Neuer Grünen-Chef im AZ-Interview Sylvio Bohr: "Die CSU ist kein Feindbild mehr"

Neues Führungs-Duo: Sylvio Bohr und Gudrun Lux. Foto: Andreas Gregor/ho

Der neue Grünen-Chef Sylvio Bohr spricht in der AZ über seine Pläne – und über Jamaika.

 

München - Die AZ hat mit Sylvio Bohr gesprochen: Der 36-Jährige ist neuer Vorsitzender der Münchner Grünen. Am Mittwoch wurde Bohr gewählt. Mit Gudrun Lux zusammen bildet er ab sofort die traditionelle Doppelspitze der Münchner Grünen.

AZ: Herr Bohr, haben Sie in letzter Zeit mal mit Sebastian Weisenburger gesprochen?
SYLVIO BOHR: Ja, das habe ich.

Ihr Vor-Vorgänger hat mal gesagt, als München-Chef der Grünen habe man den Terminkalender eines Managers zum Lohn eines Praktikanten. Warum tun Sie sich das an?
Ich bin seit 18 Jahren bei den Grünen aktiv. Ich bin mir bewusst, dass es hier um ein Amt mit viel Verantwortung und Arbeit geht. Aber es gibt eben viele Themen, die wir in den nächsten Jahren anpacken müssen.

Gefühlt gab es die letzten zehn Jahre einen ständigen Wechsel an der Grünen-Spitze. Wollen Sie Kontinuität reinbringen, langfristig Vorsitzender bleiben?
Klar ist Kontinuität gut. Übrigens war Beppo Brem immerhin knapp drei Jahre Vorsitzender und Katharina Schulze fünf Jahre. So kurz war das also auch nicht. Ich bin aber erstmal für eineinhalb Jahre gewählt und dann entscheidet die Basis neu.

A propos Basis. Für viele bayerische Grüne ist der Kampf gegen die CSU eine Lebensaufgabe. Jetzt wird in Berlin wohl bald zusammen koaliert.
Ich finde das spannend. Es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass wir die CSU jetzt an ihre Verantwortung für diesen Staat erinnern müssen. Wir sind jetzt in der Pflicht zu schauen, ob es zusammen geht.

Und: Optimistisch?
Ich gehe von schwierigen Gesprächen aus. Es ist kein Wunschkonzert und ökologische und soziale Themen sind uns sehr wichtig.

Taugt die CSU noch als Feindbild?
Ich kenne viele vernünftige CSU-Kommunalpolitiker und habe das Gefühl, dass das Feindbild CSU nicht mehr so funktioniert wie vielleicht vor 20 Jahren.

Der neue Münchner Grünen-Chef sagt also: Seppi Schmid statt Dieter Reiter?
Nein! Ich sage starke Grüne statt Dieter Reiter oder Seppi Schmid! Wir wollen eine starke eigenkräftige Kraft sein – und haben übrigens zu beiden große Differenzen!

Wirklich?
Ja! Denken Sie nur daran, dass die Rathaus-Koalition neue Tunnel für die große Lösung in der Verkehrspolitik hält.

Beenden Sie für uns den Satz: Mit Sylvio Bohr sind die Grünen in München nicht mehr nur die Wohlfühl-Partei der Besserverdienenden, weil...
Naja, das stimmt so eh nicht. Wir waren und sind immer viel mehr als das. Aber klar betone ich, dass wir auch zu Sozialem und zur Wohnungspolitik teils sehr gute Positionen haben und teils noch welche entwickeln werden. Übrigens schließen sich Ökologie und Soziales nicht aus.

Naja, Ihre Hochburgen sind in den rausgeputzten Vierteln.
Unsere Ergebnisse zum Beispiel am Hasenbergl sind ausbaufähig. Andererseits werden wir schon auch in sozial gemischten Vierteln gewählt. Und wir werden in der Wohnungspolitik noch mehr darauf drängen, dass Vorkaufsrechte konsequent wahrgenommen werden, dass DAX-Konzerne auch Werkswohnungen bauen, städtische Flächen nicht meistbietend verkauft werden. Natürlich ist die Wohnungsfrage entscheidend für die Zukunft dieser Stadt.

Was ist Ihre größte Aufgabe?
Jetzt geht es um den Bürgerentscheid zum Kohleausstieg – und wir wollen eine Fahrradoffensive starten. Zusammen mit anderen Parteien und NGOs denken wir über die Radpolitik der Zukunft in München nach. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die AfD auch in München 8,4 Prozent bekommen hat. Da ist doch klar, dass wir Grüne dagegenhalten. Wir stehen für Menschenwürde und Weltoffenheit und das ist jetzt besonders nötig.

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