Neuer Trainer des FC Bayern Pep Guardiola als Spieler: "Er war ein Spargeltarzan"

379 Spiele machte Pep Guardiola für den FC Barcelona. Sechsmal wurde er Meister, keiner bekam häufiger Rot. Warum er seinen Mitspielern suspekt vorkam – und wieso immer ein fader Beigeschmack bleibt. Teil drei der Pep-Serie.

 

Barcelona - BeIm Abschied ist es still. Als Pep Guardiola im Juni 2001 letztmals für den FC Barcelona spielt, geht er nach dem Duschen noch mal die paar Stufen zum Spielfeld hoch und schaut ins leere Stadion. Da sind keine Tränen. Da ist nur Dankbarkeit.

So beschreibt Guardiola die Ereignisse nach dem Pokal-Aus gegen Celta Vigo. Nach 379 Spielen für Barça war für ihn damals mit 31 Jahren Schluss, er hatte schlicht alles erreicht und wollte nun das Ausland kennenlernen.

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"Etwas schmächtig", sei er gewesen. Damals, als alles seinen Lauf nahm. 1990, als Barcelona-Trainer Johan Cruyff beschloss, einen hageren Typen von gerade mal 19 Lenzen zu seinem verlängerten Arm zu machen. "Ein Spargeltarzan war er", erinnert sich Hristo Stoichkov, die Barça-Legende.

Aber: "Er wollte spielen, immer nur spielen", sagt Stoichkov, der schnell merkt, dass Guardiola etwas Besonderes anhaftet. Zum einen, weil er ständig die Nase in Bücher hielt. Ein Spieler, der liest – das kam ihm suspekt vor.

Skeptisch sind sie, als Barcelona 1990 den zentralen Mittelfeldspieler Luis Milla verkauft. Doch Cruyffs Co-Trainer, Carles Rexach, sagt: "Macht Euch keine Sorgen! Wir haben einen, der ist noch besser."

Auf dem Platz ist der junge Pep der Prototyp für die Sergi Busquets und Javi Martínez’ von heute – Abfangjäger und Spielankurbler in einem. "Er hatte immer schon den Blick für den besonderen Ball", sagt Cruyff. "Körperlich war er nie der Stärkste", sagt Ex-Mitspieler Frank de Boer. "Er hat das mit Intelligenz wett gemacht."

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Pep, der bei Barça stets die Vier als Nummer trägt, kann auch rau: Achtmal Rot sammelt er, keiner hat in der Barca-Historie mehr. Nur eineinhalb Jahre nach seinem Profi-Debüt holt Guardiola den Landesmeister-Cup. "Geht raus und genießt es", hatte Cruyff gesagt.

Für Cruyff und die nachfolgenden Trainer ist Guardiola Ansprechpartner im Team. Er hört gerne zu, saugt auf, wie ein Schwamm. "Er sprach wie ein Trainer, damals schon", sagt Louis van Gaal. 2001 verlässt Guardiola Barça mit sechs Meistertiteln.

Seine Nationalmannschaftskarriere verläuft dagegen unspektakulär. "Wie Sand, der einem durch die Finger rinnt", sei ihm seine Karriere vorgekommen. 47-mal spielt er für Spanien, letztmals 2001.

Nach dem Abschied vom Camp Nou zieht es ihn nach Brescia in Italien. Guardiola ist oft verletzt. Im Herbst 2001 der Schock: Er wird nach den Ligaspielen gegen Piazenca und Lazio positiv auf Nandrolon getestet. Pep beteuert seine Unschuld: Sein Körper produziere viel Nandrolon, außerdem habe er Vitaminpräparate eingenommen.

Das Urteil wird revidiert, 50 000 Euro Strafe und vier Monate Sperre bleiben. Erst 2009 spricht ihn das oberste Anti-Doping-Gericht frei, erklärt die Analysen von 2001 für fehlerhaft. Ein Beigeschmack bleibt.

Seine Karriere will er 2004/05 in Katar ausklingen lassen. "Vor allem habe ich dort mein Golfspiel verbessert", sagt er später. Und doch schließt er sich 2005 noch mal einem anderen Verein an: den Dorados de Sinaloa – in Mexiko. Hier wird er den Grundstein für seine Trainerkarriere legen.

 

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