Neue Vorwürfe Hat sich Strauß von der DDR schmieren lassen?

Wilhelm Schlötterer piesackt die CSU mal wieder. Foto: dpa

Neue Dokumente legen nahe, dass die CSU-Ikone Anfang der 80er Milliarden-Krediten an das SED-Regime nur zustimmte, weil er selbst mitkassiert hat.

 

München - Das Denkmal von Franz Josef Strauß hat in den vergangenen Jahren schon ein paar empfindliche Kratzer abbekommen. Wenn allerdings stimmt, was ein jetzt neu aufgetauchtes Dokument nahelegt, war der ehemalige CSU-Übervater nicht nur ein politischer Schlawiner, sondern ein durch und durch korrupter Politiker.

Dem Buchautor und Strauß-Kritiker Wilhelm Schlötterer ist vor wenigen Wochen ein interner Prüfbericht der DG Bank zugespielt worden. Dieser stammt vom 4. April 1994 und befasst sich mit einem Privatkonto von Strauß, geführt von der Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft Fidinam. Kontostand bei Auflösung Ende März 1990: Fast 360 Millionen Euro.

Schlötterer hat in seinen Publikationen schon mehrfach über das Strauß’sche Millionenvermögen spekuliert. Von einer Hinterlassenschaft in Höhe von rund 300 Millionen Euro war die Rede – eine Summe, die sich Strauß auch bei größter Genügsamkeit niemals mit seinen Politikergehältern hätte zusammensparen können.

Die nun aufgetauchten Dokumente stützen Schlötteres These, dass das Vermögen zu einem Großteil aus illegalen und nicht versteuerten Einnahmen bestehen müsse. Das Strauß-Konto weise, so schreiben die Revisoren der DG Bank in ihrem Prüfbericht „in einer besorgniserregenden Art und Weise eine Vielzahl von fragwürdigen Einzahlungen und Überweisungen auf“.

Im Juli 1988, kurz vor dem Tod von FJS, brach die Kontotätigkeit plötzlich ab. Davor ist das Geld aber offenbar nur so geflossen. Der frühere Medienmogul Leo Kirch gehörte zu den Einzahlern, Geldgeber aus Saudi-Arabien und dem Libanon und – besonders brisant – der DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski.

Schalck-Golodkowski hat insgesamt hundert Millionen D-Mark auf das Strauß-Konto eingezahlt. Eine erste Tranche à 50 Millionen Ende 1983, zwei weitere Tranchen zu je 25 Millionen ein paar Monate später. Alles in bar.

Laut Schlötterer handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich um eine Provision für die Vermittlung des Milliardenkredits an die DDR. Der deutsche Zwillingsstaat war Anfang der 80er Jahre so gut wie pleite – was dem eingefleischten Kommunistenhasser Strauß eigentlich sehr gelegen hätte kommen müssen. Trotzdem war überraschenderweise er es, der den Deal mit dem SED-Regime eingefädelt und die Existenz der DDR so wahrscheinlich verlängert hat.

Bei CSU-internen Wahlen musste Strauß dieses Manöver mit für ihn historisch schlechten Ergebnissen büßen. Schon damals hat man sich deshalb gefragt: Warum hat er das gemacht? Mit den neuen Erkenntnissen muss man sich nun fragen: Hat er sich von der DDR schmieren lassen?

Für Wilhelm Schlötterer ist die Sache klar. Er und sein Anwalt, der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Hildebrecht Braun, haben keinen Zweifel an der Seriosität ihrer Quelle. Der Tippgeber habe zu keiner Zeit Geld für die Informationen gefordert, hege weder Groll gegen die Strauß-Erben noch gegen die CSU. „Zudem fügt sich alles gut ein in das, was wir schon wissen“, so Braun. In den nächsten Wochen und Monaten wird es also viel aufzuklären geben. Allem voran natürlich, ob das Dokument authentisch ist.

Sollte dem so sein, wäre das Andenken an FJS mehr als nur schwer beschädigt. Den Unterlagen zufolge sieht es schließlich so aus, als hätte sich der langjährige bayerische Ministerpräsident bei jeder Gelegenheit die Taschen vollgemacht.

Da sind schließlich nicht nur die Millionen von Schalck-Golodkowski. Mindestens zwei Unternehmen aus dem Leo-Kirch-Imperium tauchen in den Bilanzen auf, dazu Unterkonten mit ominösen Namen wie „Dessert-Fox“, „BigNefudTank“ und „Rubalchali-Buggy“ – alles Bezeichnungen, die Schlötterer zufolge nur einen Schluss zulassen: Da sind auch Einnahmen aus Waffengeschäften aufgefangen worden.

Schlötterers Quelle ist bereit, seine Anonymität aufzugeben und vor Gericht auszusagen. Dann ist vielleicht auch zu klären, was aus den vielen Millionen geworden ist? Momentan gibt es dazu nur Vermutungen.

Aus dem Prüfbericht der DG Bank geht hervor, dass das Konto durch Barabhebung des kompletten Betrags aufgelöst wurde. Schlötterer geht davon aus, dass das Geld danach erst bei der Bayerischen Landesbank geparkt und dann weiter nach Luxemburg transferiert wurde.

Wer zuletzt über das Geld gewacht hat? Vieles spricht für Max Strauß. Der war zumindest zum Schluss als Kontobevollmächtigter eingetragen. Laut Schlötterer spreche für den ältesten FJS-Sohn zudem die Art und Weise, wie der 2006 eine Strafe bezahlt hat. Wegen der Wabag-Affäre war Max Strauß da zu einer Zahlung von 300 000 Euro verdonnert worden. Die zahlte er einfach bei der Justizkasse ein – in bar.

 

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