Neuer Anlauf für alte Idee Eine S-Bahn-Station für Harlaching?

, aktualisiert am 22.11.2018 - 08:57 Uhr
Bis 2013 sind noch die S27 und S20 über die Großhesseloher Brücke gefahren. Dann wurde die Linie eingestellt beziehungsweise der Linienweg verändert. Im Viertel hätte man gerne wieder S-Bahnzüge, die die Brücke queren. Foto: imago/imagebroker/siepmann/Archivbild

Endlich eine direkte Verbindung übers Isartal – das wünscht sich der BA Harlaching. Und zwar mit einem neuen S-Bahn-Anschluss fürs Viertel.

 

München - Egal ob morgens oder abends, auf der Geiselgasteigstraße rollt dichter Verkehr in Richtung München oder wieder hinaus.

Viele Pendler aus dem südlichen Landkreis müssen eben rein in die Stadt und wieder raus. Die Trambahn, die ja aus Grünwald schnurgerade in die Stadt fährt, ist auch meistens voll, vielen ist sie auch einfach zu langsam. Die Autofahrer wiederum können nur an wenigen Stellen ausweichen, Querungen über die Isar sind rar.

Baumgärtner: "S-Bahn-Halt im Viertel simpel wie effektreich"

Nach der Brücke in Grünwald ist erst die Tierparkstraße in Thalkirchen der nächste Übergang für den Straßenverkehr. Der öffentliche Nahverkehr kann sogar erst an der Wittelsbacherbrücke die Isar queren, denn die Tierparkbrücke trägt keine Busse. Wie könnte man also die Situation am östlichen Isarufer entzerren? (Lesen Sie hier: Schluss mit unpünktlichen Bussen - MVV nennt konkrete Maßnahmen)

Der Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching bringt dazu eine – nicht ganz neue – Idee auf den Tisch: einen S-Bahn-Halt im Viertel. "Die Idee ist ebenso simpel wie effektreich", sagt der BA-Chef (und mutmaßlich neue Wirtschaftsreferent) Clemens Baumgärtner (CSU). "Die Geiselgasteigstraße ist im Berufsverkehr in beide Richtungen total dicht. Zumindest die, die reinfahren, könnte man gut abfangen." 

Baumgärtner weiß auch schon, wie und wo: "Ideal wäre das an einem Knotenpunkt – wie der Tram-Wendeschleife an der Station Großhesseloher Brücke." Hier kreuzen Bahngleise, die BOB nach Holzkirchen und der Meridian nach Rosenheim fahren über die Großhesseloher Brücke.


An der Geiselgasteigstraße könnte eine S-Bahnstation entstehen. Grafik: Google Maps/AZ

Erinnerungen an die S27 und S20 von Deisenhofen

S-Bahn-Strecken gibt es nur noch entlang der Isarufer, auf der westlichen Seite wäre der nächste Halt Solln an der S7, auf der östlichen sogar Deisenhofen an der S3. Warum diese Linien nicht verbinden? Eine solche Verbindung gab es bereits. Bis Ende 2013 fuhr die S27 von Deisenhofen zum Hauptbahnhof, die S20 von Deisenhofen nach Pasing. (Lesen Sie hier: Nach Söder-Versprechen: MVV-Tarifreform droht zu scheitern)

Fans dieser Querverbindungen hatten schon damals auf einen Ausbau mit einer S-Bahn-Station Menterschwaige nahe der Großhesseloher Brücke gehofft. Doch stattdessen übernahm der Meridian die Strecke der S27, die S20 bindet nun Pullach an. Baumgärtner ist überzeugt, nicht nur für die Pendler, auch für die Harlachinger wäre es attraktiv, wieder einen Anschluss ans S-Bahn-Netz zu haben.

Wer zum Beispiel von hier nach Sendling will, müsse mit Tram und U-Bahn in die Stadt hinein, umsteigen und der U-Bahn wieder hinaus fahren. An der neuen S-Bahnstation müsse, um den Umstieg vom Auto auf den Nahverkehr wirklich attraktiv zu machen, eine Park+Ride-Anlage her, meint der BA-Chef.

Baumgärtner: "Kombination S-Bahn-Tram quasi schon vorhanden" 

Als Platz dafür käme der Wald hinter der Wendeschleife in Frage. Der sei von Stürmen ohnehin ziemlich ausgedünnt. Und man könnte den Tram-S-Bahn-Auto-Knotenpunktnoch weiter ausbauen: "Auch ein gewisses Maß an Nahversorgung wäre gut", meint Baumgärtner, für Einkäufe auf dem Heimweg und auch die Anwohner. Letzteren entstünde auch sonst durch den neuen Bahnhof kein Nachteil.

Alles Bauliche könnte östlich der Geiselgasteigstraße stattfinden, wo kein Wohngebiet ist. Eine Win-Win-Situation für alle, so der BA-Chef. "Die Kombination S-Bahn-Tram ist schnell und quasi schon vorhanden." Der BA stimmte für den Vorschlag. Die Stadt, so Baumgärtner, müsste den Vorschlag in die Landkreise-Konferenz im MVV einbringen.

Station Menterschwaige Teil des "Sendlinger Spange"

Einen Prüfauftrag müsste die Bayerische Eisenbahngesellschaft erteilen. Letztere erklärt auf AZ-Nachfrage, die Idee des S-Bahn-Halt "Menterschwaige" sei schon „wiederholt betrachtet“ worden. Allerdings konnten bisher "keine volkswirtschaftlich positiven Ergebnisse für eine Bahnstation ermittelt werden", heißt es. Aber: Die Idee ist nicht vom Tisch. Soweit man wisse, solle die Station im Programm zum Bahnausbau in der Region München neu bewertet werden, so Sprecherin Agnieszka Urban.

Das werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, weil bei der Prüfung eben der gesamte Ausbau in der Region umfassend untersucht werde. Die Station Menterschwaige ist dabei ein Punkt beim Ausbau der "Sendlinger Spange". Die beginnt in Laim und mündet in Mittersendling in die Bahnstrecke nach Holzkirchen. Die Verbindung soll etwa in Störungsfällen die Stammstrecke entlasten.

Ob der S-Bahnhalt an der Menterschwaige kommt, ist also noch nicht sicher, aber möglich. Die Harlachinger würde es freuen.

Das Projekt "Sendlinger Spange" 

Das ist geplant:

  • Ausbau des Haltes Heimeranplatz West am heutigen Bahnsteig der S20.
  • Neue Weichenverbindung in Laim für Fahrten vom Heimeranplatz West in die Stammstrecke Richtung Pasing.

Bei einer zweiten Baustufe wäre folgendes angedacht:

  • Bau des neuen Haltepunktes "Menterschwaige" an der Strecke zwischen Solln und Deisenhofen.
  • Bau einer Weiche, so dass Züge vom Heimeranplatz West den Bahnsteig am Harras erreichen können.
  • Finanzierung durch Freistaat und Bahn.
  • Start der Planfeststellung im Jahr 2019.
  • Realisierungs- und Finanzierungsverträge für die Bauausführung in den Jahren 2019 (Überleitverbindung) und 2021 (Umbau Heimeranplatz).
  • Inbetriebnahme der Überleitverbindung vsl. im Dezember 2022, die des Umbaus am Heimeranplatz vsl. im Dezember 2024.
  • Bisher gibt es allerdings keinen Terminplan für die zweite Baustufe.
 

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