Neuer Trainer Guardiola Die Pep-Analyse: "Er war nervös"

Pep Guardiola. Foto: Bongarts/Getty Images

Hier spricht der Experte: Was Pep Guardiola bei seiner Vorstellung beim FC Bayern nicht gesagt, aber kommuniziert hat.

 

München - Es schien, als würde Pep Guardiola noch während der ersten Fotoaufnahmen mit Uli Hoeneß, Karl-Heinz-Rummenigge und Matthias Sammer im Geiste immer noch die letzten Deutsch-Vokabeln wiederholen. Guardiola biss sich angespannt auf die Lippen, „er war nervös”, sagt Louis Lewitan, Münchner Diplom-Psychologe und Stress-Experte. Er hat den ersten Auftritt des neuen Bayern-Trainers für die AZ analysiert.

Die Fragen von Medienchef Markus Hörwick nahm Guardiola mit weit aufgerissenen Augen und fokussiertem Blick entgegen. „Das entspricht seiner Grundpersönlichkeit, er ist ein akribischer Mensch, ein klarer Denker”, sagt Lewitan – gerade weil Guardiola noch nicht perfekt Deutsch versteht, war es ihm sehr wichtig, so viel und genau wie möglich aufzufassen.

Als einziger in der Runde trug Guardiola die komplette Anzug-Garnitur. Rummenigge wählte die Variante ohne Krawatte, Guardiola trug sogar eine Weste. Hoeneß öffnete früh seine Jacket-Knöpfe, Guardiola gar nicht. „Damit strahlt er Disziplin aus, dass bei ihm die Dinge geregelt ablaufen”, sagt Lewitan.

Gerade in der ersten Hälfte seines ersten Pressegesprächs fasste sich Guardiola oft an die Nase, später ans Ohr. „Unbewusste Gesten, die eine gewisse Nervosität darstellen”, sagt Lewitan. „Ich würde sie aber nicht überbewerten.”

Denn im Laufe des Auftritts wurde Guardiola sichtlich entspannter. Während er bei seinen anfänglichen Sätzen noch sichtlich vor allem um Korrektheit bedacht war, „begann er später auch auf Deutsch zu Gestikulieren”, sagt Lewitan, „so wie er das bei seinen Antworten auf Spanisch tat. In seiner Muttersprache hat er Lebendigkeit ausgestrahlt.”

Auffallend oft hat Guardiola seine Demut gegenüber dem FC Bayern betont. „Er hat Bescheidenheit dargestellt”, sagt Lewitan. „Und gezeigt: Er wird sich auf Bayern einstellen. Dass beschert ihm eine hohe Sympathie. Zumal er gleich zu Beginn mit seinem ,Grüß Gott’ gleich ein bisschen Lokalkolorit hat einfließen lassen.”

Später im Gespräch gab Guardiola dann auch ganz freimütig zu, nervös zu sein. Das Eis brach vollends, als er Hörwicks Hilfe auf der Suche nach dem Wort „anders” in Anspruch nehmen musste – und merkte, dass ihm, dem Perfektionisten, das keiner übel nahm. „Er wirkte ehrlich und authentisch”, sagt Lewitan.

Vor allem aber zeigte Guardiola auf ganz subtile Weise, dass er es nun ist, der beim FC Bayern die Kontrolle hat: „Er hat immer in seinem Tempo gesprochen, sich nie aus der Ruhe bringen lassen, egal bei welcher Frage und auch wenn die Antwort nicht immer passgenau war”, sagt Lewitan.

Auch bei sprachlichen Engpässen ist er nie ins Spanische zurückgefallen: „Das zeigt letztendlich seine Gelassenheit. Er ist eine natürliche Respektsperson und hat großen Kredit.” 

 

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