Vier Mal hat er allein die Kiezmeisterschaft im Stragula im Westend gewonnen, dazu neun weitere Slams wie „Bless the Mic“, den Schauburg-Slam und im Team das Städte-Battle.

Im Frühjahr tritt er bei den Bayerischen Meisterschaften im Poetry Slam an – als Zweitjüngster der U20-Kategorie. Hören und sehen kann man ihn dabei am 31. März im Literaturhaus – oder bei einem der anderen zahlreichen Slams, von denen er sicherlich noch einige gewinnt.

Daniel Hahn


„Bahnwärter Thiel“-Organisator und Wannda-Chef Daniel Hahn.    Foto: min

Zirkusdirektor Daniel Hahn (26) und sein Verein Wannda sind mit ihrem Märchenbazar und seinen Wunderbuden und Zauberzelten voll Seifenblasen heuer das letzte Mal auf dem Viehhof. Der alternative Weihnachtsmarkt weicht dem Neubau fürs Volkstheater.

Bis Mai darf Wannda mit seinem Schienenbus von 1952, in dem Konzerte, Lesungen und Partys stattfinden, noch auf dem Viehhof-Gelände bleiben. „Dann ziehen wir wahrscheinlich wieder vor die Hochschule für Film und Fernsehen“ sagt Hahn. Und weitere Pläne für 2017 hat der Kulturverein reichlich: „Wir adoptieren ein Schiff“, kündigt Hahn an. Bei der Partyreihe „Wilde 13“ im Bahnwärter Thiel sind’s die Wannda-Besucher gewohnt, um ein kleines Boot zu tanzen. Aber das adoptierte Schiff soll viel größer sein – damit die Partys drinnen steigen können.

Freilich sind Wannda mit ihren 25 See-Containern immer auf der Suche nach einem Stellplatz, auf dem sie langfristig bleiben können. „Es laufen Gespräche, aber in München gibt es nicht mehr viele freie Flächen“, sagt Hahn. Er wird sich aber ziemlich sicher wieder was einfallen lassen.

Katharina Schulze


Grünen-Politikerin Katharina Schulze Foto:dpa

Mit Mitte 20 Münchner Grünen-Chefin und Gesicht der Bürgerbegehren gegen Olympia und dritte Startbahn, mit Ende 20 eine der engagiertesten Landtagsabgeordneten: Katharina Schulzes Karriere ging sehr schnell weit nach oben. Wie es aussieht, wird sie am 15. Februar zur neuen Landtags-Fraktionssprecherin gewählt. „Das würde mich interessieren“, sagt Schulze, immer noch gerade mal 31 Jahre alt, ungewohnt zurückhaltend. Die Frau weiß, was sie will – hat sich aber auch Respekt erarbeitet, weil sie sich nicht um alte grüne Feindbilder schert, etwa um Verständnis für die Polizei wirbt. Schulzes Karriere, sie ist noch lange nicht zu Ende.

Ingo Wortmann


MVG-Chef Ingo Wortmann. Foto: Petra Schramek

Er gilt als ein etwas ruhigerer Zeitgenosse als sein umtriebiger Vorgänger Herbert König, der 24 Jahre lang an der Spitze der MVG stand. Doch ein bisschen innere Ruhe kann nicht schaden, beim großen Projekt Münchner Nahverkehr. Dichtere Bustaktung, eine U-Bahn mehr für München, die Tram-Westtangente – damit das hiesige Netz nicht bald völlig platzt, muss viel angegangen werden.

Vor allem bei Letzterem Projekt ist vom neuen MVG-Chef Herzblut zu erwarten: In Ulm, wo der studierte Bautechniker zuvor an der Spitze des Nahverkehrs stand, hat er eine neue Tramlinie angestoßen, die mehr als 100 Millionen Euro kosten wird. Seine Karriere begonnen hat der 46-Jährige übrigens in Dresden.

Rumgekommen ist er also.

 

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