Neues Album "7" Paul Kalkbrenner: "Ickarus" im siebten Himmel

Paul Kalkbrenner geht mit seinem siebten Album an den Start - passenderweise heißt es "7". Foto: Berlin Control

Ein bisschen schön, ein bisschen simpel: Das siebte Album des Techno-Künstlers Paul Kalkbrenner soll die Welt erobern. Alte Klassiker wie "White Rabbit" und gepfiffene Melodien erweitern den sphärischen Wohlfühl-Techno um ein paar Nuancen.

 

Den Geist aus der Vergangenheit wird Paul Kalkbrenner wohl nicht mehr los: Ickarus, der Techno-DJ, den er im Film "Berlin Calling" so herrlich unverkrampft verkörperte. Während Schauspieler meistens genervt davon sind, immer auf diese eine Rolle reduziert zu werden, dürfte Paul Kalkbrenner der Ickarus-Figur zumindest musikalisch nahe stehen - schließlich hatte er damals auch den Soundtrack zu "Berlin Calling" komponiert.

Der Film ist nun schon sieben Jahre alt, der Soundtrack hätte aber auch mit "7" funktioniert. Kalkbrenner bleibt Kalkbrenner, da klingt die Musik genauso standhaft wie die Bilder auf den Filmstreifen aussehen. Und so hat man beim Hören auch immer sofort das sympathische Bild von Ickarus vor Augen, oder eben Paule, der den Bass abfeiert, den er gerade in den Track gehauen hat. Siehe Cover.

Die Eckpfeiler von Kalkbrenners Musik bleiben also auch auf dem siebten Werk standhaft Melancholie und Zärtlichkeit. Eine Verbindung, die in Technoland noch immer wunderbar funktioniert. Schwermütige Sphären und fröhliche Traurigkeit sind eben Gefühle, die wohl nur Musik transportieren kann - und Kalkbrenner ist ein Meister darin. Dass das eine breite Masse anspricht und mitunter etwas simpel daher kommt, war noch nie Paules Problem. Im Gegenteil, ist er sogar stolz darauf, dass seine Songs eigentlich immer passen: "Die funktioniert im Club, beim Autofahren, bei verregneten Montagen." Oder beim Putzen. Oder am See. Oder...

Manchmal klingt das nach astreinem Clubfeeling, manchmal aber auch nur nach dem Fahrstuhl, der einen zur Rooftop-Party fährt. Manchmal möchte man dazu selbst die Augen schließen und die angewinkelten Fäuste tanzen lassen. Und einmal schießt Kalkbrenner auch übers Ziel hinaus - wenn er den weltberühmten Jefferson-Airplane-Song "White Rabbit" als Sample verwendet und dabei leider gar kein Feingefühl für Harmonie beweist.

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Der Soundtrack für jede Lebenslage soll nun auch in Amerika einschlagen, ein Markt den Kalkbrenner bisher noch nicht erschlossen hat. Man darf davon ausgehen, dass das mit dem Berlin-Image im Rücken und dem Gefühl auf der Zunge gut geht. Jedenfalls dürfte es Kalkbrenner besser ergehen als Florian, dem Protagonisten, der im Video zur ersten Single "Cloud Rider" - das wie eine Kopie von seinem größten Hit "Sky And Sand" klingt - durch eine amerikanische Kleinstadt läuft und erfolglos versucht, den Leuten seine Kopfhörer und Lebensfreude aufzudrücken.

 

 

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