Neuer Mann in Stadtregierung CSU macht echten Öko zum Umweltreferenten

Als "große Ehre" empfand Markus Hollemann seine Kandidatur zum Umwelt- und Gesundheitsreferenten. Jetzt hat der ÖDP-Politiker hingeschmissen. Foto: Daniel von Loeper

Markus Hollemann ist Deutschlands einziger direkt gewählter ÖDP-Bürgermeister. Jetzt hat ihn ausgerechnet die CSU-Fraktion im Stadtrat zum Nachfolger von Joachim Lorenz gemacht.

München - Die CSU stellt seit fast einem Jahr die stärkste Fraktion im Münchner Rathaus – was bislang allerdings noch selten aufgefallen ist. Das liegt zum einen an Rot-Grün, dem längjährigen Bündnis, das sich in den Köpfen der Münchner irgendwie festgesetzt hat. Und zum anderen daran, dass die Zwänge in der Großen Koalition bislang verhindert haben, dass sich die CSU so richtig hätte profilieren können.

 

Am Montag allerdings hat sich nun eine echte Chance ergeben. Die CSU ist laut Kooperationsvertrag bevollmächtigt, für den Mitte des Jahres in Ruhestand gehenden Umweltreferenten Joachim Lorenz einen Nachfolger zu benennen. Dieser muss zwar morgen im Stadtrat noch offiziell gewählt werden – aber was will die SPD schon machen. Vertrag ist schließlich Vertrag.

Diese Gelegenheit hat die CSU voll auskostet und bereits gestern nach der Fraktionssitzung den neuen Referenten vorgestellt. Markus Hollemann soll es werden – was eine veritable Überraschung ist. Hollemann ist seines Zeichens schließlich ÖDP-Politiker, ein echter Öko also.

Man komme damit dem Wahlkampfversprechen nach, das Amt nicht nach Parteibuch zu besetzen, sondern den Besten auszuwählen, sagte Josef Schmid, der Zweite Bürgermeister. Hollemann habe die Fraktion durch seine umweltpolitischen Ziele und seine Vorstellungen von einer städtischen Gesundheitspolitik überzeugt.

Hollemann selbst beschreibt sich als „überzeugten Umweltschützer und zugleich pragmatischen Politiker“. Der 42-Jährige ist in München aufgewachsen und hier bei der Kommunalwahl vor sieben Jahren als Spitzenkandidat der ÖDP angetreten. Danach ist er ins badische Denzlingen abgewandert. Dort sitzt er seit 2009 als Deutschlands einziger direkt gewählter ÖDP-Bürgermeister im Rathaus.

In Denzlingen lässt Hollemann seine Mitarbeiter auf Elektro-Rollern durch den Ort fahren. Zudem hat er in der 13 000-Einwohner-Gemeinde drei Stromtankstellen installieren lassen. Angeblich kommen sogar Umweltfreunde aus dem nahen Freiburg extra nach Denzlingen, um dort saubere Energie zu tanken.

Hollemann freut sich auf den neuen Job in seiner alten Heimatstadt. Die Rückkehr sei „eine große Ehre“, sagt er. Somit können sich alle freuen: die ÖDP, Hollemann, die CSU – nur die Gemeinde Denzlingen nicht. Die muss demnächst wohl einen neuen Bürgermeister wählen.

 

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