Neues Forschungsergebnis Wie die Pest im Mittelalter wirklich ausgelöst wurde

Anders als bisher angenommen wurde die Pest bei der großen Pest-Welle im 14. Jahrhundert nicht durch Ratten, sondern durch Menschenflöhe übertragen. Das fand eine norwegische Forschergruppe der Universität Oslo kürzlich heraus. Foto: Robert-Koch-Instit/dpa

Ein Drittel der europäischen Bevölkerung fiel im 14. Jahrhundert der Pest zum Opfer. Bis vor kurzem galten Ratten als Verursacher dieser Epidemie. Dabei handelt es sich laut einer norwegischen Forschergruppe jedoch um einen Irrtum.

Oslo - Etwa 50 Millionen Tote forderte die Pest nach Schätzungen der WHO bis heute. Und die Seuche ist nach wie vor nicht besiegt: In Madagaskar brach im September vergangenen Jahres die Lungen- und Beulenpest erneut aus. Die mit Abstand meisten Menschenleben fielen der Pest jedoch im 14. Jahrhundert zum Opfer. Während der als "Schwarzer Tod" bezeichneten Pandemie starben 25 Millionen Menschen und damit etwa ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung. Lange Zeit galten Ratten und Rattenflöhe als Auslöser der schweren Epidemie.

Eine Forschergruppe um die norwegische Wissenschaftlerin Katharine Dean bewies nun jedoch, dass es sich bei dieser weit verbreiteten Annahme um einen Irrtum handelt. Wie FOCUS online berichtet, erforschten die Wissenschaftler den Verlauf des Pestausbruchs im 14. Jahrhundert und stießen dabei auf einige Besonderheiten.

Die Pest unterscheidet sich von anderen Epidemien

Denn der "Schwarze Tod" unterscheidet sich von späteren Seuchenausbrüchen wie zum Beispiel im 19. Jahrhundert in China oder derzeit in Madagaskar. Bei der Pestwelle im Mittelalter stiegen die Erkrankungszahlen wesentlich schneller an und vor allem innerhalb der Haushalte war die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung sehr groß. 

Eine Erklärung dafür, warum die Pestwelle im 14. Jahrhundert anders verlief als spätere Ausbrüche, lieferten die Forscher ebenfalls: Die Ursache der mittelalterlichen Epidemie waren nicht, wie bisher angenommen, Ratten, sondern Menschenflöhe. Diese waren damals in Scharen vorhanden und verbreiteten sich wegen fehlender Hygiene und engem Wohnraum in rasanter Geschwindigkeit. Und genauso schnell wie die Menschenflöhe sich ausbreiteten, wurde auch die Pest von Mensch zu Mensch übertragen. 

Ganz unschuldig sind Ratten und Rattenflöhe allerdings auch nicht. Denn spätere Ausbrüche der Pest wurden tatsächlich von den Nagern und ihren Flöhen übertragen. Und auch für die aktuelle Epidemie in Madagaskar sind Ratten verantwortlich. 

 

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