Neuer Trainer, neues System Jared Cunningham: Deutsche Meisterschaft im Kopf, die NBA im Sinn

Pokalsieger mit dem FC Bayern ist er schon: Jared Cunningham. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Jared Cunningham startet mit den Basketballern des FC Bayern in die heiße Saisonphase. "Neuer Trainer, neues System - ich bin diese ständigen Wechsel ja längst gewöhnt", sagt er. Sein Traum bleibt die USA.

 

München - Eine lange Nacht hat Jared Cunningham hinter sich. In seiner Heimat haben die Playoffs begonnen, und so sitzt der 26-Jährige nun oft bis tief in die Nacht vor der Glotze und schaut, was seine Kumpels LeBron James und Tristan Thompson von den Cleveland Cavaliers so anstellen in der besten Basketballliga der Welt.

Dort war auch Cunningham aktiv, immerhin 84 Spiele: mit Dirk Nowitzki in Dallas, mit Dennis Schröder bei den Atlanta Hawks, mit LeBron James und Kyrie Irving in Cleveland, doch als sich die Cavs die Meister-Ringe abholten, gehörte Cunningham nicht mehr zum Kader, war in die D-League zu Idaho Stampede weitergereicht worden. Natürlich will Cunningham wieder da hin, wo er mal war. Aber solange das nicht geht, bleibt ihm nur der Fernseher - und die BBL.

Der Plan des Shooting Guards dürfte in etwa so aussehen: Mit dem FC Bayern so gut wie möglich werden, in der kommenden Saison Euroleague spielen, und diese internationalen Auftritte als Schaufenster nutzen, um sich auch in der NBA wieder ins Gespräch zu bringen. Auf dem Weg da hin warten am Sonntag (15 Uhr) die Eisbären Bremerhaven als Gegner im letzten Liga-Heimspiel vor den Playoffs.

Die Situation vor den entscheidenden Partien der Saison schätzt der Bayern-Topscorer so ein: "Es ist wie immer: Gegen Ende der Saison sind alle müde. Da heißt es einfach weiterkämpfen!" Als stärksten Kontrahenten sieht er Alba Berlin an: "Das waren immer schwere Spiele gegen Alba, und in den Playoffs wird es sicher nicht einfacher werden." Die unruhigen Wochen nach dem überraschenden Trainerwechsel haben ihn nicht weiter irritiert: "Neuer Trainer, neues System - ich bin diese ständigen Wechsel ja längst gewöhnt. Das ist normal für mich."

In China drücken sie dir den Ball in die Hand und sagen: Mach' Punkte!

Wohl wahr: Der FC Bayern ist für Cunningham bereits der zwölfte Klub innerhalb der letzten sechs Jahre. Als er im vergangenen Herbst an die Isar wechselte, "wusste ich überhaupt nichts über Deutschland", sagt der gebürtige Kalifornier. FC Bayern, Uli Hoeneß? Nie gehört. Mit Fußball hat er eh nicht viel am Hut. Sein Eindruck von der BBL ist allerdings ein sehr guter: "Starke Konkurrenz, starker Teamgedanke, ganz anders als in China: Da drücken sie dir einen Ball in die Hand und sagen: Mach' Punkte!" Für vier Monate hatte sich Cunningham in der lukrativen, aber sportlich mäßig fordernden chinesischen Liga bei einem Klub namens Jiangsu Monkey King verdingt.

Sein Punkteschnitt: 34. In einem Spiel gelangen ihm sogar 74 Punkte. Ansonsten war das Leben in der Vier-Millionen-Stadt Jiangsu nicht gerade die Erfüllung: "Ich habe kaum etwas Anständiges zu essen gefunden", klagt Cunningham. Immerhin bekam er dort das, was ihm in der NBA gefehlt hatte: richtig viel Einsatzzeit.

Die bekommt er auch in München, und auch außerhalb der Trainingshalle gefällt es dem Mann aus Oakland bei San Francisco: "Die Stadt ist cool. Ein bisschen kalt im Winter, aber jetzt mit der Sonne wird's besser." Das Sneaker-Sammeln - er besitzt über 1800 Paare - hat er erst mal eingestellt.

Dafür hat sein einjähriger Sohn Zayn schon die ersten Turnschuhe bekommen, erzählt er: "Aber wenn wir zuhause in L.A. sind, werde ich ihm richtig viele Sneaker kaufen." Ob Jared Cunningham auch in der kommenden Saison das rote Bayern-Dress tragen wird, hat er noch nicht entschieden. Aber welcher Basketballspieler würde nicht losrennen, wenn die NBA ruft?

 

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