Neuer FC-Bayern-Trainer Neuanfang mit Niko Kovac: Heute offizielle Vorstellung

Hat einiges zu bewältigen: Bayerns neuer Trainer Niko Kovac. Foto: dpa

Bayern-Trainer Kovac wird an diesem Montag als Nachfolger von Jupp Heynckes vorgestellt. Von Sanches bis Boateng: Die AZ erklärt die kniffligen Fragen für den Coach in der Saisonvorbereitung.

München - Der Druck ist riesig, die Erwartungshaltung genauso. Und was soll man zum Trainer-Erbe sagen, wenn der Vorgänger Jupp Heynckes hieß? Der neue Bayern-Coach Niko Kovac (46) wird heute in der Allianz Arena offiziell vorgestellt. Es wäre wohl die Untertreibung des Jahres, von einer anspruchsvollen Aufgabe für den Kroaten zu sprechen.

Niko Kovac kommt als Pokalsieger

Was aus Kovacs Sicht positiv ist: Er kommt als Pokalsieger nach München, als Bayern-Bezwinger im Cup-Finale von Berlin mit Eintracht Frankfurt. Das hat seinem Ansehen innerhalb der Münchner Mannschaft sicher nicht geschadet. Und: Er genießt großes Vertrauen bei den Bossen. Uli Hoeneß etwa glaubt, "dass wir mit Niko viel Spaß haben werden". Zugleich kündigte der Präsident mit Blick auf die Titeljagd in drei Wettbewerben an: "Was die anderen uns dieses Jahr weggenommen haben, holen wir uns nächstes Jahr wieder!" Heißt: Das Double soll es dann schon bitte sein, mindestens. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sagte über Kovac, der von 2001 bis 2003 für Bayern spielte und Weltpokalsieger wurde: "Er weiß, wie unser Verein funktioniert. Das ist sehr wichtig." Trotzdem könnte es eine komplizierte Vorbereitung werden, ein Neunfang mit Tücken. Warum?

Die AZ erklärt die kniffligen Fragen für den neuen Trainer.

Wie verkraften die Stars das WM-Aus? Für die deutschen Nationalspieler sowie Polen-Angreifer Robert Lewandowski verlief die WM mit dem Vorrunden-Scheitern extrem enttäuschend. Kovac ist deshalb als Psychologe gefragt, wenn die Stars um Thomas Müller in circa drei Wochen ins Training einsteigen. Nicht zu vergessen: Auch das Saisonfinale beim FC Bayern verlief frustrierend. Pleite im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid, Niederlage im Pokalendspiel gegen Frankfurt.

Kovac muss nun einen neuen Titelgeist erzeugen, die Gier zurückbringen. Genug Zeit dafür hat er: Bis zum Bundesliga-Start gegen 1899 Hoffenheim (24. August) sind es noch mehr als sieben Wochen.

Gnabry will in seiner ersten Bayern-Saison "Minimum einen Titel"

Welche Chancen haben die Neuzugänge? Serge Gnabry wird ebenfalls heute vorgestellt, nach einem Jahr Leihe kehrt der 22-Jährige aus Hoffenheim zurück. Und er brennt auf seinen neuen Klub. "Es ist auf jeden Fall sehr viel Stolz dabei", sagte Gnabry. In seiner ersten Saison wolle er "Minimum einen Titel" gewinnen. Die Mia-san-mia-Einstellung hat der Außenstürmer schon mal verinnerlicht. Nach einem Muskelbündelriss absolviert Gnabry aktuell noch ein Rehaprogramm, doch schon bald will er Franck Ribéry und Arjen Robben im Kampf um die Stammplätze angreifen.

Mit Leon Goretzka (23, ehemals Schalke 04) kommt ein weiterer Hochbegabter zu den Bayern. Der deutsche WM-Teilnehmer wird als Leader der Zukunft angesehen. Nun muss er sich im Luxuskader aber erstmal gegen erfahrene Topspieler wie James Rodríguez, Thiago oder Arturo Vidal durchsetzen.

Und da ist ja noch Renato Sanches. Der Portugiese (20) erhält nach einjähriger Leihe bei Swansea City eine neue Chance, zuletzt postete er Fotos aus dem Kraftraum in Bayern-Hose. Spannend, ob Kovac Sanches endlich zu seiner Höchstform führen kann.

Gibt es noch Veränderungen im Kader? Jérôme Boateng, Robert Lewandowski, Thiago, Vidal, Juan Bernat – einige Spieler wurden zuletzt mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Bislang tut sich auf der Verkaufsseite aber nichts, Boateng und Lewandowski etwa konnten bei der WM nicht für sich werben.

Und doch: Traditionell erhitzt sich der Markt erst nach einem Turnier, es könnte also noch Abgänge geben. Als Neuzugänge werden Ajax-Verteidiger Matthijs de Ligt (18) sowie Kroatiens Sturmkante Ante Rebic (24) gehandelt. Den kennt Kovac ja aus Frankfurt.

Bleiben die Altstars ruhig? Bayerns Oldies Ribéry (35) und Robben (34) haben jeweils einen neuen Einjahresvertrag erhalten, in der kommenden Saison könnten sie allerdings häufiger auf der Bank sitzen. Denn: Gnabry und Kingsley Coman (22) sollen als Nachfolger auf der offensiven Außenbahn aufgebaut werden. An den Personalien Ribéry/Robben wird sich wohl zeigen, wie viel Autorität Kovac wirklich hat.

Wie lässt Kovac spielen? Klar ist: Es wird körperlicher bei Bayern. Auch deshalb reist der Meister nach dem USA-Trip (23. bis 30. Juli) für eine Woche an den Tegernsee, um in Rottach-Egern (2. bis 9. August) an der Fitness zu arbeiten. Zuletzt war Bayern 2006 dort – mit Schleifer Felix Magath.

Bei Eintracht Frankfurt ließ Kovac Powerfußball spielen, es wurde mal gepresst, mal gekontert, immer mit viel Härte. Ob der neue Trainer wie in Frankfurt auf ein 3-5-2-System setzt? Das wäre eine kleine Revolution, Bayern vertraut seit Jahren auf ein 4-3-3. Der Neuanfang mit Niko wird hochinteressant.

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